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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    froschgrafik: Lohnquote und Lohnbestandteile in Deutschland

    verfasst von frosch, 09.07.2013, 11:29

    Erst ab gestern, dem 8. Juli, so heißt es, arbeiten die Lohnarbeiter in Deutschland für ihren eigenen Geldbeutel, denn im Durchschnitt liefert jeder Lohnarbeiter 51,6 Prozent seines Lohnes an den Staat ab. Rein rechnerisch arbeiten wir so in der ersten Hälfte des Jahres für den Staat und in der zweiten Hälfte erst für uns und unsere Familien.

    Diese Rechnung vertuscht mehr als dass sie aufdeckt. In dieser Rechnung fehlen die Kapitalisten, für deren Reichtum und Profit wir (produktive) Lohnarbeiter schuften müssen. Der (fast) gesamte Reichtum unserer Gesellschaft ist das Arbeitsergebnis von produktiver Lohnarbeit. Aus diesem Arbeitsergebnis werden nicht nur die Staatskosten samt Beamtenschaft bestritten, sondern auch der Luxus der Kapitalisten und selbst die Gewinnsteuern, die die Kapitalisten an den Staat abdrücken müssen.
    Deshalb ist alle Steuerkritik, die kritisiert, dass die Lohnarbeiter viel Steuern und die Kapitalisten wenig Steuern zahlen müssten, für die Katz.

    Wir können diesen Spieß auch umdrehen und ebenso schlüssig nachweisen, dass ja die Lohnarbeiter ihr gesamtes Geld von den Kapitalisten bekommen. Deshalb bezahlen die Kapitalisten auch alle Steuern und Abgaben der Lohnarbeiter. Auch aus dieser Sicht ist alle Steuerkritik, die kritisiert, dass die Lohnarbeiter viel Steuern und die Kapitalisten wenig Steuern zahlen müssten, für die Katz.

    Was bringt etwas Licht in diese Steuer-Dämmerung? Ich versuche mal in dürren Worten den gesamten Sachverhalt darzustellen:

    1. Die produktiven Lohnarbeiter schaffen den gesamten gesellschaftlichen Reichtum. Dieser Reichtum gehört zunächst und von Rechts wegen den Kapitalisten, die die Lohnarbeiter eingestellt und angestellt haben. Dieser Reichtum oder das Sozialprodukt sei mengenmäßig gleich 100.
    2. Um arbeiten zu können, müssen die Lohnarbeiter auch was zum Beißen haben. Aus dem gesamten kapitalistischen Reichtum eines Jahres (100%) bekommen die Lohnarbeiter 65% von ihren Kapitalisten als Lohn ausbezahlt. Diese sogenannte Lohnquote beträgt rund 65 Prozent.

    [image]
    (Grafik aus: Wikipedia, Alex1011)

    Es ist wahr, dass die Kapitalisten allen Lohn zahlen und damit auch die Steuern und Abgaben, die aus diesem Lohn bestritten werden. Andererseits ist ebenso wahr, dass dieser Lohn aus dem Arbeitsprodukt stammt, das die Lohnarbeiter selbst geschaffen haben. Der eigene Lohn entstammt der eigenen Arbeit der Lohnarbeiter.
    2.a) Aber Lohnarbeiter bekommen diese 65% des Sozialprodukts nicht komplett ausbezahlt. Ein kleiner Teil dieser Lohnsumme – rund 5% der Lohnsumme - erhalten die Lohnarbeiter in Naturalien (Kantinenzuschüsse, Werkswagen, Sicherheitskleidung etc.)

    2.b) Einen anderen Teil, rund 10% der Lohnsumme, überweisen die Kapitalisten an die Sozialversicherungskassen als „Arbeitgeberanteil“. Dazu gleich.
    Die bisherigen 15% Lohnbestandteile nennen die Kapitalisten „Lohnnebenkosten“. Die Lohnnebenkosten tauchen auf keinem Lohnzettel auf, sind aber wirkliche Lohnkosten und werden von den Kapitalisten als Lohnkosten gerechnet. Historisch gesehen sind Lohnnebenkosten ein Abzug vom Lohn, den die Kapitalisten zweckgebunden verwenden.

