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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Kleiner Reisebericht aus der digitalen Zukunft ohne Cash: Schweden (mT)

    verfasst von DT, 28.08.2019, 23:18

    In Schweden kann man ja die Zukunft der digitalen und politically hyperkorrekten Gesellschaft sehen. Also wollte ich mir das einmal direkt vor Ort anschauen. Um möglichst tief einzutauchen, hatte ich mich entschlossen, komplett auf den digitalen Lebensstil einzulassen, was heißt, kein Bargeld, nur Kreditkarte und Handy mit allen möglichen Apps, um zu sehen, wie das in Zukunft auch bei uns sein wird. Dazu modernste Fortbewegungsmittel wie E-Roller (Roller bin ich zum letzten Mal mit 5 gefahren).

    Man muß sagen, daß sich das ganze sehr bequem anfühlt. Man gibt das Geld auch aus wie Wasser, ohne Kontrolle darüber zu behalten. Hier mal 150 Kronen, dort mal 80, dort 220, usw. Der Kurs ist ca 10:1, man muß also nur durch 10 teilen, um auf EUR zu kommen.

    Ich war mehr in Mittelschweden unterwegs, hab also die schlimmsten Orte wie Malmö, wo es nach dem Hörensagen ähnlich ist wie in Duisburg-Marxloh und Umgebung, gemieden. Dort gab es auch alle mögliche Farben in der Bevölkerung, aber ich habe keinen einzigen Rumhändenden Bereicherer gesehen. Im Gegenteil, morgens schon vor 6 sieht man Schwarze, die mit einem Gebläse die Straße kehren (nicht nur samstags, sondern auch unter der Woche!), später sieht man noch mehr schwarze und Ausländer, die mit solchen Greifsticks die wenigen Unratteile aus der vorigen Nacht in einen Sack auflesen. Am Bahnhof sah ich nur 2 Bettler, aber das waren einwandfrei Nachfahren der Wikinger, die dem Alkohol anheimgefallen waren.

    Viele Äthiopierfrauen habe ich gesehen, und ich war baß erstaunt, daß sie praktisch akzentfrei schwedisch gesprochen haben und meistens Lehrbücher vor sich hatten, in die sie fleißig reingeschaut bzw. reingeschrieben haben.
    Zu den Rollern: es ist sehr bequem, einen zu nehmen, sie stehen fast überall, es gibt als Marken Vio und Lime, und ich habe mir die App besorgt und mit meiner Kreditkarte verlinkt. Sie stehen, Schweden-typisch, sehr aufgeräumt und in Reih und Glied am Straßenrand, das Gegenteil von Paris, wo alles rumliegt. Wer die nachts auflädt und aufräumt habe ich nicht gesehen.

    Anyway, das Freischalten eines Rollers kostet 10 kr (1EUR), dann kosten eine Minute Fahrt (bis zu 25 km/h) 3 kr (30 Cents). Wenn man zB in Stockholm von den überall vorhandenen Bussen, Trams oder der SBahn zu einer Sehenswürdigkeit will, sind schnell mal 7 Minuten vergangen incl. Ampel, und dann hat man zu weit ruck zu 6-7 EUR verballert, ohne es zu merken. Dafür gibt’s schon fast ein Tagesticket, zumindest mehrere Bustickets.

    Die Bahnhöfe, Trams, Gleise (!) und Bahnsteige sind extrem sauber. Ebenso die Züge. Ich habe fast nirgends irgendwelche Graffiti gesehen oder Geschmiere. Dafür jede Menge Bau- und Instanthaltungstrupps. Man hat sich an Westdeutschland der 80er Jahre erinnert gefühlt. Die Menschen lesen sogar noch Bücher in den SBahnen, allein in meinem Waggon heute morgen habe ich dreie davon gesehen. Auch Zeitungen sind noch gefragt, der Rest schaut natürlich aufs Smartphone.

