Das Gelbe Forum Forum nach Zeit sortieren Forum nach letzter Antwort sortieren die 150 neuesten Beiträge
Forum-Menü | Fluchtburg autark am Meer | Goldpreis heute | Zum Tode von Jürgen Küßner | Bücher vom Kopp-Verlag
ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Inflation oder Deflation? Dabei geht es um Macht und Profite, nicht um Notwendigkeit.

    verfasst von Miesespeter E-Mail, 18.01.2013, 19:57
    (editiert von Miesespeter, 18.01.2013, 20:36)

    > Nein, es gibt bereits seit 2008 nichts mehr zu verteilen; ganz einfach
    > deshalb, weil der Kreditzufluss von aussen zum Erliegen kam, nachdem die
    > Kreditgeber realisiert haben, dass ein Leistungsbilanzdefizit keine
    > dauerhafte Angelegenheit sein kann.

    Es gibt also nichts mehr zu verteilen, nicht weil da nichts mehr waere, was man herstellen koennte, sondern weil politisch beschlossen wurde, fuer jedwede Operationen (zunaechst einmal) keine weiteren Zahlungsmittel zur Verfuegung zu stellen.

    > Seither fliessen nur noch
    > Zwangskredite, aber eben nicht mehr in jenem Ausmass wie vorher. Merkel
    > würde abgewählt, wenn sie die Party weiter finanzieren wollen würde.

    Das kommt ganz darauf an, wie in den vorhergehenden 24 Monaten das Volk von der Pressekanzel propagandistisch eingestellt worden ist.

    >
    >
    > > Es stellt sich doch die Frage: Wer kommt eigentlich zu Schaden, wenn
    > > stattdessen ueber staatliche Nachfrage ein hoeherer Output aufrecht
    > > erhalten wird und im Zweifelsfalle auch verteilt wird? Dann gibt es ja
    > > etwas zu verteilen.
    >
    > Wie soll der griechische Staat denn etwas nachfragen können, wenn er an
    > den Märkten erledigt ist?

    Was soll der griechische Staat am Markt, schlaegt der private Kraemer den waffenschwingenden Souveraen in die Knie? Glaubst Du wirklich, mit liberaler Teabagger-Propaganda kann dem Staat, sprich der organisierten Gewalt, die Luft abgedreht werden, solange die Masse sich vom Staat doch Vorteile verspricht?

    > Klar könnte man all diese Betriebe, die auf dem Weltmarkt nicht
    > konkurrenzfähig sind, durch Infusionen von aussen am Leben erhalten; aber
    > wozu soll das gut sein? Um den Kapitalismus durch Sozialismus zu ersetzen?

    Wozu das gut sein soll kann ich nicht beantworten. Ich glaube nur, dass in einem Land, in dem die Mehrheit der Bevoelkerung kapitalistisch arbeits- und einkommenslos geworden ist, diese sich frueher oder spaeter organisieren werden, um dem kapitalistischen Trauerspiel ein Ende zu bereiten.

    Aus diesem Grunde kann ich nur den Kopf schuetteln ueber Liberale, deren explizites Ziel ja die maximalstmoegliche Aufrechterhaltung des privatwirtschaftlichen Eigentumsprinzips ist, derartige Entwicklungen propagandistisch und wirtschaftsplitisch noch zu befoerdern, anstatt dagegen intensivst anzuarbeiten. Zur Veranschaulichung meines Arguments:

    Die privaten Vermoegen in D belaufen sich ueber 8 Bio Euro, die staatlichen Schulden ueber 2 Bio Euro. Wenn es wirklich eine Frage von Sein oder Nichtsein waere, muesste nicht jeder Vermoegende freudig 25% seines Vermoegens an den Staat abgeben, um diesen Staat, der seine Vermoegen erst moeglich macht, vor der Pleite zu bewahren (und damit sich selbst, und auf diese Weise 75% seines VErmoegens zu retten)?