    2.c) Einen anderen Teil der Lohnsumme, rund 25%, erscheint auf dem Gehaltszettel, wird aber nicht an die Lohnarbeiter ausbezahlt, sondern direkt an das Finanzamt und die Versicherungskassen überwiesen. Das ist der Bruttobestandteil des Lohns.
    Aus diesen 25 %, dem Bruttobestandteil des Lohns, werden zwei große Sachbereiche bestritten: Ein Teil der Staatskosten und die Sozialausgaben.
    Aus den (direkten und indirekten) Steuern wird der gesamte Staatsapparat finanziert, mit Schulen, Gerichten, Kasernen, Gefängnissen usw.. Außer diesen Gebäuden wird auch der Lebensunterhalt samt Altersruhegeld des unproduktiven Staatspersonals aus Steuern finanziert. Wieder lässt sich mit gleichem Recht sagen: Alle diese Steuern stammen aus den Taschen der Kapitalisten. Und: Gefüllt wurden diese Taschen erst durch die Arbeit der produktiven Lohnarbeiter.

    Zum zweiten werden aus dem Bruttobestandteil des Lohns die Unglücksfälle und Risiken der modernen Lohnarbeit finanziert: Krankheit, Arbeitslosigkeit und Alter. In heutiger Zeit sind die Sozialversicherungen quasi verstaatlicht und die Staatsvertreter tun mächtig stolz mit den „Wohltaten“, die der „Sozialstaat“ an Bedürftige verteilt.
    Tatsächlich sind alle diese Sozialausgaben Lohnkosten, die für die Risiken und Wechselfälle der Lohnarbeit nötig sind. Es sind Lohnkosten für den Fall, dass einer keine Arbeit findet oder nicht (mehr) in der Lage ist, einer Lohnarbeit nachzugehen. Da die Kapitalisten nur Arbeit vergeben, wenn sie aus dieser Arbeit Profit ziehen können, sind diese Risiken der Lohnarbeit ganz real und können jeden Lohnarbeiter treffen. Da diese Risiken jeden Lohnarbeiter treffen können, muss jeder Lohnarbeiter Vorsorge für diese Risiken treffen. Diese Vorsorge ist notwendiger und wichtiger Bestandteil des Lohns.
    Aber statt die Sozialversicherungsbeiträge an die Lohnarbeiter auszubezahlen, lassen die Kapitalisten die Sozialversicherungen lieber durch Staatsbürokraten verwalten. Über die Staatsbürokraten nehmen die Kapitalisten direkt und indirekt Einfluss auf die Verwaltung der Sozialversicherungen und stellen dadurch sicher, dass die Kosten und Ausgaben der Sozialversicherungen auf ein Minimum beschränkt bleiben. Das senkt die Lohnkosten der Kapitalisten.
    Grob gesagt werden aus dem Bruttobestandteil des Lohns sowohl die unproduktiven Lohnarbeiter (Staatsdiener) als auch die inaktiven Lohnarbeiter (Kranke, Arbeitslose, Alte) finanziert.

    3. Bleibt der Nettobestandteil des Lohns, der an die aktiven Lohnarbeiter ausbezahlt wird (rund 25% des Sozialprodukts). Das ist das Geld, das die Lohnarbeiter selbst verwalten. Natürlich hat jeder Lohnarbeiter das Bedürfnis, dass dieser Nettolohn möglichst hoch ist. Aus individueller Sicht ist nur der Nettolohn wichtig. Aus gesellschaftlicher Sicht ist die Lohnquote wichtig.
    Und es ist politisch wichtig, welchen Anteil der Lohnsumme die Kapitalisten verwalten (Lohnnebenkosten), welchen Anteil der Lohnsumme staatlich verwaltet wird (Steuern und Abgaben), und welchen Anteil der Lohnsumme von den Lohnarbeitern selbst verwaltet wird (Nettolohn). Gegenwärtig werden 75 Prozent des Sozialprodukts von Kapitalisten und den Staatsdienern verwaltet, die rund 15 Prozent der Bevölkerung stellen, aber nur 25 Prozent des Sozialprodukts wird von den Lohnarbeitern, die rund 85 Prozent der Bevölkerung stellen, selbst verwaltet. Das ist ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Machtverhältnisse.

    Im Bochumer Programm wird gefordert, dass die Sozialversicherungen von der bürokratischen Verwaltung der Staatsdiener befreit wird und von den Lohnarbeitern vollständig selbst verwaltet wird. Für die Kapitalisten muss das nicht teurer sein, aber durch die Selbstverwaltung der Sozialversicherungen würde die behördliche Schikane und Bevormundung abgebaut und unnötige Ausgaben könnten durch Kürzung von üppigen Gehältern des Verwaltungspersonals gesenkt werden.

    Im folgenden den Inhalt noch mal als grafische Übersicht:

    [image]

    Gruß frosch

    ---
    井底之蛙

    

    gesamter Thread:

  • froschgrafik: Lohnquote und Lohnbestandteile in Deutschland - frosch, 09.07.2013, 11:29

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