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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Jean Baudrillard: "Die Intelligenz des Bösen"

    verfasst von Ostfriese, 20.11.2018, 16:24
    (editiert von Ostfriese, 20.11.2018, 17:06)

    Hallo ins Forum

    Hallo Ashitaka,

    im Hinblick auf den ARD-Themenabend: 'Saat des Terrors' am Mittwoch, den 21.November, möchte ich meine – schon länger vorliegende, für einen viel späteren Zeitpunkt vorgesehene und damit jetzt unvollständige – Antwort auf deinen Beitrag vom 6. November an dieser Stelle ins Forum stellen.

    > > Die Lösung steht schon in den Tiefen des Forums – bei Paul C. Martin z.
    > > B., dessen historische Betrachtungen über Preisrevolutionen ich heute
    > > @Alexander
    > > zugeschickt habe.

    > Steht sie wirklich schon dort? Haben wir bereits verstanden, wann und weshalb einer Bewegung der Gegenwart in die eine Richtung urplötzlich eine Bewegung der Gegenwart in die andere Richtung folgt?

    Ich beabsichtigte nur, darauf hinzuweisen, dass es schon immer gemäß den Worten von PCM zyklische Bewegungen am Beispiel von Preisen "vor allem in Zeitläufen, die sich durch sehr starke Schübe ausgezeichnet hatten", gegeben hat.

    Der Debitismus als eine reine Beschreibung dessen, wenn Schulden im System sind, sagt ja, dass wegen des Vorher-Nachher-Problems jeder Bedarf an Potenzial (Verschuldung, Zeit) zusätzliches Potenzial (Verschuldung, Zeit) erforderlich macht. Es ist eine reine Deskription. Kennen wir eine tiefergehende Begründung?

    > Haben wir bereits klar vor Augen, wann und weshalb das Potenzial nicht mehr ausreicht, um etwas auszudehnen, das alle in der Hoffnung tragen, an dem sich sich dann aber plötzlich alle nur noch festhalten und während ihres Absturzes zur "Nullinie aller Steigungswerte"(der Balance) einen nach dem anderen zum Loslassen gezwungen werden?

    Welche Konsequenzen hat das Gegenteil? Die grenzenlose Ausdehnung der Potenziale kann nur in einer unendlichen Welt geschehen. Haben wir wegen unserer Beobachtung und Bewusstwerdung der Endlichkeit aller Potenziale nicht auch einen indirekten Beweis für die Endlichkeit der Welt?

    Jean Baudrillard schreibt in 'Die Intelligenz des Bösen': "Das Zuviel an Realität in all ihren Formen, die Ausdehnung des gesamt Möglichen wird unerträglich."

    Unsere bisherigen dreidimensionalen Vorstellungen von Raum und Zeit und des 'Unendlichen' können den 'Absturz' nicht erklären. Die katastrophale Involution ist ein universelles Ausagieren, eine "unabänderliche Logik des world-prozessing, dessen Auswirkungen unmöglich vorherzusagen sind: die Annahme einer endgültigen Realität oder der collapse ebendieser Realität, welche durch ihren Exzeß und ihrer Perfektion selbst zum Niedergang bestimmt ist." Selbst die Macht "sträubt sich, zur totalen Macht zu werden, sie biegt sich zurück, tritt den Rückzug an und arbeitet letztlich insgesamt gegen sich selbst". Die Intelligenz des Bösen ist die bösartige Umkehrung der Struktur gegen sich selbst. Mit Jean Baudrillard wissen wir natürlich, dass der Satz: "Exklusive Interviews mit Augenzeugen und Geheimdienst-Mitarbeitern sowie Video- und Gerichtsdokumente belegen fatale Fehler der Nachrichtendienste." der Filmemacher falsch ist – die Nachrichtendienste haben keine fatalen Fehler gemacht.

    "Endet der Alptraum nie mehr?" – wenn der Alptraum endet, endet das Menschsein, wie wir es bisher kennen. Eine Kontroverse @all vs. @Silke wäre dann hinfällig.

    > Wurde das Prinzip der Schwingung wirklich schon erklärt? Wenn ja, dann muss es uns doch bereits vor dem bloßen Festhalten möglich sein, von der Umkehr zu wissen.

    Wir wissen aus Erfahrung von der Existenz der Umkehr, der genaue Zeitpunkt ist aber unbestimmt. Du schriebst in der Sommerpause schon darüber – erklärt und verstanden ist es noch nicht. Ich erinnere an deine dortigen Ausführungen über 'Preise'.

    Ich setze mich einmal auf’s Spiel. Elliot-Wellen sind Schwingungen, werden in einem Koordinatennetz aufgezeichnet und können dann auch funktional – bestimmt in einem sehr komplizierten Verfahren – in eine Funktionsgleichung f: x ⟼ y=f(x) gebracht werden. Bei den EMAs ist das ja wohl ebenfalls der Fall. Es sind die Versuche, die Kursverläufe zu quantifizieren und zukünftige Entwicklungen und Ereignisse vorherzubestimmen. Ich sehe nicht, wie man in der jetzigen Vorstellung von linearen Zeitabläufen und des dreidimensionalen Anschauungsraumes, einen zukünftigen Umkehrpunkt (Hochpunkt), der für ökonomische Entscheidungen wichtig ist, unter Beachtung aller Nebenbedingungen errechnen und damit festlegen kann. Die Elliot-Wellen und EMAs, die ja Verschuldungsverläufe beschreiben, spiegeln ja nur einen keinen Ausschnitt im gesamten Phasenraum der Verschuldung (Potenziale, Zeit) wider. Mit der bisherigen überlieferten cartesianischen Koordinatenschreibweise des Anschauungsraumes werden wir nicht weiterkommen.

