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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    ... und das Bürokratie-Monster

    verfasst von el_mar, 30.07.2015, 12:55

    Mein Freund ist Bäcker - hier sein Text:

    Das muss ich jetzt einfach mal loswerden…Zwischen den Zulassungsdaten dieser beiden Fahrzeuge liegen genau 50 Jahre: der Bulli im Dezember 1963, der große LKW Ende November 2013. Schon erstaunlich, was sich in dieser Zeit alles geändert hat. Wenn ich bei schönem Wetter mal eine „Werbefahrt“, mache, zaubert der Anblick des Bullis vielen Passanten und anderen Autofahrern ein Lächeln ins Gesicht, teilweise winken und grüßen sie – sicher mehr den Bulli als mich! Ich denke, dabei geht es
    nicht nur um den T1 – Bulli, sondern auch um die damalige Zeit – in der vieles einfacher und unkomplizierter war. In den Bulli setzte man sich hinein und fuhr los, wenn man einen PKW – Führerschein hatte. Das geht nun nicht mehr so leicht. Für eine Fahrt in einem
    7,5 t LKW (wie im Bild) muss man einen eigenen Führerschein haben, außerdem eine Fahrerkarte, die bei den Fahrten in das Lesegerät gesteckt wird und regelmäßig im Büro ausgelesen wird. Außerdem müssen die Fahrer sich bestätigen lassen, wann sie Urlaub haben, und aufpassen, dass sie nicht an zu vielen Tagen damit fahren. Zusätzlich müssen sie eine Schulung mitmachen um eine entsprechende Grundqualifikation zum Fahren des LKW zu erlangen. Diese Schulung dauert 5 x 7 Stunden – also eine ganze Woche. Sie muss alle 5 Jahre wiederholt werden. Ein Inhalt dieser Schulung ist die Ladungssicherung. Hier erfahren unsere Fahrer, wie die Brot,- Brötchen- und Kuchenkörbe so zu befestigen und zu sichern sind, dass sie nicht umfallen! Es
    spielt dabei keine Rolle, dass unsere Fahrer teilweise 20 Jahre Erfahrung darin haben die eckigen Körbe in einem eckigen LKW – Koffer so zu befestigen, dass sie ohne in jeder Kurve umzufallen in den Filialen ankommen. Vorsichtshalber erfahren sie auch, wie man Maschinenteile, Holzstämme und andere schwere, bewegliche Güter sichert – kann ja sein, dass wir das auch mal transportieren… Wie geschrieben – 7 (sieben) Stunden Ladungssicherung!! (Hier kommt sicherheitshalber ab und zu jemand bei uns vorbei, der prüft, ob wir das alles auch richtig machen). Weitere Schulungsinhalte sind: Bremsen und Motoren – auch 7 Stunden.
    Hier lernt man, wie der Motor funktioniert und wie die Bremsen. Zu Bullis Zeiten konnte man auch selber schon mal Reparaturen durchführen, heute leuchten Lampen, man bleibt auf dem nächsten Parkplatz stehen und ruft mit dem Handy (das gab´s ja früher noch nicht) den ADAC oder eine Werkstatt an und läßt es reparieren (es ist ja auch kein entsprechendes Werkzeug im Auto) – wofür dann die Schulung? 7 (sieben) Stunden!! In weiteren 7 Stunden werden die ganzen rechtlichen Vorschriften unterrichtet – das kann ich
    verstehen! Hier gibt es mittlerweile so viele, dass man 7 Stunden braucht um sie durchzusprechen! Andere Unterrichtsinhalte sind: richtige Ernährung für LKW – Fahrer. Unabhängig davon, dass unsere Fahrer mittags alle zu Hause sind und dort wahrscheinlich auch zu Mittag essen, wissen sie jetzt, was sie an einer Autobahnraststätte essen sollten und was lieber nicht, wenn sie da essen würden. Es werden auch Fitnessübungen gezeigt, damit nach langen Fahrten der Kreislauf wieder in Schwung kommt – bei uns fährt kaum jemand länger als eine Stunde am Stück… Dankenswerterweise wird auch noch unterrichtet, was man bei grenzüberschreitenden Transporten beachten muss!! Das Thema: „wie benehme ich mich beim Kunden richtig…“ gehört auch dazu – das mag wieder etwas helfen. Damit unsere Fahrer gesundheitlich fit sind, müssen wir alle 3 Jahre eine Untersuchung (G 25) durchführen lassen. Hierbei geht es um Fahrtüchtigkeit und darum, ob die Sehkraft bzw. die Brille noch o.k. sind. Anschließend brauchen wir die Fahrer nur noch 1x jährlich daran erinnern wie man richtig in einen LKW ein- und aussteigt und zum Thema Infektionsschutzgesetz schulen. Wenn dann der Führerschein auch noch gültig ist, das müssen wir natürlich auch regelmäßig (2x jährlich) kontrollieren und mittels Kopie nachweisen können, dürfen sie endlich einsteigen und losfahren!
    Auch unsere Bäcker werden natürlich geschult: Neben den jährlichen Schulungen über das Infektionsschutzgesetz, über Arbeitsschutz und Hygiene müssen wir eine Untersuchung und Beratung für regelmäßige Nachtarbeit anbieten. Die Beratung dauert ca. 1 Stunde und das Ergebnis ist: wer nachts arbeitet, muss tagsüber schlafen! Dies sollte mind. 6 Stunden am Stück sein. Wichtige Voraussetzungen hierzu sind: es ist dunkel (also Rollade runter), es ist leise (also kein Lärm im Zimmer) und vorher nicht mit 5 Tassen Kaffee frühstücken.
    Im ganzen Betrieb hängen Reinigungspläne: tägliche, wöchentliche, monatliche. Nach diesen Plänen werden Geräte, Maschinen, Wände, Böden…gereinigt. Die Pläne werden aufbewahrt und regelmäßig aktualisiert. Unsere Konditoren bekommen dann noch einmal im Jahr eine Unterweisung zum Thema Verhütung von Bränden an Fettpfannen. Wie ja in V aktuell schon geschrieben, müssen wir alle 2 Jahre eine Unterweisung und Übung mit Feuerlöschern durchführen. Neu ist jetzt, dass wir auch Brandschutzhelfer ausbilden müssen –
    diese haben dann eine ähnliche Aufgabe wie Ersthelfer, die wir ja auch alle 2 Jahre schulen müssen. Die Feuerlöscher werden alle zwei Jahre überprüft. Öfter im Jahr werden Abklatschproben von Tischen und Geräten genommen und auf bakteriologische Kontamination untersucht. Weitere Untersuchungen sind: G 23: Mehlstaub, G 24: Feuchtarbeitsplätze (dazu gehören Waschräume und das ständige Arbeiten mit dichten, langen Handschuhen) G 39: Schweißer (unsere Handwerker schweißen ja auch schon mal), G 37: Bildschirmarbeitsplätze (für´s Büro) , G 20: Lärm (für Mitarbeiter/innen, die in lauten Räumen arbeiten). Hier bin ich verpflichtet durchzusetzen, dass der Gehörschutz auch getragen wird –
    zur Verfügung stellen, ein Schild aufhängen und eine Anweisung unterschreiben lassen, reicht nicht aus! Wenn Fremdhandwerker kommen um eine Maschine zu reparieren oder andere Arbeiten durchzuführen, bei denen geschweißt oder geflext wird, müssen diese vor dem Beginn dieser Tätigkeit einen Schein ausfüllen, der auf Vorkehrmaßnahmen und Sicherheitsmaßnahmen hinweist. Einmal im Jahr erinnern wir die Firmen, die regelmäßig bei uns arbeiten daran, dass sie dies jedesmal vor einer entsprechenden Tätigkeit machen müssen.
