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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Halte dagegen -

    verfasst von EM-Financial E-Mail, Deutschland, 16.03.2019, 08:18
    (editiert von EM-Financial, 16.03.2019, 08:25)

    Hallo,

    vielen Dank für Deinen Einwurf und ich möchte Dir sehr danken, dass Du das Börsenthema einbringst, das ich seit der Zeit von JüKü vermisse und sein Weggang schmerzt mich immer noch so sehr, dass ich mir sagte, dass ich hier nicht schreiben wollte, bevor ich es nicht verarbeitet habe.

    Trotzdem möchte ich heute darauf antworten, da ich zum Fall Wirecard auch einige \"Internas\" berichten könnte, was ich aber aus wohl wissender Abwägung der Risiken - zum Schutze meiner Familie - nicht tue.

    Zuerst vergessen wir mal bitte das Schmierblatt \"Financial Times\". Denn ich glaube, die Kursreaktionen sind gar nicht ausschließlich auf deren Berichte zurückzuführen. Wer das glaubt, der glaubt an den Weihnachtsmann und weiß leider nicht wie die Börse arbeitet.

    Aktuell werden einfach Wahrscheinlichkeiten gespielt und die verschieben sich nun mal täglich.

    Vielleicht hat der Journalist der FT ja sogar recht, vielleicht ist er einem \"Leerverkäufer\" auf den Leim gegangen, vielleicht profitiert er - verdeckt - persönlich davon. Aber ich glaube die FT hat auch interne Prüfungen und hat so eine populären Angriff sicher nicht gestartet, ohne zumindest die Glaubwürdigkeit der Quellen bestätigt zu haben.

    Vielleicht ist es auch ein Angriff der angelsächsischen Finanzwelt, auf das einzige noch bestehende, erfolgreiche deutsche Finanzunternehmen, das außer der fast schon komplett ausgenommenen Commerzbank und Deutsche Bank noch lebt? Das würde sicher eine schöne Verschwörungstheorie ermöglichen.

    Aber darauf will ich jetzt gar nicht \"rumreiten\". Alles das weiß ich (wirklich) nicht und wenn ich etwas nicht weiß, dann lasse ich die Finger von der Spekulation.

    Für mich ist der Fall relativ eindeutig. Und ich sehe es anders.

    Nicht nur wegen dieser Vorwürfe, sondern allgemein hat Wirecard ein Geschäftsmodell, dessen Profitabilität sich in den nächsten 10 Jahren erheblich abschwächen könnte.

    Die Fin-Tech Branche lebt davon, dass sie etwas \"neues\" kreiert. Aber im Endeffekt sind es doch nur \"Dienstleister\", die im Wettbewerb stehen.

    Dass sich Wirecard hier im Gegensatz zu anderen Anbietern (Paypal, Visa,...)
    Märkte und Nischen ausgesucht hat, die als schwer zu beackern gelten, hat das Unternehmen in den letzten Jahren erheblich wachsen lassen.

    Nur dieses Wachstum würde ich nicht fortschreiben. Darum hinterfrage ich die aktuelle Bewertung einmal.

    Die Aktie hat sich in den letzten Jahren in den Himmel geschraubt, wie andere Techs. Es ist eine allgemeine Überzeugung in der breiten Anlegerschicht eingekehrt, dass Techs nur wachsen können, ohne Unterbruch. Erstaunlicherweise kommen diese Phasen immer, nachdem der NASDAQ eine Jahresrendite von 20% p.a. über längere Zeiten erreichte. Wer dann - allgemein gesprochen - für das nächste Jahrzehnt investierte, fuhr bestenfalls unterdurchschnittliche Gewinne ein.

    Bei Wirecard kommt hinzu, dass hier doch zumindest einige Auffälligkeiten bestehen, die selbst der größte Optimist nicht erklären kann [[freude]]

    1.) Warum werden die Umsatzprognosen stets und immer praktisch exakt getroffen bzw. übererfüllt, ohne jemals ein Haar in der Suppe?

