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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Geldschleier

    verfasst von Nico E-Mail, 04.05.2019, 20:38
    (editiert von Nico, 04.05.2019, 20:53)

    Weil ich zwischenzeitlich auch eine Anfrage per PN erhalten habe, möchte ich hier noch einmal auf das Thema Staatsgeld eingehen, und erlaube mir meine Antworten an @Naclador hier in einen neuen Thread zu stellen.

    Als erstes scheint der Hinweis angebracht, dass der allgemeine Wohlstand in einer Volkswirtschaft im Wesentlichen von einem einzigen Faktor abhängt, und das ist die rein physische Produktivität der Bevölkerung. Geld arbeitet nicht, es schraubt keine Autos zusammen, errichtet keine Gebäude oder dergleichen. Das Geldsystem, welches im Kern das System der Doppelten Buchführung ist, koordiniert diese Prozesse, aber natürlich ohne dabei selbst Werte zu erzeugen.

    Wenn sich Volkswirtschaften hingegen schlecht entwickeln, dann könnten vor allem schlechte Regierungen, schlechte Gesetze, schlechte Bildung oder ein schlechter Einfluss von äußeren Kräften der Grund dafür sein. Dass ein Verfall einer Volkswirtschaft oft von Inflation begleitet wird, ist schon richtig, und auch plausibel. Es bleibt aber die fehlende Produktivität, oder vielleicht auch das Wirken von Handelsembargos, welche nun zu einem Devisenabfluss führen und so nämlich die Importe verteuert, womit die Inflation erst ins Land getragen wird.

    Es ist wohl der gute, alte Geldschleier, welcher den Blick verstellt, und zugleich die Sinne betört. Es kann aber immer nur die Arbeit sein, welche dem Geld seinen Glanz verleiht. Das berühmte Deutsche Wirtschaftswunder ereignete sich derweil unter heiterer monetärer Inflation. Abgelöst wurde die Inflation dann von Arbeitslosigkeit, aber die Ritter vom Orden der Geldwertstabilität kann auch das nicht schrecken.

    Nun aber zu deinen Fragen, lieber Naclador!

    das musst Du uns jetzt aber bitte genauer erklären, warum irgend jemand Dein "Staatsgeld" haben wollen sollte, wenn es doch keinen Termin gibt, zu welchem er das Zeug haben muss.

    Diese Frage ist doch empirisch klar beantwortet. Banknoten sind von ihrem Wesen her Staatsgeld, was sich an dem Fehlen von Zins und Termin bereits erkennen läst. Die Termine auf Seiten des Publikums sind eine andere Sache und ergeben sich auf verschiedenste Weise – die zu bezahlende Miete zum Beispiel.

    Und wenn es schon reicht, "Legal Tender" auf kleine bunte Zettel zu drucken, warum macht man sich dann wohl die Mühe mit der Zentralbank?

    Auch das ist keine wirkliche Frage, weil die ZB (als ein Staatsorgan) zunächst einfach nur der Emittent der „kleinen bunten Zettel“ ist. Dass die Emission anders geregelt sein sollte, sage ich doch selbst. Das Konzept einer Zentralbank ist dabei auch das beste mir bekannte System. Hier geht es nur um die Frage, warum die Zentralbank dem Staat nicht die erforderliche Liquidität bereitstellt, und ihn stattdessen auf den Privatsektor verweist. Das könnte grundsätzlich leicht geändert werden, und mehr will ich in diesem Bereich auch nicht.

    Und warum führt staatliche Geldschöpfung per Druckerpresse in 100% der Fälle zu massiver Inflation?

    Weil du die „staatliche Geldschöpfung per Druckerpresse“ auch nur an der Inflation überhaupt erst diagnostizierst, mein Freund. Es ist nur dein Hirngespinst, dass es dieses Staatsgeld (Druckerpresse) überhaupt nicht gäbe, aber es gibt es überall und führt also nicht notwendigerweise zu Inflation. Es gilt zwei verschiedene Formen der Inflation zu unterscheiden: gleichbleibende Inflation (vielleicht ja 10% z.B.) und Inflation mit steigenden Inflationsraten. Letzteres deutet klar auf einen Devisenabfluss hin und dieser Devisenabfluss ist auch selbst das Problem. Es gibt also Inflation, aber der Volkswirtschaft ginge es ohne diese Inflation auch nicht besser.

    Die Inflation, von der du hier sprichst, resultiert aus dem Versuch, den Devisenabfluss mittels Notenpresse zu stoppen. Dies ist aber grundsätzlich zum Scheitern verurteilt, weil die eigene Währung im Ausland kein Zahlungsmittel ist, also niemand dort damit seine Telefonrechnung bezahlen kann.

    Bei Adolf hat das Gelddrucken dann aber zunächst doch recht gut funktioniert, weil er wohl keine Devisen kaufen wollte, sondern Autobahnen errichten ließ. Nur hat er den verderblichen Fehler begangen, die Inflation zu unterdrücken. Das führt nämlich unweigerlich dazu, dass sich wirtschaften immer weniger lohnt, weil die Preise zu niedrig bleiben um noch zu verkaufen. Wichtig bleibt immer, dass die Notenpresse nicht für den Kauf von Devisen genutzt wird, sondern nur für inländische Vorhaben.

    Oder kennst Du Gegenbeispiele?

    Das oben bereits genannte Deutsche Wirtschaftswunder ist ein Gegenbeispiel, aber deine Vorstellung von der Druckerpresse ist falsch. Im Grunde gibt es kein Geld, sondern nur Angebot und Nachfrage. Angebot und Nachfrage determinieren bekanntlich die Preise, also die Inflation. Die zusätzliche Nachfrage endete, weil statt zinsfreier Banknoten verzinste Staatsanleihen emittiert wurden. Nach und nach fraßen die Zinsen die zusätzliche Nachfrage auf, weil die zusätzlichen Staatsanleihen nur noch den Zins darstellen. Es gilt sich vor Augen zu führen, dass Geld nicht kauft, sondern erst entsteht, wenn gekauft wird. Im Bankensystem kommt es im Nachhinein zu Prozessen des Saldierens, was die Geldmenge wieder reduziert.

    ---
    ... in Wirklichkeit ist ... immer alles ganz anders, als es ... in Wirklichkeit ist ...

    

    gesamter Thread:

  • Geldschleier - Nico, 04.05.2019, 20:38

Wandere aus, solange es noch geht.


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