    Natürlich werden auch unsere Verkäuferinnen geschult: Hygiene- Infektions- und Arbeitssicherheit. Dass unsere Verkäuferinnen an diesen Schulungen teilgenommen haben, muss selbstverständlich dokumentiert werden (wie die Schulungen weiter oben auch). Diese Dokumentation muss auf einem Sammelunterschriftenblatt und auf Einzelblättern erfolgen. Nicht ganz einfach ist dies, wenn eine Verkäuferin in verschiedenen Filialen arbeitet oder in der Urlaubszeit nicht in ihrer Stammfiliale ist, weil in jeder Filiale nachgewiesen werden können muss, dass diese Schulungen durchgeführt wurden. In unseren Filialen müssen täglich Messungen der Kühlungen durchgeführt werden – und dokumentiert! Auch werden Stichproben der Kerntemperaturen gemacht – und dokumentiert. Da geeichte Temperaturfühler sehr teuer sind, reicht es aus, wenn wir einen geeichten im Betrieb haben, mit dem die anderen einmal jährlich abgeglichen werden – wenn wir auch dies dokumentieren, ist es schon o.k..
    Die Temperaturmessungen werden auch schon im Betrieb vorgenommen – ab der Anlieferung der Rohstoffe:
    Beispiel Sahnetorte: Wenn wir die Sahne angeliefert bekommen, erhalten wir vom Lieferanten einen Ausdruck mit dem Temperaturverlauf des Kühlwagens. Stichprobenartig messen wir die Kerntemperatur der Sahne (dokumentieren!). Dann kommt die Sahne in einen Kühlraum – auch hier wird täglich die Temperatur und stichprobenartig die Kerntemperatur dokumentiert. Dann stellen wir die Torte her, die anschließend sofort wieder in den Kühlraum kommt. Wenn der Fahrer die Torte übernimmt, misst er eben noch stichprobenartig die Kerntemperatur und schreibt sie auf. Wenn er die Torte dann in der Filiale abliefert, prüft die Verkäuferin die Temperatur der Torte und dann kommt sie in die Theke, deren Temperatur täglich gemessen und dokumentiert wird. Dann bleibt nur zu hoffen, dass unsere Kunden im Sommer nachdem sie ein Stück Torte gekauft haben, nicht erst noch etwas anderes besorgen müssen und die Torte bei 35 ° C im
    Auto wartet. Nochmal Filialen: Hier müssen von allen Produkten, die wir verkaufen (Backwaren, Getränke, Aufschnitt, Sahne…) und benötigen (Reinigungsmittel…) Produktinformationen vorliegen, damit jeder sofort sehen kann, woraus diese Artikel bestehen. Betriebsanweisungen müssen für Geräte und Maschinen (Ofen, Schneidemaschine, Spülmaschine…) vorliegen und auch für Gefahrstoffe (scharfe Reinigungsmittel) Hier wird erläutert, welche Gefahren beim Umgang mit diesen Stoffen auftreten können, wie sie vermieden werden können und was gemacht werden muss, wenn doch etwas passiert ist (Reinigungsmittel in Auge…).
    Es muss eine Info der Berufsgenossenschaft vorliegen zum Thema: Wie benehme ich mich bei Gewalt am Arbeitsplatz und wie bei einem Überfall? Kontrolle: 1x im Jahr – und wieder …dokumentieren! Die Betriebsanweisungen und die Anweisungen für Gefahrstoffe müssen für den ganzen Betrieb vorliegen – und laufend aktualisiert werden. Sie sind am Arbeitsplatz für jeden sichtbar und leicht erreichbar auszulegen.
    Für Gefahrstoffe ist zusätzlich eine Gefahrstoffliste anzufertigen.
    Natürlich können wir die Preisschilder in unseren Filialen nicht so gestalten wie wir das möchten: außer, dass sie selbstverständlich für die Kunden gut lesbar sein müssen (logisch) ist die Verkehrsbezeichnung bei den Artikeln mit einem Fantasienamen anzugeben (auch das ist logisch, auch wenn die Preisschilder immer am Artikel liegen und die Kunden die Artikel, die sie kaufen, ja sehen). Es muss auch der kg – Preis für Brot und Getränke angegeben werden (also eine 0,5 L Flasche Cola kostet 1,95 €, dann muss angegeben werden, dass 1 L 3,90 € kostet, bei einem 750g Brot für 2,95 ist der kg – Preis dann 3,93 €). Für Etiketten für verpackte
    Lebensmittel ist festgelegt, dass die Zutaten alle angegeben werden und zwar in absteigender Reihenfolge. Allergene müssen fett gedruckt sein, die Nährwertanalyse muss auf dem Etikett stehen, so wie der Produzent und das Mindesthaltbarkeitsdatum. Auch die Schriftgröße ist definiert: ein kleines x muss mind. 1,2 mm groß sein – außer, wenn die Verpackung kleiner als 80 cm² ist, dann reicht ein 0,9 mm großes kleines x! In unserem Betrieb haben wir dann auch ein Arbeitsmittelverzeichnis zu führen. In diesem Verzeichnis sind
    alle Maschinen und Geräte, die wir haben, aufgelistet. Hier muss eingetragen werden, wie oft die
    Maschinen/Geräte kontrolliert, gewartet und geprüft werden – und es wird dokumentiert, wann das
    geschehen ist und wer es gemacht hat. Im Betrieb dürfen keine privaten Elektrogeräte (Kaffeemaschinen, Radios…) stehen – ständig prüfen. Alle beweglichen elektrischen Teile und Geräte (einschl. Verlängerungskabel und Doppelstecker) müssen jährlich vom Elektriker geprüft werden. Als Nachweis kommt dann ein entsprechendes Etikett darauf. Alle unbeweglichen elektrischen Teile (Maschinen…)
    werden regelmäßig vom TÜV überprüft. Für jede Kälteanlage (Kühlhäuser, Gärunterbrecher…) haben wir eine Mappe, in die jede Wartung, jede Reparatur, jede Zuführung von Kältemitteln eingetragen wird. Alle Leitern sind jährlich zu prüfen und mit einem entsprechenden Aufkleber zu versehen.
    In unserer Mühle sind von allen Getreideanlieferungen Rückstellmuster zu machen – es geht darum, dass das Getreide nicht zu viel mit Mutterkorn belastet ist. Hier sind dann auch entsprechende Überprüfungen des
    Mehls durchzuführen. Bei der Annahme des Roggens wird dieser zunächst gereinigt. Dabei werden Unkrautsamen, Stroh und andere Verschmutzungen herausgesiebt. Diesen Reinigungsabfall müssen wir entsorgen – darüber ist dann ein entsprechender Nachweis zu erstellen und zu verwahren. Beim Mahlen des Getreides fällt dann neben Mehl auch Kleie an. Das sind die Schalenteile – der Rest vom Korn außer Mehl. Bei Vollkornbroten sind diese Schalenteile alle noch enthalten. Die Kleie verkaufen wir an einen Landwirt, der sie verfüttert. Auch hier sind wir angehalten von jeder Lieferung ein Rückstellmuster zu machen und die Kleie zur Untersuchung einzuschicken (Wunsch vom Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz). Als wir dies das erste Mal gemacht haben, wußte ich nicht auf was die Kleie untersucht werden sollte und wo. Dankenswerterweise bekam ich dann vom Landesamt eine Info und eine Adresse in