    >
    > >
    > > Sind die Arbeitslosen (immerhin 30-50% der Bevoelkerung) wirklich
    > lieber
    > > arbeitslos, als mit 'Staatspapiergeld' bezahlt zu werden, mit welchem
    > sie
    > > dann eben jenen Output erwerben koennen?
    >
    > Was für Staatspapiergeld meinst Du da? Europäisches?
    > Meinst Du, Europa verbessere seine Position auf dem Weltmarkt,

    Warum muss sich jede Entscheidung immer am Weltmarkt orientieren? Muss man bei allem und jedem auf dem Weltmarkt konkurrieren wollen, kann man ueberhaupt noch irgendwelche anderen gesellschaftlichen Prioritaeten haben als maximale globale Wettbewerbspostionen? Die Tuerken verkaufen Olivenoel auch zum halben Preis vom Olivenoel der Griechen, sind aber durch restriktive Importquoten vom EU-Markt quasi ausgeschlossen. So what? Hast Du darunter bisher stark gelitten?

    > wenn diese
    > ganzen künstlich beatmeten Betriebe in der Peripherie weiter gepäppelt
    > werden? Sollen in Spanien, wie in China, die Geisterstädte weitergebaut
    > werden? Oder soll man sie keynesianisch abreissen und wieder aufbauen
    > lassen von den selben Firmen?

    Hier mal ein Video von Valencia, einer Stadt in der Krise:

    https://www.youtube.com/watch?v=VHNlPs6rSpU

    Wie waere es, wenn man diejenigen, die diese Stadt so rausgeputzt haben (ich weiss noch, wie es dort vor 20 Jahren aussah), mal einladen wuerde, das mit Duisburg, Hannover und Frankfurt an der Oder auch zu machen.

    Waere das so tragisch? Ginge daran die Welt zugrunde?


    > > Gehen die Betriebe lieber Konkurs, als fuer jemanden zu arbeiten,
    > dessen
    > > Bezahlung nicht durch Verschuldung zustande gekommen ist?
    >
    > Am liebsten arbeiten sie für Euro, solange der Euro kein Staatspapiergeld
    > ist. Nach Zimbabwe liefern sie vermutlich auch nicht gegen deren
    > Staatspapiergeld.

    Das ist aber nicht die gegebene Alternativstellung. Die einzige gegebene alternativlose Alternative ist der Marsch in die Insolvenz, die Maschinen werden daraufhin entweder nach Georgien verschifft oder im Altmetall eingeschmolzen. Betrieb am Ende, definitiv. Nochmal: Meinst Du, die Betriebe, Unternehmer wie Arbeiter (und in exstensio auch ebenjene Verbraucher), bevorzugen dies? Lieber tot als womoeglich ein wenig Inflation?

    (Zum manipulativen Zimbabwe/Weimar-Propagandaargument habe ich schon so oft geschrieben, dass ich das jetzt nicht mehr wiederhole
    EDIT: Es ei nur darauf hingewiesen, dass Hyperinflationen nicht allein/zuvorderst durch Gelddrucken, sondern durch den vorherigen kompletten Zusammenbruch des Outputs bedingt sind)


    >
    > > Haben die Guthabenbesitzer wirklich einen Vorteil davon, wenn die
    > > Schuldnerseite sukzessive falliert bis auch ihr gesamtes Guthaben
    > > evaporiert ist?
    > >
    >
    > So könnte man doch schon zu Beginn eines debitistischen Zyklus
    > argumentieren.

    Macht man ja auch, weshalb auch zu Beginn eines debitistischen Zyklus' der Kredit permanent ausgeweitet wird, u.a. auch damit die Schuldnerseite eben nicht sukzessive falliert.

    > Staatspapiergeld-'Oekonomien' haben es aber nirgends
    > längerfristig zu etwas gebracht.


    Wir haben jedoch keine Staatspapiergeld-Oekonomie, sondern zunaechst einen fallierenden Debitismus. Der hat es auch nirgends laengerfristig zu etwas gebracht.