    2.) Warum ist Wirecard in Ländern aktiv, die Kapitalverkehrskontrollen haben und baut das Geschäftsmodell nicht zum Teil darauf auf, dass genau diese Kontrollen umgangen werden können?

    3.) Warum gerät Wirecard ins Licht der Ermittlungen, im Hinblick auf Geldwäschevorwürfe? Arbeitet die Singapurer Polizei etwa mit der FT zusammen?

    4.) Weshalb tut der Vorstand relativ wenig um alle Fakten aufzuklären? Er sagt nur wiederholt, wie Du es auch aufgreifst, dass absolut nichts an den Vorwürfen dran sei, aber tut in der Öffentlichkeit relativ wenig, um die Vorwürfe wirklich zu entkräften.

    5.) Weshalb wird ein CFO, was ja nicht mal eben eine unwichtige Position ist, in einem hochregulierten Umfeld wie Singapur frei gestellt?

    Sollte das mit den Vorwürfen und Ermittlungen in Zusammenhang stehen, warum geschah das dann nicht schon vorher? Wollte man intern die Dinge aussitzen?

    Hätte Wirecard bereits vor Monaten reagiert, wäre an die Öffentlichkeit getreten, hätte von einem möglichen \"Fehlverhalten\" des Asien-Office gesprochen und hätte sofort Konsequenzen gezogen, wären sie viel glaubwürdiger gewesen.

    Nun hängt der Anleger in der Luft.

    Vielleicht ist es nur ein Einzelfall und vielleicht ist das Umsatzvolumen um das es hier geht praktisch irrelevant.

    Das wissen wohl nur wenige...

    Es könnte auch der erste Dominostein gewesen sein, der gerade gefährlich vor dem kippen steht.

    Nur wenige Anleger werden das überhaupt realistisch einschätzen können.

    Meine mittlerweile mehr als 20 jährige Börsenerfahrung sagt mir, dass hier zu viele Fragen unbeantwortet bleiben und in vergangenen Fällen, die ich selbst miterlebt habe, ging das ausnahmslos sehr negativ aus.

    Weißt Du mehr verehrter Rekke oder ist es einfach nur eine Spekulation?

    Warum sollten Dir andere Anleger folgen, mit Deiner Überschrift? Kennst Du Wirecard und deren Geschäfte in und auswendig, was sagst Du zu den Vorwürfen selbst?

    Zumal Du in Deinem Posting nicht einen einzigen Punkt aufgreifst und entkräftest.

    Dass Wirecard Rückendeckung von den deutschen Behörden bekommt, ist eigentlich nachvollziehbar. Diese tappen ja auch im Dunkeln.

    Einen Skandal kann sich die Aufsicht nicht erlauben. Es würde ja nur zeigen, das sämtliche Aufsichtsmaßnahmen grob fehlerhaft gewesen wären, in Bezug auf die Identifikation von mutmaßlichen Geldwäschevorwürfen oder im Kreis getätigte \"Luftbuchungen\".

    Aufklärung könnten hier wiederum nur die Ermittler in Singapur, China, HK oder Indien schaffen.

    Dass Singapur hier ermittelt, geschieht auch nicht aus Spaß. Die dortige Aufsicht arbeitet sehr gewissenhaft.

    Bis zu einem Ergebnis ist es auch schwer etwas über den Ausgang zu sagen.

    Was mich ebenfalls etwas wundert, ist die Lage in China.

    Wirecard bietet seine Dienste in China an. Zum Beispiel eine Kreditkartenlösung für chinesische Touristen, die dort sehr stark beworben wird.

    Staatliche chinesische Großbanken haben ähnliche Angebote. Nun könnte ich mir vorstellen, dass dem einen oder anderen staatsnahen Finanzunternehmen in China die Aktivitäten von Wirecard, so sie denn erfolgreich sind, gehörig auf den Senkel gehen.