    Münster. Nach einem Anruf dort habe ich ein Beutel mit Kleie und einem Brief mit der Bitte um
    Untersuchung losgeschickt. Untersucht werden sollte auf Inhaltsstoffe und Mutterkornbesatz. Nach ein paar Tagen kam ein Anruf aus Münster: „Worauf sollen wir untersuchen?“ Ich habe dann noch einmal erklärt, welche Untersuchungen das Landesamt wünscht. Normalerweise kommen solche Ergebnisse immer recht schnell. Als nach vier Wochen noch keine Info vorlag, habe ich telefonisch nachgefragt und mir wurde gesagt, dass die Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei. Nach weiteren zwei Wochen wurde mir gesagt, dass diese Untersuchung keineswegs alltäglich wäre und dass man nicht wisse, wie man den Mutterkornbesatz untersuchen solle. Zwischenzeitig habe man das Muster nach Hannover geschickt, da aber auch keine Hilfe bekommen. Nun sei das Muster nach Dresden unterwegs – vielleicht klappt es da! Ich habe die Untersuchung dann sofort gestoppt. Mittlerweile habe ich ein Institut gefunden, dass diese Untersuchungen durchführen kann!
    Vor der Eröffnung einer neuen Filiale ist diese bei der Stadt anzumelden (Gewerbeanmeldung). Außerde müssen wir sie bei der GEZ anmelden. Dort müssen wir Gebühren für Radio, Fernseher und Internetnutzung bezahlen, auch wenn dies alles dort gar nicht vorhanden ist! Für alle Filialen (mit wenigen Ausnahmen, in denen wir ein Radio für unseren Gästebereich haben) wird das ganz schön teuer! Wenn wir dann wirklich ein Radio laufen lassen, fallen noch GEMA - Gebühren an - auch dort ist die Filiale zu melden. Für Filialen, in denen Alkohol – also z.B. Bier in Flaschen – verkauft werden soll, muss man eine Gaststättenerlaubnis beantragen. Um diese dann auch zu bekommen, sind lediglich folgende Unterlagen dem Antrag beizufügen: der Antrag selber (einschl. Name des Ehegatten, Selbstauskunft zu: Insolvenzverfahren, eidesstattlicher
    Versicherung, Strafverfahren, Größe und Lage der Räume (WC, Gesellschaftszimmer, Lagerräume, Kühlraume, Terrasse…)), ein aktuelles Führungszeugnis, eine Auskunft aus dem Gewerbezentralregister (für alle Firmen, bei einer GmbH & Co KG also mind. für zwei), eine Bescheinigung in Steuersachen vom Finanzamt, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung von der Stadtkasse, eine Auskunft aus dem Schuldnerverzeichnis nach altem und nach neuem Recht vom Amtsgericht, eine Negativerklärung des Insolvenzgerichtes vom Amtsgericht (für alle Firmen), ein Handelsregisterauszug (alle Firmen) vom Amtsgericht, den Gesellschaftsvertrag (alle Firmen), eine Kopie des Mietvertrages, 2 – 3 aktuelle Grundrisszeichnungen, 2 – 3 Lagepläne und einer Bescheinigung der IHK über die Unterrichtung über lebensmittelrechtliche Vorschriften (das brauchte ich nicht, da ich die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk habe – also nur eine Kopie des Meisterbriefes). Dann fallen noch entsprechende Gebühren an. Die Genehmigung muss man dann selber abholen, wenn man nicht jemand mit einer Vollmacht schicken will, und diese auch bar bezahlen. Die Genehmigung gilt dann nur für diese Stadt und auch nur für eine weitere
    Filiale in der gleichen Stadt innerhalb von 6 Monaten. Ein Supermarkt, der ja auch regalweise Alkohol (Bier, Schnaps, Wein…) verkauft, braucht diese Gaststättenerlaubnis nicht, weil kein Stuhl vor den Regalen steht,
    auf denen die Kunden eine Flasche Bier trinken könnten. Sollte dann vor der neuen Filiale noch ein Werbeschild oder Tische und Stühle stehen, werden diese auch bei der Stadt beantragt. Liegt die Filiale in einer Fußgängerzone, muss hier für die Belieferung auch oft ein Antrag gestellt werden, der dann auch nur für ein bestimmtes Fahrzeug und ein festgelegtes Zeitfenster gilt.
    Wenn der Einrichtungsplan fertig ist, sprechen wir diesen mit der Lebensmittelaufsicht durch. So ergeben sich oft noch gute Aspekte, die hinterher helfen Probleme zu vermeiden (Fußbodenbeschaffenheit, Wände, Fliesen, Standorte Waschbecken…)
    Arbeitsschutzgesetz: Hier müssen wir darauf achten, dass tägliche Pausen, Ruhezeiten zwischen den einzelnen Schichten, die Anzahl freier Sonntage und auch die Richtlinien des Jugendschutzgesetze eingehalten werden. Meldungen (z.B. für statistisches Bundesamt..): folgende Meldungen sind von uns regelmäßig zu machen:
    Monatsbericht (tätige Mitarbeiter, Entgelte, Umsatz, Arbeitsstunden), Produktionserhebung (4x Jahr), Energieverwendung (1x Jahr), Handelsstatistik (monatlich), Jahreserhebung Investitionen,
    Kostenstrukturerhebung (1x Jahr), Mühlenmeldung (2x Jahr).
    Diese ganzen Aufgaben brauche ich gottseidank nicht alle selber und alleine zu erledigen und viele Dinge laufen „automatisch“ wenn sie einmal organisiert sind, aber im Auge haben sollte ein Chef sie schon! An der Art meiner Ausführungen erkennt man sicher, wie meine Meinung dazu ist. Die meisten Dinge sind sinnvoll und richtig – teilweise ist es aber auch übertrieben. Schließlich kostet das alles viel Zeit und Geld – wollen wir das wirklich alles so perfekt und umfassend? So ein wenig Angst habe ich vor der Zukunft diesbezüglich schon: Was kommt noch alles? (Ich hätte da schon noch einige Ideen, die schreibe ich aber nicht, damit ich niemand auf falsche Gedanken bringe…) Die Politiker sprechen oft von weniger Bürokratie – das Gegenteil ist der Fall!
    Bisher haben wir ja auch noch nicht über andere wichtige Aufgaben gesprochen: Suche neuer Standorte für Filialen, Planung der Einrichtungen, Instandhaltung des Betriebsgebäudes, der Maschinen, der Geräte und der Filialen, Kauf neuer Maschinen, Marketingmaßnahmen, Qualitätssicherung, Entwicklung neuer Produkte, Organisation der Finanzierung, Festlegung von Zielen, EDV, Auswahl und Einkauf von Rohstoffen, Hilfsstoffen und Handelsware (Kaffeesorte, Aufschnitt….) usw… Auch diese Aufgaben sind auf mehreren Schultern verteilt und nur deswegen ist das alles zu bewältigen. Mit der Auflistung dieser Aufgaben wollte ich kein Mitleid erzeugen, sondern lediglich aufzeigen, welch gewaltiger bürokratischer und organisatorischer Aufwand nötig ist um Brot und Brötchen (und ab und zu eine Flasche Bier ) zu verkaufen. Ich bin sicher, dass ich noch einige Dinge vergessen habe – auch kommen immer wieder neue Aufgaben dazu. Wir versuchen ernsthaft alle diese Aufgaben zufriedenstellend zu erledigen – dass uns ab und zu auch mal etwas durchgeht, kann ich nicht ausschließen. Vielen Dank an alle, die mithelfen, dass es klappt!