    Die Tickets sind schon teuer. So ein Einmalticket in Stockholm und Umgebung kostet 75 kr (7.5 EUR), und ein Tagesticket so im Bereich von 13 EUR incl. der Karte, die man braucht und nicht zurückgeben kann (4 EUR). Dafür fahren die Busse wirklich pünktlich und alle 5 Minuten und jede Menge davon. Die Pendelzüge zB zum Flughafen kommen auch schon 15-20 min früher, stehen dann abfahrbereit am Kopfbahnhof, man kann sich reinsetzen und in aller Ruhe seinen Platz suchen und das nimmt dem Ganzen den Streß, den man in D gewohnt ist.

    Überall in den öffentlichen Verkehrsmitteln laufen auch die Klimaanlagen, auch jetzt im Spätsommer in Mittelschweden, wo es ca 28-30 Grad ist. In D habe ich das Gefühl, daß bei 35 Grad eingeschaltet wird und dann nur auf Halbstrom zum Sparen, und bei 40 Grad fallen sie sowieso aus.

    Noch selten habe ich erlebt, daß an einem schwülen Tag auch bei 27 Grad schon ordentlich gekühlt wird. Das macht das ganze öffentliche Fahrerlebnis sehr angenehm.

    Überhaupt hat man den Eindruck, daß die Politik in Schweden sich sehr um die Bürger und um die Menschen dreht. Die Bürgersteige sind breit, die Fahrradwege durchgehend, genügend viele und lange Züge und Busse, die auch noch auf die Minute pünktlich sind, alles wohlgemerkt zu seinem Preis, genügend Trupps, die für Sauberkeit und Instanthaltung sorgen. Was ich an verschiedenen Orten in Punkto Schulen, Spielplätzen, Museen, Unigebäude gesehen habe, war fantastisch.

    Von Stockholm ist es nur ein kleiner Sprung und etwas mehr als 30 min nach Uppsala, in die alte Unistadt, und dort gibt es die Unibibliothek, die eine Goten-Bibel aus dem Jahr 500 (!) birgt. Man kann einfach so reingehen, die Bibel ist ausgestellt in einer Vitrine, neben weiteren Büchern von 700-1500, unglaublich. Alles in einem Top-Zustand. Ich habe neugierig mal geschaut, wo und wie die Aufenthaltsräume der Studenten in dieser Bibliothek sind, und war baß erstaunt, 2x 10 Mikrowellen nebeneinander zum Aufwärmen des Essens (es sind viele Asiaten dort), Möbel wie im Ikea-Möbelhaus, das Interieur toll mit Holz verkleidet, Wahnsinn. So muß das mal vor 100 Jahren im dt. Kaiserreich ausgesehen haben, als man noch auf Bildung Wert legte.

    Und überhaupt die digitale Infrastruktur: überall unterwegs und natürlich in den Städten 4G. Ich habe ab und zu einen Speedtest gemacht, und selbst im Zug zwischen Uppsala und Stockholm, wo draußen nur Weizenfelder zu sehen waren, hatte ich 30 Mbit/s im Download und 40 (!) Mbit/s im Upload. Sowas gibt es selbst in deutschen Großstädten kaum, wenn man 50 Mbit abonniert hat. In vielen Orten ist freies Internet und zwar mit richtig guter Geschwindigkeit.
    An den Kassen herrscht bereits „self payment“, natürlich mit Apple Watch, mit Kreditkarte (NFC Funktion) etc. Mein Hotel ist „cash free“, gestern beim Bäcker unterwegs war auch „cash free“, zwei deutsche Touristen neben mir waren etwas hilflos.

    Selbst eine Mc-Donalds-artige Burgerkette ist automatisiert, indem ca 7 Auswahlautomaten nebeneinander sind, wo man sein Menu zusammenstellt. Damit fällt die ewige Bestell-Warterei weg, man geht nur zur Theke, um sein Mahl dann abzuholen. Der Burger-Index ist aber auf ca 90 kr (9 EUR) für ein Big Meal (mit Burger, Fries und Getränk), nur mal so zum Vergleich.

