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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Einspruch, Euer Ehren!

    verfasst von Weiner E-Mail, 04.08.2019, 23:45

    Guten Abend, werter Revoluzzer!

    Vor ein paar Tagen habe ich hier in Beantwortung eines Beitrages von @Nereus ein russlandkritisches Bild entworfen (zu finden unter dem Stichwort WOSTOK). Zu dem von Dir nun zitierten LINK möchte ich sagen: leider nur partiell richtig, entspricht nicht der globalen bzw. durchschnittlichen Lage in Russland!

    Im April des Jahres kam ein Armutsbericht von Rosstat heraus, der auf umfangreichen Befragungen basierte und die gründlichste Untersuchung seit Jahren im Hinblick auf die Armut in Russland war. Er hat dem Kreml und der Duma natürlich nicht gefallen und wurde heftig kritisiert.

    Ein Echo auf die Diskussionen findest Du hier:

    https://owc.de/2019/08/01/wachsende-armut-bedroht-russland/

    https://oxiblog.de/ueber-oxi/

    Neulich kam eine Doku in 3Sat, in deren Mittelpunkt ein Chor in St. Petersburg stand. Dieser Chor singt in aufwendig restaurierten, farbig glänzenden Kathedralen mit vergoldeten Zwiebeltürmen, aber die Chormitglieder hausen in erbärmlichen Wohnungen. Bitte mal reinschauen hier nach Minute 11:00

    https://www.3sat.de/dokumentation/reise/russland-kurz-petersburg-100.html

    Meine Intention, wenn ich mich hier in die Diskussion einklinke, ist die folgende: ich möchte dem Forum begreiflich machen, dass die wahren Grenzen und Spannungen nicht in der Horizontalen liegen, d.h. zwischen Ländern und Systemen (USA, Europa, Russland), sonderen dass die Spannungen weltweit gesehen vertikale sind, d.h. zwischen extremen Vermögens- und Einkommenskonzentrationen ganz oben und extremer Armut und Not ganz unten.

    Deswegen folgt hier nach Russland, das heute ein ganz klares Ausbeutungssystem an Natur und Mensch ist, gleich der Blick auf die USA, wo haargenau die gleichen Verhältnisse herrschen:

    https://larouchepub.com/eiw/public/2019/2019_20-29/2019-27/eirv46n27-20190712.pdf

    Das ist eine Dokumentation, die die LaRouche-Organisation erarbeitet hat und die beispielhaft aufzeigt, wie heruntergekommen die USA etwa in Hinsicht auf Infrastruktur, Armut und Volksgesundheit sind.

    Ich habe in meinem Beitrag neulich angedeutet, dass ein Krieg gegen den Menschen (seiner Zahl und seinen kulturellen Werten) im Augenblick abläuft. Die USA sind dafür ein hervorragendes Beispiel: im Vietnamkrieg sind über mehrere Jahre hinweg etwa 60.000 amerikanische Soldaten ums Leben gekommen, und das wird als schweres nationales Opfer angesehen, jedoch aktuell sterben gleich viele Menschen JEDES JAHR (!) an Drogen in den USA, und darüber regt kein Mensch sich mehr auf. Da gibt es allenfalls TwitterLippenVerbesserungsBekenntnisse von Herrn Trump - genauso wie Herr Putin jedes Jahr verspricht, die Armut zu bekämpfen.

    Noch ein paar Bemerkungen zu Russland. Trotz der Sanktionen ist der Handel mit Deutschland gewachsen. Auch ausländische Investitionen in Russland haben angezogen. Ein paar Zahlen findet man hier:

    https://www.globalresearch.ca/world-dedollarizing/5684049

    (ziemlich weit runterscrollen zu "Despite US and EU sanctions, German investments in Russia are breaking a 10-year record in 2019 ...")

    Für den Raum Kaliningrad gibt es seit kurzem elektronische und kostenlose Visa, man plant das gleiche für Petersburg. Wenn ich mich richtig erinnere gibt es das auch seit langem schon für Wladiwostock.

    Putin zahlt noch immer Zinsen und Kredite zurück, die auf die 1990er Jahre zurückgehen. Neben dem Geldabbfluß aus Russland, den ich in meinem letzten Beitrag erwähnte (u.a. reiche Russen, die ihr Geld lieber im westlichen Ausland anlegen - ganz ähnlich wie die Rohstoff-Profiteure in Nahost, Afrika und Südamerika), gibt es aus Russland einen Abfluß von jährlich etwa 25 Mia. € an westliche Banken und Gläubiger. Man hat eingeworfen, dass Putin hier ebenfalls die Daumenschrauben anlegen könnte, als Reaktion auf die Sanktionen gegen Russland. Aber es ist klar, dass er sich das niemals leisten kann, ansonsten er sein Vertrauen und die ökonomische existentielle Verflechtung mit Europa aufs Spiel setzen würde.

    Nochmals mein Standpunkt: Der abendländische WESTEN, der aus Nordamerika, Europa und Russland besteht, ist durchgängig ein Ausbeutungssystem, das auf eine gemeinsame Wurzel und Geschichte zurückgeht. Es leistet sich aktuell einen internen Konflikt (USA + Europa gegen Russland), der auf den ersten Blick komplett sinnlos ist, weil der Westen dadurch seine Position global gesehen (etwa gegenüber China) schwächt. Es leistet sich ferner einen zweiten Konflikt, indem innerhalb der einzelnen Länder das Maß der Ausbeutung und der soziale Friede über Grenzen hinausgeschoben wird, die in den letzten 60 Jahren einem stillen Konsens entsprechend nicht angetastet wurden.

    Die Frage ist: warum geht der Westen das Risiko einer solchen Selbstschwächung ein? Oder ist es vielleicht gar kein Risiko?

    MfG, Weiner

    

    gesamter Thread:

  • "In meinen Augen ist Russland heute viel mehr Rechtsstaat als Deutschland." - Revoluzzer, 04.08.2019, 21:43

Wandere aus, solange es noch geht.


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