    Wie schon im Oktober 2014 in der „Spezialausgabe“ „Die Freude mit der Bürokratie…“ befürchtet, gibt es viele weitere Dinge, die wirklich nicht so ganz einfach zu verstehen oder umzusetzen sind. Ich versuche mal, einige zu erklären – einfach isses nich :

    Während ich an meinem PC sitze und dies schreibe, muss ich mich immer wieder dazu zwingen, die richtige Haltung einzunehmen – auch wenn dies schon mal unbequem ist. Ich zitiere aus der Beschreibung der Bildschirmarbeitsplätze:
    „Das optimale Blickfeld liegt zwischen 15° über und 15° unter diesem Winkel. Das maximale Blickfeld erstreckt sich von 35° über bis 25° unter dem o.g. Winkel. Innerhalb dieses Blickfeldes sollten sich Bildschirm, Konzepthalter bzw. Arbeitsvorlage und Tastatur befinden.
    Dies bedeutet, dass die maximale Höhe der obersten Bildschirmzeile die Augenhöhe ist. Die tatsächliche Höhe der obersten Bildschirmhöhe ist abhängig von der Arbeitsaufgabe und der Augenleistung des Nutzers. So wird eine junge Sekretärin mit viel Textverarbeitung wegen des Fließextes (Bearbeitung in der untersten Zeile) eine höhere und ein älterer Sachbearbeiter mit Lesebrille eine tiefere Aufstellung bevorzugen. Die am häufigsten verwendeten Bildschirmzeilen sollten daher im optimalen Blickfeld liegen. Es hat sich bewährt, dass sich die oberste Zeile bei einem Sehabstand von 700 mm etwa 200 – 250 mm unterhalb der Waagerechten befindet.“ Ich hätte es nicht besser erklären können! Glauben Sie mir, es ist nicht leicht dafür zu sorgen, dass die Winkel und Abstände von allen eingehalten werden – zumal sie ja je nach Aufgabe und Alter variieren. Es ist sicher kein Zufall, dass auf den erklärenden Fotos keine richtigen Menschen abgebildet sind . Es sollte sich doch jeder so hinsetze, wie es für ihn am bequemsten ist! Das ist im Auto, vor dem Fernsehen, im Kino und im Zug doch auch so – hoffentlich bringe ich jetzt niemand auf „dumme Gedanaken??“