    Selbst das waere noch kein Argument (Menschen haben auch noch nie fliegend vom Boden abgehoben, bis sie es dann irgendwann doch einmal taten). Man muss zumindest die historischen Neuerungen miteinfaktorieren. Zb die von Phil Marlowe immer wieder zitierte Tatsache, dass man heute technisch die gesamte wirtschaftliche Infrastrutur locker mit 20% aller Arbeitskraefte betreiben kann, der Rest der Arbeitsfaehigen ist wirtschaftlich ueberfluessig. Was macht man also mit denen? Beteiligt man sie noch am Wirtschaftsleben? Wenn ja, wie? Wenn nein, kann man sie denn auschliessen? Gibt es einen Breaking-Point, wo die sich das nicht mehr gefallen lassen?


    >
    > Die wirtschaftsliberale Sicht ist klar: Wer Bankrotte, Bereinigungen und
    > kreative Zerstörung zulässt, verschafft sich dadurch Raum für kreative
    > Innovation und bleibt konkurrenzfähig.

    Nur gueltig dort, wo knappe Engpass-Resourcen existieren. Ohne diese Engpaesse steht den kreativen Innovationen bereits vorher nichts im Wege (mal abgesehen von all jenem, was sensortimecom hier jahrelang vorgetragen hat; aber das stammt ja auch nicht aus dem liberalen Schulbuch)

    (Zusatz: Innovativ im wirtschaftlichen Sinn ist jenes Neuartige, was zahlungskraeftigen Kaeufern (Guthabenbesitzer) das Geld auf privatrechtlicher Basis aus der Tasche zieht. Das muss keine techologische, patentierte Innovation sein)

    > Wer Zombies am 'Leben' hält,
    > strecht damit höchstens das Siechtum.

    Meinst Du damit die 50% arbeitslosen jugendlichen Griechen?

    > Grichenlands BIP pro Kopf ist so
    > hoch wie jenes in Südkorea. Dass so etwas nur deshalb noch der Fall ist,
    > weil die Kosten durch langjährige Finanzierung eines
    > Leistungsbilanzdefizits überhöht sind, dürfte klar sein, und damit auch,
    > wieviel Deflation noch nötig ist, bis die Relationen wieder stimmen. Gaby
    > schreibt es doch auch: es gibt wieder erste Interessenten für
    > Investitionen. Warum? Doch wohl genau deswegen, weil in vielen Bereichen
    > wieder kostengünstiger produziert werden kann.

    Warten wir das mal ab. Ich hingegen bezweifele, dass abseits politisch indizierter Investments durch Grosskonzerne da irgendetwas passieren wird. Griechenland kann weder mit Bulgarien, noch China oder der Tuerkei u.v.m. wirtschaftlich, politisch oder produktiv konkurrieren und wird das auch in den naechsten 10 Jahren nicht koennen. Vielleicht wenn eine Generation im Dreck und bitterster Armut aufgewachsen ist, quasi eine Nachkriegserfahrung hat, wird der Antrieb zu Konkurrenz um jeden Preis gross genug sein.

    Offen bleibt allerdings eben weiter die Frage, ob aus Sicht der heutigen Generation dies eine erstrebenswerte Perspektive ist, oder ob es nicht legitim ist, wenn diese sich an alternativen Orientierungen versuchte.

    Gruss,
    mp

    ---
    Everything is ok

    

    gesamter Thread:

  • Griechenland – mal wieder ein Bericht - Gaby, 18.01.2013, 09:07

Wandere aus, solange es noch geht.


CoinInvest – Ihr Edelmetallhändler










442913 Postings in 53380 Threads, 948 registrierte Benutzer, 1650 User online (26 reg., 1624 Gaeste)

Das Gelbe Forum: Das Forum für Elliott-Wellen, Börse, Wirtschaft, Debitismus, Geld, Zins, Staat, Macht (und natürlich auch Politik und Gesellschaft - und ein wenig »alles andere«) | Altes Elliott-Wellen-Forum

Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahren Sie alles zum Datenschutz