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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Stationärer, dissipativer Betrieb der Zivilisation

    verfasst von Kurt, 03.09.2013, 19:03

    > > Entsprechende Erkenntnisdurchbrüche im Ökonomie- und
    > > Antropologie-Mainstream um "Tausende von Prozent", und in der jeweiligen
    > > Avantgarde immer noch um viele Hundert Prozent erwarte ich mir von der
    > > sauberen Ausformulierung des zweiten Hauptsatzes des Debitismus.

    > Also wir als Ingenieure müssen uns natürlich die Frage gefallen lassen,
    > ob sich der Weltenlauf, nach dem Erkenntnisdurchbruch der Kopernikanischen
    > Wende oder der bahnbrechenden Erfindung der Dampfmaschine, zum Besseren
    > gewendet hat. Ich steh als notorischer Innovationsmuffel dem Glauben an
    > eine Fortschrittskontinuität eher skeptisch gegenüber.

    Es sollte mit den Vorpostings nichts gesagt sein über Gut oder Böse von Erkenntnisfortschritt im Allgemeinen, oder von Verbesserungen an Dampfmaschinen im Besonderen.

    > Wo an der einen Stelle entspannt mit dem zweiten Hauptsatz
    > der Thermodynamik jongliert und die Dampfmaschine optimiert wird, wird an
    > anderer Stelle ganz entspannt mit dem Menschen jongliert. Dabei wird die
    > Optimierung des Zentralstaates, dessen Wirkungsgrad um 1800 vielleicht bei
    > 5% lag, nicht ausgelassen und bis zum theoretischen Maximum erhöht.

    Nein, der Zentralstaat wird nach wie vor in gefährlicher Weise instationär, d.h. in Unkenntnis des zweiten Hauptsatzes des Debitismus betrieben. Dies kommt einem instationären Betrieb der Dampfmaschine ohne Bereitstellung einer Wärmesenke=eines Kühlers gleich (= Betrieb einer Gesellschaft ohne Schuldsenke/Betrieb der Wirtschaft ohne Schuldensenke).

    Damit die Dampfmaschine/der Staat/die Wirtschaft/die Gesellschaft unter diesen Bedingungen noch (für kurze Zeit) weiter funktionieren können, müssen mangels Kühler=Anergiesenke die antreibende Temperatur/Macht/Schulden/Schuld ständig erhöht werden. Dies führt aber nach kurzer Zeit zu Kolbenfresser/Revolution/Hyperinflation/Krieg.

    Werden (unter denselben fehlerhaften Betriebsbedingungen) Temperatur/Macht/Schulden/Schuld hingegen nicht ständig weiter erhöht, kommen Dampfmaschine/Staat/Wirtschaft/Gesellschaft in kurzer Zeit zum Stillstand (deflationäre Depression).

    Von daher benötigt die Zivilisation für ihren Fortbestand dringend die Erkenntnis, wie sich Staat/Wirtschaft/Gesellschaft stationär (als dissipatives System) betreiben lassen. Bei der Wärmekraftmaschine ist das trivial und bekannt -- aber auch erst seit 100 Jahren. Dort braucht man nur ein konstantes Temperaturgefälle, was eine system-externe Energiequelle hoher Temperatur (Feuer) sowie eine ebenfalls system-externe Energiesenke niedriger Temperatur (Kühler) zur Wegführung der nicht mehr nutzbaren Wärme=Anergie erfordert.

    Analog muss die Zivilisation im Sinne ihres Überlebens erkennen, dass Staat/Wirtschaft/Gesellschaft nicht nur eine antreibenden Energiequelle mit hohem Druck (Macht/Schulden/Schuld) benötigt, sondern unbedingt auch eine Energiesenke zur Aufnahme nicht mehr nutzbarer Restmacht/Restschulden/Restschuld mit niedrigem Druck. Genau dafür gab's früher wie gesagt so Sachen wie Menschenopfer, Jubeljahre, Vergebung und Religion.

    Nachdem dies alles abgeschafft wurde, müssen wir nun erkennen, dass und warum wir diese Dinge (oder einen noch zu definierenden Ersatz dafür) unabdingbar benötigen, um als Zivilisation überleben zu können.

    > Und warum? Für meine Begriffe spielt hier die Anschauung eine erhebliche
    > Rolle, das der Mensch nicht mehr ist als eine Dampfmaschine und sich der
    > Mensch nur in seiner ungeheuren Komplexität von dieser unterscheidet. Mit
    > dieser Anschauung ist die Scheu weitestgehend verloren gegangen, zur
    > Optimierung des Menschen tatkräftig Hand an ihm anzulegen.

    > Ich gehe davon aus, dass es uns nicht gelingen wird, die Bestimmung des
    > Menschen sauber auszuformulieren, Gut und Böse per Rechenschieber
    > voneinander zu scheiden und das gerechte Recht in einer
    > Differenzialgleichung einzufangen.

    Das Gesagte hat nichts mit einer kalten, mechanistischen Optimierung des Menschen zu tun, sondern mit der Anpassung der Zivilisation an die allumfassenden Gesetze der dissipativen Systeme, welche bisher nur für die Thermodynamik sauber erkannt und ausformuliert sind. Wenn das nicht klappt, war's das dann bald mit der Zivilisation (Zara freut's). Möglicherweise ist dafür aber tatsächlich zunächst eine Einrichtung analog Eschbachs Kohärenz™ erforderlich, da die Erkenntnis- und Kooperationsfähigkeit des menschlichen Gehirns für einen stationären Betrieb der Zivilisation möglicherweise nicht ausreicht.

    > Was die vermeintlich heilsame Erkenntnis des Debitismus angeht, so meine
    > ich im Debitismus nur Erklärungen gefunden zu haben, die aufzeigen, wie
    > was nicht funktioniert.

    Das liegt daran, weil der Debitismus aktuell etwa den Stand der Naturwissenschaften von vor 150 Jahren erreicht hat (Machttheorie, Urschuld, Vorfinanzierung, Nachschuldnerschaft, Saldenmechanik = "Erster Hauptsatz"). Die Mainstream-Ökonomie hängt demgegenüber selbstverständlich noch im naturwissenschaftlichen Mittelalter fest (Osterhase, Mickymaus, Tauschparadigma).

    vG Kurt

    

    gesamter Thread:

  • oT Salz / Gesundheit - Dragonfly, 10.08.2013, 17:57

Wandere aus, solange es noch geht.


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