    Sie kennen das sicher schon: das „Vater – Unser“ besteht aus 56 Wörtern, die „10 Gebote“ aus 69 Wörtern, die „Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika“ immerhin schon aus 270 Wörtern und die „EU – Bestimmung zur Einfuhr von Büroklammern“ benötigt 24.793 Wörter um das Wichtigste zu regeln. (Quelle: https://de.tonula.com). Ich habe dann mal eine PKW – Versicherungspolice angeschaut: sie umfaßt 46 Seiten. Im Inhaltsverzeichnis gibt es 144 Unterpunkte und insgesamt sind es um die 30.000 Wörter (ich habe eine Seite gezählt und hochgerechnet). Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand diese komplette Police durchliest und alles versteht was darin geregelt ist? Ich denke, dass ich ca. 2 Tage brauche, denn es sind ja auch noch viele Verweise z.B. auf das Versicherungsvertragsgesetz, die Zivilprozessordnung und die VVG-Informationspflichtenverordnung enthalten, die ich auch nachlesen muss. Dann darf ich nicht daran denken auch noch die Policen der übrigen Versicherungen (Feuer, Haftpflicht, Betriebsunterbrechung, Wasser, Sturm/Hagel, Glasbruch, Einbruchdiebstahl, Vandalismus, Umweltschäden, Hausrat, Unfall, Rechtsschutz…) lesen und verstehen zu müssen – schließlich habe ich sie unterschrieben . Zum Glück haben wir einen Versicherungsmakler, dem ich vertraue und der sich damit auskennt – und der Verständnis für mein gelegentliches Stöhnen hat.

