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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    froschgrafik: Arbeitslosigkeit in Deutschland und deutscher Kapitalexport 1971 - 2013

    verfasst von frosch, 27.12.2013, 07:52
    (editiert von frosch, 27.12.2013, 08:03)

    Seit Jahren leben wir in Deutschland mit einer hohen Arbeitslosigkeit. Kaum einer von uns durchsteht sein Arbeitsleben ohne kürzere oder längere Zeiten ohne Job. Für uns alle senkt das unseren Lebensstandard. Für uns alle bringt das Angst und Stress mit sich.

    [image]

    Wer oder was ist für die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich?
    Einige Leute machen Ausländer und Immigranten verantwortlich, die uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen würden. Aber Arbeitsplätze gehören uns nicht, sie sind uns von den Arbeitgebern gegen Bezahlung (Lohn) geliehen. Kein Lohnarbeiter – egal welchen Pass er in der Tasche trägt, egal welche Hautfarbe er hat – kann mir einen Arbeitsplatz wegnehmen. Den Arbeitsplatz kann mir nur der wegnehmen, dem er gehört: mein Arbeit(platz)geber. Lohnarbeiter – egal mit welchem Pass in der Tasche – haben auf die Zahl der angebotenen Arbeitsplätze keinen Einfluss.

    An unseren Universitäten wird allerdings gelehrt, dass Lohnarbeiter durchaus Einfluss auf die Zahl der Arbeitsplätze hätten: Wenn wir Lohnarbeiter einen ordentlichen Mindestlohn verlangen, „gehen Arbeitsplätze verloren“, hießt es. Scheinbar gehen die Arbeitsplätze verloren wie mir ein Euro verloren geht, der unterwegs aus der Tasche rollt. Was verloren geht, verschwindet ganz ohne Absicht, ja sogar gegen meine Absicht. Dass uns Arbeitsplätze fehlen, geschah also ganz ohne eine Absicht von irgend jemandem, ja gegen jede Absicht – sagen die Professoren.
    Arbeitsplätze gehen aber nicht „verloren“, sie werden vernichtet oder „abgebaut“. Abbruchunternehmer für Arbeitsplätze sind allein die Kapitaleigner. Sie allein verfügen über die Arbeitsplätze, sie richten sie ein oder sie bauen sie ab. Kapitaleigner schaffen Arbeitsplätze aber nicht aus Nächstenliebe, sondern um damit Profit zu machen. Ihr Profit wird aber – möglicherweise – durch gestiegene Löhne geschmälert.
    Fakt ist: Über die letzten Jahre hinweg stagnierten die Löhne insgesamt. Im unteren Lohnbereich sind die Reallöhne sogar gefallen. Die Massenarbeitslosigkeit ist geblieben.

    Wo blieben die Arbeitsplätze? Dazu gibt folgende Grafik Hinweise:

    [image]

    Die rote Linie zeigt die Investitionsbereitschaft der Kapitaleigner. Im Jahr 1971 wurden fast 16% der deutschen Jahreswirtschaftsleistung (BIP) innerhalb Deutschlands investiert. Bis ins Jahr 2013 ist diese Investitionsrate bis auf gut 2 % vom BIP gesunken.
    Allerdings: Kapitaleigner investieren nicht nur, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Kapitaleigner investieren auch, um die betriebliche Arbeitsproduktivität zu steigern, um mit weniger Arbeitskräften gleich viel oder mehr zu produzieren. Man kann also gar nicht sagen, dass mehr Investitionen auch mehr Arbeitsplätze bringen würden.

    Schauen wir weiter:
    Die beiden blauen Flächen zeigen das Kapital, das seit 1971 ins Ausland gewandert ist. Die helle Fläche zeigt den (Markt)Wert des Kapitalvermögens im Ausland nach Abzug von Abschreibungen etc.
    Die dunkelblaue Fläche zeigt den kumulierten Umfang des deutschen Kapitalexports ins Ausland. Dieser Wert erreichte 2013 rund 1.900 Mrd. Euro.
    Mit diesem Kapital sind auch Arbeitsplätze ins Ausland gewandert. Einerseits sind vorhandene Arbeitsplätze von hier ins Ausland verlagert worden, andererseits ist Kapital, das hier für mögliche Arbeitsplätze hätte verwendet werden können, im Ausland angelegt worden.

    Welche Auswirkungen der deutsche Kapitalexport von 1.900 Milliarden Euro hat, kann folgende Rechnung aufzeigen:
    [image]

    In Deutschland gibt es derzeit gut 24 Millionen Voll-Lohnarbeitsplätze.
    Mit den 1.900 Milliarden Euro Kapital hätten die Kapitaleigner (rechnerisch) in Deutschland über 17 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze im deutschen Baugewerbe schaffen können.
    Mit den 1.900 Milliarden Euro Kapital hätten die Kapitaleigner in Deutschland (rechnerisch) noch 7,6 Millionen zusätzliche Industriearbeitsplätze schaffen können.
    Diese Rechnung ist noch vorsichtig, weil sie von heutigen Arbeitsplatzkosten ausgeht und außer Acht lässt, dass in früheren Jahren mit niedrigeren Arbeitskosten auch mehr Arbeitsplätze hätten geschaffen werden können.

    Kapitaleigner schaffen Arbeitsplätze nicht aus Nächstenliebe, sondern um damit Profit zu machen. Wenn im Ausland mehr Profit zu machen ist, wird Kapital exportiert, dann werden im Ausland Arbeitsplätze geschaffen.
    Im Inland verschärft das die Konkurrenz um Arbeitsplätze unter den Lohnarbeitern. Für Arbeiten, für die früher ein Hauptschulabschluss reichte, wird jetzt ein Realschulabschluss erwartet. Wo früher ein Realschulabschluss genügte, hat man als Stellenbewerber nur Chancen mit Abitur. Und wer mit weniger Lohn auskommt als ich, hat bessere Karten beim Kampf um eine neue Stelle.

    Gruß frosch

    ---
    井底之蛙

    

    gesamter Thread:

  • froschgrafik: Arbeitslosigkeit in Deutschland und deutscher Kapitalexport 1971 - 2013 - frosch, 27.12.2013, 07:52

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