    Wir müssen in den ökonomischen Betrachtungen einen Paradigmenwechsel wie vor 100 Jahren von der klassischen zur modernen Physik vorantreiben. Wir pflegen und hegen eine mechanistische, deterministische ökonomische Weltsicht, bestimmt durch die uns umgebenden oberflächlichen Geschehnisse des Alltags. Wer wagt schon sein bisheriges Denken zu überwinden und sich für neue Deutungen zu öffnen.

    > > Ich war aber zu feige, deine Antwort vom 1. November an
    > > Silke dort zu verlinken!

    > Nicht zu feige, sondern vorsichtig genug.

    So ist es.

    > Ich möchte irgendwann alles auf's Spiel setzen, möchte es schaffen, kurz vor einer die Umkehr einer hoffnungsvollen Entwicklung bewirkenden Ursache etwas zu schreiben, von dem du vielleicht schon etwas ahnst, über das die meisten lachen werden, das aber anschließend gar nicht mehr verstanden werden kann.

    Hegel spricht von der Polarität als "von einem Unterschiede, in welchem die Unterschiedenen untrennbar sind". Verschränkte Teile (bis zu makroskopischen Distanzen und für mesoskopischen Systeme) an unterschiedlichen Orten sind eigenschaftlich eins – ein Objekt kann "auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen" und "spukhafte Fernwirkung" ist Teil der Realität. Vereint man die beiden entgegengesetzten Pole, findet man die Einheit in der Relation: Macht – Ohnmacht, Evolution – Involution, Liebe – Hass, Yin – Yang. Polaritäten können nur in einer 'endlichen' Welt erscheinen, weil Potenziale, die eine Seite von ihnen sind, auch nur in einer 'endlichen' Welt 'einen endlichen' Bestand haben können.

    Ich habe keine Vorstellung, wie der Phasenraum der Potenziale – der Gesamtverschuldung – beschrieben, seine Gesetze formuliert und gedeutet werden. Wie in der Physik stehen wir dem Paradoxon gegenüber, alle Beschreibungen der bisherigen ökonomischen Lehre, des Debitimus mit der Machttheorie und seinen bevorstehenden Erweiterungen in der überlieferten Sprache zu formulieren. Eine radikale Änderung unserer Begriffe bei der Beschreibung kann nicht zu einer nichtstatischen völlig objektiven Deutung führen. Die Ungenauigkeit in der Beschreibung des Phasenraumes kann nicht als Eigenschaft des Phasenraums selbst betrachtet werden, sondern sie ist ein Mangel in unserer Kenntnis des Phasenraumes. Ich formuliere mit Baudrillard, dass das Objekt im Mittelpunkt steht und nicht das Subjekt – "denn die Welt besteht nicht zu dem Zweck, dass wir sie erkennen".

    > SIMULATION ERROR

    > Ich will es schaffen ontopic eine große gedankliche Irritation hervorzurufen und damit das weiterzugeben, was ich mir zum Loslassen der Welt, die es nie gab, viel Zeit und Geld kosten lies.

    Als Teil der Welt gibt sich das menschliche Bewusstsein das Recht, ein Spiegel der Welt zu sein. Da der Spiegel selbst ein Teil des Objekts ist, das er reflektiert, kann es niemals eine objektive Wahrheit hervorbringen. Die moderne Quantenphysik zeigt, dass die subjektiven und objektiven Illusionen ein undurchdringliches Geflecht bilden.

    Ich ahne, dass wir unsere bisherigen Vorstellungen von Raum und Zeit mithilfe der Gedankenwelten von E. Barthel revidieren werden. Die beiden Äste sind die Hyperbel in der Totalebene.

    > > Das Dilemma ist, dass die Begriffe der Sprache, die wir in den Natur- und
    > > Geisteswissenschaften zur Beschreibung benutzen, nur eine Verfeinerung der
    > > Begriffe des täglichen Lebens sind. Heisenberg spricht konkret von dem
    > > Paradoxon, dass wir in die Quantenphysik die Notwendigkeit der Benutzung
    > > der Sprache der klassischen Physik nicht vermeiden können. Er sagt, dass
    > > wir uns darüber klar werden müssen, dass, wie C. F. von Weizsäcker es
    > > formulierte, "die Natur früher ist als der Mensch, aber der Mensch früher
    > > als die Naturwissenschaft" und die Geisteswissenschaft.

    > So wie uns unser Wissen aus Furcht vor der Unwissenheit (dem fehlenden Begreifen) in die Dunkelheit zieht, kann uns die zum Loslassen unserer Angst führende Weisheit zur Helligkeit führen.Dorthin wo alles über und in allen Sinnen nach uns greift, wo wir uns das Erleben durch ein Begreifen mittels Begriffen nicht mehr simulieren müssen, wo die unmittelbare Lebenserfahrung und Magie des Lebens auf uns wartet.

    Die Ängste vor der Wahrnehmung und dem fehlenden Begreifen der Welt im Rahmen der bestehenden Zeichenökonomie, die aus dem ursprünglichen Laut hervorgegangen ist, lassen sich nicht überwinden. Jenseits des ewigen Intellektualisierens ist eine Lösung nur im Hier&Jetzt – im Gegenwärtigen – der Gefühle zu finden, die schwerlich in Sprache und Texte zu fassen sind. Ein Loslassen ist nur auf eine andere Art & Weise möglich.

    Gruß – Ostfriese

    

    gesamter Thread:

  • Jean Baudrillard: "Die Intelligenz des Bösen" - Ostfriese, 20.11.2018, 16:24

Wandere aus, solange es noch geht.


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