    „Zum Mitnehmen oder hier essen?“ – Sie kennen diese Frage ganz sicher. Warum interessiert die Verkäuferin dies eigentlich? Es hat mit der Höhe der Mehrwertsteuer zu tun. Wie der Name schon sagt, ist die Mehrwertsteuer eine Steuer, die auf einen Mehrwert bezahlt werden muss, sie kann unterschieden werden in eine Vorsteuer und eine Umsatzsteuer. Wenn also z.B. eine Bäckerei Mehl kauft, steht auf der Rechnung der vereinbarte netto – Preis zzgl. der MwSt. Für die Mühle ist die MwSt. eine Umsatzsteuer, die sie an das Finanzamt weiterleitet. Für die Bäckerei ist diese Steuer eine Vorsteuer, die sie vom Finanzamt erstattet bekommt. Würde die Bäckerei nun dieses Mehl zum gleichen Preis weiter verkaufen, müßte sie auf den Verkaufspreis die MwSt. aufschlagen und anschließend an das Finanzamt abführen. Da in diesem Fall kein Mehrwert entstanden ist, wird die Bäckerei durch diese Steuer auch nicht belastet. Nun kauft eine Bäckerei außer Mehl noch viele andere Zutaten (Salz, Hefe, Wasser, Körner,….), Energie und Arbeitsleistung ein und backt daraus z.B. Brot. Wenn die Kosten für die Rohstoffe 100,- € sind und das Brot für 150,- € verkauft wird, ist ein Mehrwert von 50,- € entstanden. Die Bäckerei bekommt die MwSt. für die 100,- € erstattet, muss aber für 150,- € MwSt. abführen. Die eigentliche Belastung der MwSt. berechnet sich also nach dem Mehrwert, hier den 50,- €.
    Nun gibt es in Deutschland unterschiedliche Mehrwertsteuersätze: 19% und 7%. Natürlich verteuert die MwSt. für die „Endkunden“ alles, was verkauft wird. Wenn es keine MwSt. gäbe, würde ein Pullover statt 119,- € nur 100,- € kosten. Damit Lebensmittel nicht so viel teurer werden, gilt hierfür der verminderte MwSt.- Satz von 7%. Backwaren im Wert von 100,- € kosten also nur 107,- € statt 119,- €.
    Nun zur eigentlichen Frage zurück: Warum interessiert die Verkäuferin wo ich mein belegtes Brötchen esse? Weil es nicht nur entscheidend ist ob es sich bei dem Brötchen um ein Lebensmittel handelt oder nicht, sondern auch noch wo ich es esse! Wenn ich das Brötchen mit nach Hause nehme (d.h. nicht in der Filiale esse) beträgt die Belastung durch die MwSt. 7%, wenn ich mich auf einen Stuhl in der Filiale setze und das Brötchen esse, beträgt die MwSt. 19%! Dazwischen liegen 12% - Punkte! Die Bäckerei muss also für ein belegtes Brötchen, das sie für 2,50 € verkauft 16 cent MwSt. ans Finanzamt überweisen, wenn der Kunde es mitnimmt, aber 40 cent, wenn der Kunde es auf einem Stuhl vor der Theke verzehrt! Die Differenz von 24 cent mehr oder weniger Abgabe/Gewinn bei dem gleichen Verkaufspreis ist schon heftig!
    Bei Kaffee ist es noch etwas schwieriger: Kaffee als Bohne hat immer 7% MwSt. Trinkfertig hat Kaffee immer 19% MwSt., egal ob in der Filiale oder als To Go getrunken. Wenn aber mind. 75% des Kaffees aus Milch besteht (Cappuccino, Latte Macchiato), dann beträgt die MwSt. 7% bei To Go und 19% bei verzehr vor Ort.
    Das alles hat auch Auswirkungen auf den Verkauf von Gutscheinen. Wenn ein Kunde einen Gutschein kauft und ihn dann verschenkt, wissen wir beim Verkauf ja nicht, ob der beschenkte den Gutschein für Brot, (7% MwSt.), Snack zum Mitnehmen (7% MwSt.), Snack zum Verzehr in der Filiale (19% MwSt.), einem Kaffee mit viel Milch oder wenig zum Sofort - Trinken oder mitnehmen einlöst .
    Vorschlag an die Steuerexperten: Lebensmittel sind Lebensmittel – also immer 7% MwSt. egal wo und unter welchen Umständen sie gegessen oder getrunken werden.

    Beim Verkauf von Gutscheinen gibt es noch ein anderes Problem. Der eigentliche Verkauf von Gutscheinen ist nur ein Tausch von Geld und einem Stück Papier auf dem der gleiche Geldbetrag steht. Im steuerlichen Sinn ist da noch kein Umsatz entstanden, es entsteht kein Ertrag, es fallen noch keine Steuern an. Der eigentliche Umsatz, also der Verkauf von Backwaren geschieht i.d.R. erst, wenn der Gutschein eingelöst wird. Wenn das im Laufe des Kalenderjahres geschieht, ist es kein Problem. Schwierig wird es, wenn die Gutscheine erst im nächsten Jahr eingelöst werden. Beispiel: Vor Weihnachten verkaufen wir für 100,- € Gutscheine, die erst im nächsten Jahr eingelöst werden. Nun haben wir zwar das Geld dafür erhalten, also die 100,- € in der Kasse, diese erhöhen aber nicht den Umsatz des Jahres und haben damit auch keine Auswirkung auf den Gewinn und damit auf die Steuerzahlungen. Das bedeutet, dass wir nachhalten müssen, welche Gutscheine mit welchem Betrag am 31.12. nicht eingelöst wurden. Deshalb haben unsere Gutscheine Nummern. Wir wissen, welche Gutscheine in welcher Filiale gekauft wurden und achten nun darauf, welche eingelöst wurden und wann. Hier kommt noch dazu, dass die Gutscheine ja auch in einer anderen Filiale eingelöst werden können als wo sie gekauft wurden. Im neuen Jahr ist es dann umgekehrt: die eingelösten Gutscheine erhöhen den Umsatz, damit den Ertrag, damit die Steuern auf den Ertrag obwohl das Geld gar nicht in der Kasse ist, weil es ja schon im Vorjahr in der Kasse war….. 


    Zum Thema Kassen: Hier müssen alle Kassenbewegungen, also jeder einzelne Verkauf, jede Preisänderung, jeder Storno für 10 Jahre manipulationssicher gespeichert werden. D.h. dass jeder Verkauf eines Brötchens mit Datum, Uhrzeit, Verkaufspreis, MwSt, Wechselgeldrückgabe in jeder Filiale 10 Jahre lang nachgeschaut werden können muss. Die Speicherung muss dann so erfolgen, dass sichergestellt ist, dass nicht nachträglich der Preis oder die Menge verändert werden kann. Für 10 Jahre ist das ganz schön viel Speicherplatz! Da müssen viele Kassen entweder ganz ausgetauscht oder mit einem größeren Speicher nachgerüstet werden. Die Kassen, die heute bei uns eingesetzt werden, kosten schnell mal 3 – 4.000,-€, eine Nachrüstung 500,- € - pro Kasse! Nicht pro Filiale! Diese Forderung der Finanzbehörde ist also nicht mal eben so umzusetzen.
    Ein weiteres Thema sind dann auch die Kassen für Sonderstände. Wenn wir also Karneval in einigen Filialen Sonderstände mit Berlinern & Co. Haben, dürfen wir nicht mehr die einfachen Registrierkassen oder eine „Schublade“ als Kasse einsetzen, denn auch hier gilt: für 10 Jahre manipulationssicher jeden Kassiervorgang speichern. Da kommt schnell die Frage, ob sich diese Sonderstände dann noch lohnen… Der Überwachung zum Opfer gefallen sozusagen…

