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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Thomas Campbell: 70% Pseudoesoterik, 30% Physik (@NST)

    verfasst von Weiner E-Mail, 17.09.2018, 11:20

    Hallo NST,

    ich danke für die Ehre, als Physiker erkannt zu werden, der ich tatsächlich aber nicht bin (hab nur gesagt, ich müsse mich gerade damit beschäftigen). Jedoch bin ich wahrscheinlich besser über die gesamte Physik orientiert als mancher Doktor vom Fach.

    Nur um hierzu ein winzig kleines Puzzle-Teil zu nennen: wenn beim so genannten Urknall alles gleich gewichtet und geradlinig vom Explosionszentrum nach außen geflogen wäre, wie können dann rotierende Galaxien und Sonnen, Planeten und Atome entstehen? Darüber gibt es zwar gewisse Vorstellungen unter den Physikern, aber man hat sich noch nicht auf ein allseits akzeptiertes Modell geeinigt. Es ist auch keine einfache Frage ...

    https://en.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6del_metric

    https://link.springer.com/article/10.1134/S0202289317040065

    Alternativ kann man nun aber die ganz einfache Annahme treffen, dass der Big-Bang eine rotatorische Explosion war bzw. noch ist (quasi eine expansive Ausdrehung). Von daher sollte das Universum als Ganzes und jedes seiner Einzelteile schon von vorneheren eine Drehwucht bzw. Rotationsenergie besitzen. Man kann dieses Modell dann an der Wirklichkeit überprüfen und dürfte bald darauf kommen, dass es wohl ganz gut passt. DENN ALLES IN DIESER WELT DREHT SICH! Angefangen vom Spin eines Elektrons bis zur Drehachse des Universums als Ganzes, die dem derzeit leicht verrückten Zeitgeist entsprechend als "Achse des Bösen" bezeichnet wird.

    https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/die-achse-des-boesen/

    https://www.heise.de/tp/features/Das-Universum-ist-flach-3975407.html

    https://www.wissenschaft.de/astronomie-physik/rotiert-unser-universum/

    (für googelianer: Bildersuche mit "axis of evil")

    Warum habe ich das so ausführlich geschrieben? Weil an den Naturwissenschaften nur ihre Methodik gut ist, nicht aber ALLE ihre bisherigen Ergebnisse und Modelle. Da gibt es noch viele weiße Flecken und falsche Farben. Dies ist damit ein Vorbehalt, den man Campbell entgegenhalten muss, wenn er versucht, alte Weisheiten und paranormale Erkenntnisse mit den modernen Naturwissenschaften zu integrieren. Letztere sind im Augenblick noch unfertig, und wenn ich einen Zwetschenkuchen mit unreifen Zwetschgen backe, dann schmeckt er eben sauer.

    Den Thomas W. Campbell kannte ich nicht, bevor Du mich mit der Nase auf ihn gestoßen hast. Ich habe mir aber über die letzten Tage stichprobenweise diverse Texte von ihm und seinen Anhängern angesehen, darunter auch einen 20 seitigen Artikel über "INTENT" (Intention und Wille). Ich muss nun feststellen und zugeben, dass eine weitere Beschäftigung mit der "Therory of Everything" von Campbell sich mir nicht lohnend erscheint. Auch hat sie am Ende wenig mit Physik zu tun. Es ist in meinem Eindruck mehr eine Pseudo-Esoterik, in die physikalische Begrifflichkeiten und Modelle eingestreut sind. Campbell erinnert mich ein wenig an Ken Wilber (den ich aber auch nur sehr oberflächlich kenne).

    In Campbells Auffassung sind wir Automaten (virtual consciousness rendering engines; interactive systems or entities). Diese Ansicht kann ich teilen, aber da der eine bei 'Automaten' an Zigarettenautomaten denkt, der andere an Produktions- und Kampfroboter, müsste man das angemessen definieren. Wir (Lebewesen) sind Flüssigkristalle, die sich selbst vermehren, reparieren und umprogrammieren sowie weiterentwickeln können - um mal nur ein paar Kennzeichen zu erwähnen, die Lebewesen von Automaten unterscheiden.

    Selbstverständlich schwimmen alle Lebewesen in ihrer je eigenen 'subjektiven virtuellen Realität'. Auch da gehe ich mit Campbell konform. Diese subjektive Bewußtseinsrealität dient dazu, um sich in der uns alle umfassenden objektiven Realität zurechtzufinden. Bei der Konstruktion dieser virtuellen subjektiven Realität spielen durchaus auch Simulationen einen Rolle, doch ist dies ein untergeordneter Punkt. Wir laufen ein jeder mit seiner eigenen Taschenlampe durch eine dunkle Werkshalle voll dröhnender Maschinen. Diese laute äußere 'objektive' Realität gibt es zweifelsfrei, aber wir haben nur sehr beschränkt Erkenntnis von ihr und Zugriff auf sie. Wir sind ein Teil von ihr, werden von dieser objektiven Realität getragen, aber können sie praktisch nicht beeinflußen - und wenn, dann nur ungeschickt und mit meist 'zerstörerischen' Folgen. Früher hätte man gesagt: wir leben in einem Zustand der Gnade - wir sind ein Geschenk, das irgendjemand uns selbst macht, uns dadurch als SELBSTE erst konstituierend.