    Auch eine Fanta/Cola oder was Kleines zu Essen im normalen ICA Laden (sowas wie Edeka) kosten um die 2.20 EUR, das sind fast schon Bahnhofspreise bei uns.
    Auch beim Eintritt ins Wasa-Museum in Stockholm, wo das große Schiff Wasa liegt, was 1628 bei der Jungfernfahrt im Stockholmer Hafen gesunken ist und 1959 fast komplett intakt geborgen wurde, gab es diese Auswahlbildschirme, und dadurch gab es keine Schlangen an der Kasse, obwohl es mit eine der Hauptattraktionen von Stockholm ist.

    Die Hauspreise liegen bei 300-500 kEUR für mittelgroße Wohnungen bzw. Häuser, somit sind qm Preise von den oberen 3000 EUR bis zu 5000 EUR normal. Beim Fahren durch das Land ist mir die gute Qualität aufgefallen, alles tip topp, sowohl EF Häuser wie auch Wohnblocks. Viele viele spielende Kinder, viele Mütter mit Babybauch und Kinderwagen, und zwar blonde und schwedische. Die üblichen verhüllten Kinderwagen-schiebenden Mütter aus deutschen Großstädten sind mir nicht aufgefallen!

    Von der Gretel Thunfisch war überhaupt nichts zu merken. Weder in den schwedischen Tageszeitungen, die ich mir morgens beim Frühstück angesehen habe, noch abends in den 5 Programmen im Fernsehen oder in den Nachrichten. Ansonsten sind schon viele Mülleimer aufgestellt, auch zT mit Trennung, aber nicht übermäßig viele. Interessant die Technik in den Zügen, um den Abfalleimer am Platz sauberzuhalten, sind Abreiß-PLASTIKtüten seitlich angebracht. So ist ruck zuck danach aufgeräumt. Wenn das die Gretel wüßte!

    Ich bin auch an verschiedenen Stellen und in Parks nachts umhergelaufen und habe mich niemals auch nur im Entferntesten unsicher gefühlt. Auch nicht im Bahnhof oder in der Unterführung. Aber wie gesagt, ich war nicht im Bereichererhotspot Malmö.

    Die Leute machen einen zufriedenen und entspannten Eindruck und wirken nicht gehetzt oder grimmig. Das hat vielleicht auch damit zu tun, daß nur 8 Mio auf einer Fläche doppelt so groß wie D sind und selbst die großen Städte wie Stockholm nicht so dicht besiedelt sind. Aufgrund der hohen Preise sind auch nicht so viele Touristen da wie zB in London oder Rom, so daß das ganze sehr angenehm ist. Die Quittung wird dann wohl beim Blick auf den Kreditkartenauszug kommen, aber das kriegt man jetzt nicht mit.

    Und meinen digitalen Fingerabdruck mit meinen Apps, meinen Käufen und Tickets, bis zum letzten Softdrink oder Burger, den gibt es jetzt auch… so ist das in der schönen neuen Welt.

    Macht Euch mal selber einen Eindruck, wenn ihr könnt, es ist schön hier in jeder Hinsicht [[freude]]! Billige Flüge für etwas über 100 EUR hin UND zurück gibt es schon im Netz.

    DT

    PS: Was mir noch einfällt: Die Toiletten sind schon gegendert. Oft findet man das Symbol Mann/Frau an der Toilette, so zB in der Lounge im Arlanda Airport, und es gibt keine Urinale mehr. Da geht dann auch X als 3. Geschlecht.

    

    gesamter Thread:

  • Kleiner Reisebericht aus der digitalen Zukunft ohne Cash: Schweden (mT) - DT, 28.08.2019, 23:18

Wandere aus, solange es noch geht.


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