    LMIV: Seit Mitte Dezember 2014 ist die Lebensmittelinformationsverordnung in Kraft getreten. Diese EU – Verordnung regelt, dass dem Verbraucher folgende Informationen über die Lebensmittel unaufgefordert zur Verfügung stehen müssen: Bezeichnung, Zutaten einschließlich aller Hilfsstoffe, Allergene und Nährwerte. Dies ist sicher eine sinnvolle und richtige Vorschrift, denn jeder sollte sich vor dem Verzehr von Lebensmitteln informieren können, was er denn da eigentlich essen möchte. Ganz so einfach umzusetzen ist dies jedoch nicht:
    Beispiel Berliner: Hier gibt es zunächst die Zutaten, die wir selber für den Teig verwenden: Mehl, Wasser, Eier, Salz, Hefe. Dann wird der Berliner in Siedefett gebacken. Bei diesem Backen zieht natürlich etwas Siedefett in den Berliner ein. Also müssen auch die Zutaten des Siedefettes mit angegeben werden. Die Menge des Siedefettes, die einzieht zu ermitteln ist nicht ganz so leicht! Dann wird der Berliner mit Marmelade gefüllt. Hier reicht natürlich nicht die Angabe „Marmelade“, sondern es müssen die einzelnen Bestandteile aufgeführt werden. Wir kochen die Marmelade für unsere Berliner selber, also gehört Gelierzucker und die Früchte dazu. Anschließen wird der Berliner mit Fondant überzogen – auch die Zutaten des Fondants mit dazu. Wenn wir nun Berliner speziell für Kinder anbieten möchten und diese Kinderberliner etwas bunt und lustig sein sollen, könnten ja noch Gummibärchen auf den Guß gelegt werden. Also müssen die Zutaten für die Gummibärchen mit aufgeführt werden. Nun gibt es Gummibärchen in mehreren Farben und die Zutaten sind pro Farbe anders. Also: entweder eine Farbe aussuchen und nur diese verwenden und alle andersfarbigen Bärchen essen, oder alle Zutaten aller Farben aufführen: das sind dann weitere 36 Zutaten!
    So weit so gut! Nun kommt es regelmäßig vor, dass Rezepturen verändert werden. Entweder weil sich die Mehlqualität ändert oder ein Hilfsstoff gegen einen anderen ausgetauscht wird. Auch ändern unsere Lieferanten schon mal die Zusammensetzung ihrer Artikel. Dann brauchen wir die Information, pflegen sie in unser System ein, drucken für alle Filialen neue Datenblätter aus, schicken diese in die Filialen und lassen sie von unseren Verkäuferinnen in den entsprechenden Ordnern austuschen. Je nachdem, was sich geändert hat, können es schon mal einige 100 Datenblätter sein (Rezepturänderungen für Berliner, Eierlikörberliner, Karamello, Baileys Berliner, Caipiliner, Puddingberliner, Punschberliner, Spritzringe, Quarkbällchen, Apfelberliner…, weil der Lieferant die Zusammensetzung des Siedefetts geändert hat, mal 26 Filialen = 260 neue Datenblätter). Diesen letzten Aufwand (gedruckte Datenblätter) haben wir anders gelöst: in jeder Filiale hängt ein Tablet, das von X aus über das Internet aktualisiert wird. Die Tablets sind für unsere Kunden frei zugänglich fest angebracht.
    Natürlich gilt diese LMIV auch für Restaurants und für Gemeinschaftsverpflegungen (Kantinen, Krankenhäuser…). Hier bin ich mal gespannt, wie die Information über alle eingesetzten Zutaten für ein 5 Meter langes Frühstücksbuffet oder ein 4 Gänge – Weihnachtsfestessen aussieht! Auch die Krankenhausküchen stehen da vor großen Aufgaben: jeden Tag wechselnde Gerichte zum Frühstück, Mittag- und Abendessen! Die Informationen müssen frei zugänglich und immer aktuell sein!! Das wird spannend!

    Meine Frau kommt aus einer Weinhändlerfamilie in Belgien. Dort hat sie vor ihrer Heirat ihren Vater und Bruder in der Weinhandlung unterstützt. Sie kennt sich also gut mit – überwiegend – französischen Weinen aus. So handelt sie auch in X mit einer kleinen Auswahl dieser Weine und Schaumweine (Sekt).
    Nun sollte man denken, dass die Einfuhr von Weinen aus einem benachbarten EU – Land recht einfach ist. Das stimmt nicht so ganz: Vor jeder Einfuhr dieser Weine müssen beim Zollamt in Bielefeld zwei

    Verbrauchssteuernummern beantragt werden. – eine für Wein und eine für Schaumwein. Diese Nummern sind unterschiedlich und auch pro Antrag immer anders. Für den Schaumwein ist die Schaumweinsteuer direkt zu überweisen, sonst gibt es keine Verbrauchssteuernummer und damit ist keine Einfuhr erlaubt. Wenn die beiden Nummern ca. 4 Tage später per Fax und dann per Post eintreffen, werden sie zum Zollamt in Dresden gemeldet und zum Weinhandel nach Belgien gefaxt um auf dem Lieferschein eingetragen werden zu können – natürlich erst, nachdem die Bestätigung der Nummern per Post vom Zollamt in Dresden eingetroffen ist. Nun kann geliefert werden! Wenn die Weine in X angekommen sind, wird dies nach Dresden gemeldet, damit der Vorgang dort abgeschlossen werden kann. Jetzt muss meine Frau nur noch aus dem Internet ein Steueranmeldeformular für die schon im Voraus bezahlte Schaumweinsteuer ausdrucken und ausgefüllt zum Zollamt nach Bielefeld schicken – und schon kann der Wein/Sekt verkauft werden. Wie grausam wäre das alles ohne die EU?