    Wir haben durchaus ein paar sehr interessante Freiheitsgrade in der Gestaltung unserer 'subjektiven virtuellen Realität', aber die meisten Menschen nehmen diese Freiheit nicht angemessen bzw. im Grundsätzlichen wahr. Vielmehr verharren sie im vorgegeben kulturellen Kontext und folgen brav dem Zeitgeist - von der Wiege bis zur Bahre. Beim Menschen, und da steht er im Gegensatz bzw. in Erweiterung gegenüber fast allen anderen Lebewesen, ist die 'subjektive virtuelle Realität' kulturell modifizierbar. Es hat sich bei ihm neben dem Genom quasi ein Kulturom etabliert, das genauso gestaltbar ist wie das Genom. Das Genom verändert sich durch Mutation oder epigenetische Phänomene in Verbindung mit Umweltanforderungen (Auslese). Das Kulturom ist veränderbar durch Kreativität und Innovation. Kulturelle Tradition (weitergegeben durch Lernen), Kreativität und Innovation (entspricht der Mutation in der biologischen Evolution) ereignen sich in der Sphäre der virtuellen subjektiven Realität, nun aber in ihrer Erscheinungsform als sozial geteilte Realität. Denn es ist ein weiteres Kennzeichen des Menschen, dass er seine "subjektive virtuelle Realität" gegenüber Anderen in beschränktem Umfang kommunizieren kann (nicht nur durch Worte ...), wodurch sie intersubjektiv wird (ist nicht das Gleiche wie 'objektiv'!). Es entstehen dadurch gemeinschaftliche Matrix- und Zeitgeistblasen der unterschiedlichsten Größe und Ausrichtung. Ihren Wandel zu beschreiben und zu analysieren ist die eigentliche Aufgabe der Geschichtswissenschaft. Und diese Zeitgeist-Blasen und Matrix-Konfigurationen zu steuern und zu beherrschen, ist die Kunst der so genannten MÄCHTIGEN. Womit wir wieder bei unserm Ausgangsthema wären ...

    Ich gehe nicht konform mit Campbell, dass es ein "universales Bewußtsein" gibt, an das man mit seinem subjektiven Bewußtsein andocken kann. Neben Campbell behaupten das viele bzw. die meisten Pseudoesoteriker, aber es ist falsch. Das physikalische Korrelat von Bewußtsein sind elektromagnetische Feldstrukturen. Sie sind sehr schwach, in ihrer Konfiguration aber hochspezifisch (aus sich einer 'Informationtheorie'). Gemäß den Prinzipien der Physik können sie in gewissem Umfang mit anderen, ähnlichen Feldstrukturen resonieren (energetisch und 'informatorisch'), und das täuscht dann dem unerfahreren Pseudoesoteriker vor, sein Bewußtsein sei "universal". Tatsächlich ist und bleibt es eine Taschenlampe, die irgendwann ... erlischt. Das Licht der Taschenlampe ist damit nicht weg, denn Felder und Photonen lassen sich nicht zerstören. Aber sie gehen den Weg der Entropie. Die Buddhisten haben 500 Jahre lang gerungen und sind vielleicht sich heute noch nicht einig, ob eine (menschliche ...) Entität in Form ihres Bewußtseins 'unsterblich' sein könne. Prinzipiell gesehen ist sie es nicht. Aber auch dieses Problem lässt sich mit etwas Physik lösen.

    Werter NST, Du musst entschuldigen, dass ich nun mangels echter Beurteilung von Thomas Campbell meinen eigenen Senf von gar nicht besserer Zusammensetzung geschrieben habe. Ich wollte es einfach nicht bei einer dürren Absage belassen, und danke Dir, dass Du mir damit Gelegenheit gegeben hast, mal ein paar eigene Gedanken zu formulieren - wozu ich sonst ja nicht gekommen wäre. Vielleicht schreibe ich mal selbst eine "My Big Theory of Everthing". Ich brauche vermutlich aber keine drei Bände dazu.

    Campbell scheint in Deutschland nicht angekommen zu sein. Nur die DNB in Frankfurt hat eine Übersetzung, sonst ist er in keiner Bibliothek nachgewiesen, auch nicht im englischen Original. Wenn er noch etwas älter wird und sich die Haare länger wachsen lässt, dann sieht er aus wie der hier von der Universellen Weißen Bruderschaft.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Omraam_Mikha%C3%ABl_A%C3%AFvanhov

    Ob ein Guru auf ungefähr dem richtigen Weg ist, erkennt man daran, dass er irgendeine Art von Gymnastik empfiehlt.

    Ich wünsche allen hier eine gute neue Woche und reiche zur allgemeinen Erheiterung noch ein Gedicht nach:

    http://www.daswissensblog.de/berthold-brecht-700-intellektuelle-beten-einen-oeltank-an-und-sie-tun-es-heute-noch/

    MfG, Weiner

    

    gesamter Thread:

  • strukturelles Versagen - sodele, 11.09.2018, 03:32

Wandere aus, solange es noch geht.


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