    Auch von dieser Seite könnte man also Sofortmaßnahmen befürchten, sollten sich auch nur kleine Teile der Anschuldigungen als zutreffend erweisen. Dann könnte Chinas Finanzaufsicht - ob nun gerechtfertigt oder nicht - die Geschäfte von Wirecard blockieren und damit auch wieder eine staatlich engere Kontrolle für die vorhandenen Kapitalverkehrskontrollen erwirken.

    Inwieweit das tatsächlich passiert und den Umsatz Wirecards beeinträchtigt, das kann ich nicht beurteilen.

    Nur sollte ein Investor diese Gefahren nicht unterschätzen.

    Die Vermutung liegt nahe, dass Chinesen nicht ausschließlich aus \"Glücksspielleidenschaft\", die Casinos dieser Welt oder Online aufsuchen.

    Auch wenn Wirecard sicher viel getan hat, um das Image als Dienstleister für den Porno-/Casinosektor aufzubessern.

    Final stelle ich mir auch noch die Frage, wie ein derart volatiles Unternehmen überhaupt in den DAX aufgenommen werden konnte, an einem Bewertungsniveau, das bei über 150 Euro zumindest nicht wirklich \"günstig\" gewesen ist.

    Dass die Aktie eine derart hohe Schwankungsbreite aufweist, spricht dafür, dass Anleger (inkl. Instis und Algos) verunsichert sind und das nicht einordnen können.

    Man hätte die DAX-Aufnahme von Seiten der Deutsche Börse also auch aufschieben können. Die kritischen Stimmen, bspw. vom Handelsblatt, waren nicht zu übersehen, hier wurde sogar der Vergleich mit MLP gezogen.

    Umgekehrt könnte die DAX-Aufnahme mit dazu beigetragen haben, dass gewisse Kreise sich leichter von ihren Aktien trennen konnten.

    Denn die Liquidität durch Indexfonds hat bestimmt auch zu einer höheren Kursspitze beigetragen. Nun spekulieren Anleger, vor allem Private, auf eine schnelle Verbesserung des Kurses, die ich fundamental so nicht angezeigt sehe.

    Auch wenn ich nicht bestreite, dass mein allgemeines Bewertungsempfinden für Wachstumswerte anders ist, als bei den meisten Anlegern und ich in den letzten fünf Jahren keine einzige der typischen Wachstumsaktien hielt und dennoch sehr gut ohne diese \"Modetrend\" gefahren bin. Als Value fokussierter Investor sehe ich, mit oder ohne Skandal, keinerlei Gründe, für eine deutliche Höherbewertung der Wirecard-Aktie.

    Warum sollte es dann wieder zu neuen Höchstkursen über 150 Euro in nächster Zeit kommen? Ist es nicht vielleicht ebenso wahrscheinlich, dass die Aktie noch unter 60 Euro fällt, falls die Vorwürfe doch nicht \"konstruiert\" wurden und könnte die Aktie nicht auch einfach 2-3 Jahre zwischen 80-120 Euro seitwärts tendieren?

    Jedenfalls halte ich einen \"blinden Kauf\" ohne Absicherung für sehr waghalsig. Du als Profi-Investor kannst damit vielleicht umgehen und für Dich mag das als ein Trade in Dein Chancen- Risikoprofil passen.

    Für die meisten Privatanleger sind Investitionen in einzelne DAX-Titel, bis auf ein paar löbliche Ausnahmen wie BASF, Bayer, Linde oder Henkel, die seit Jahrzehnten Dividenden zahlen und sehr starke Geschäftsmodelle besitzen, ohnehin ungeeignet. Es mag für Dividenden-Reinvestierer auch noch ein paar Strategien mit den Versorgern, Autobauern, Telekom geben, die in der Mischung funktionieren könnte, aber Wirecard erfüllt, für mich, keine Voraussetzung. Sodass sie als Anlage zurzeit nicht in Frage käme.

    Viele Grüße

    

    gesamter Thread:

  • Kauft jetzt Wirecard! - Rekke, 15.03.2019, 16:09

Wandere aus, solange es noch geht.


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