    Ein Sprung zum Betrieb: Im Betrieb werden elektrisch betriebene Anlagen in ortsfeste und bewegliche unterteilt. Die beweglichen sind solche, die man einfach wegnehmen kann (Schreibtischlampen, Bohrmaschine, Bildschirm…), die anderen sind ortsfest (Maschinen…). Die Geräte, die wir kaufen sind von zertifizierten, geprüften Fachunternehmen hergestellt. Die Steckdosen und Leitungen sind ebenfalls von einem geprüften Fachunternehmen installiert worden. Außerdem werden alle elektrischen Geräte regelmäßig geprüft. Nun fordert die VÜA – die das auch alles noch mal prüft – dass bei den beweglichen elektrischen Geräten immer die Stecker gezogen werden, wenn sie nicht benutzt werden – also kurz vor Feierabend. Dann müssen also von allen Bildschirmen, Druckern, Lampen, PC´s, Kopierern, Tischrechnern, Waagen… die Stecker gezogen werden und am nächsten Morgen wieder eingesteckt werden. Wann kommt das wohl für unsere Wohnungen? – und wer prüft das wann??

    BGV A3 Untersuchung: Diese Berufsgenossenschaftsvorschrift A3 besagt, dass der Unternehmer alle elektrischen Anlagen regelmäßig (alle 4 Jahre) von einer Elektrofachkraft auf ihren ordnungsgemäßen Zustand hin überprüfen lassen muss. Der Hintergrund ist, dass sich bei der Benutzung dieser Anlage niemand verletzen soll (Stromschlag). Zusätzlich wird dadurch die Gefahr eines Feuerschadens durch Kurzschluß reduziert – eine vernünftige Sache also. Bei uns betraf diese Prüfung 147 Maschinen/Motoren. Zunächst wurden dabei die Maschinendaten erfasst: Name, Standort, Anschlußspannung, Netzform, Gesamtstrombedarf, Steuerspannung, Aufstellungshöhe, Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit. Dann wird festgestellt ob alle Geräte richtig beschriftet, sichtbare Schäden oder Mängel vorhanden, alle Bauteile gegen direktes Berühren geschützt, alle Betriebsmittel geerdet, alle Anschlußschrauben richtig angezogen, alle Öffnungen (Schaltschränke, Steuerpulte…) verschlossen sind, alle Motorschutzeinrichtungen richtig eingestellt wurden, die Stromleitungen nicht auf Zug stehen und an Kanten gegen Durchscheuern geschützt sind. Auch werden noch Spannungsmessungen und Erdschleifenmessungen durchgeführt, alles dokumentiert und – fertig! Pro Maschine/Motor sind das 6 Seiten Protokoll, bei unseren 147 zu prüfenden Geräten also 882 Seiten.

    Stromverteilungen: In den Betrieben sind überall Stromverteilungen. Hier werden die Stromkreise der einzelnen Abteilungen mit Strom versorgt, hier sind auch die Sicherungen für die einzelnen Maschinen, Geräte und Steckdosen. Nach einer neuen Vorschrift müssen diese Verteilungen mit einer F I – Sicherung versehen sein. Ältere Verteilungen müssen erneuert werden, wenn zusätzliche Strom – Abnehmer (z.B. eine Steckdose) angeschlossen werden. Dann müssen diese F I – Sicherungen regelmäßig geprüft werden – d.h., alle Geräte ausschalten, Computer runterfahren, die Sicherung auslösen, Sicherung wieder reindrücken, Geräte wieder einschalten, Computer wieder hochfahren – dokumentieren!!

    Am Jahresende wird gezählt! Alle Rohstoffe, Zutaten, Hilfsstoffe, Verpackungen, Fertigwaren… müssen „körperlich“ gezählt und erfasst werden. Anschließend wird alles bewertet und fließt so als Bestand in die Gewinn- und Verlustrechnung ein. Nun kann man nicht einfach losgehen und zählen! Zunächst muss eine Schulung stattfinden: die Seiten der Listen müssen durchnummeriert sein, es darf nur mit Kugelschreiber geschrieben werden, leere Seiten bzw. Zeilen sind durchzustreichen, im Kopf des Formulars muss der Tag der Aufnahme stehen, es muss eine eindeutige Vorratsbezeichnung (Einheit, Stück, Liter…) eingetragen werden, gezählt werden darf nur im Team (ein Teammitglied zählt, das andere schreibt), beide Teammitglieder müssen jedes Inventurblatt unterschreiben, jede Palette, jedes Regal, jeder Raum, der fertig gezählt ist, bekommt einen Aufkleber (gezählt von… am…), der Inventurleiter überprüft bei einem Rundgang ob alles vollständig erfasst wurde. Natürlich wird auch hier dokumentiert, dass die Schulung durchgeführt und alles richtig verstanden wurde….

    Sie sehen – „Nix ist einfach…“

    Saudos
    el mar

    ---
    Sorry, der Lebensstil den Sie geordert haben, ist ausverkauft!

    

    gesamter Thread:

  • BMF/ARD: Bargeld führe Mrd.-Steuerausfällen (Eisdiele) - Austria: Verfassungsgericht kassiert Hypo-Schuldenschnitt (> Heta) - azur, 28.07.2015, 18:26

Wandere aus, solange es noch geht.


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