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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    froschgrafik: Kulturelle Außenwirkung. Jährliche Buchübersetzungen 2000 - 2009

    verfasst von frosch, 29.01.2012, 18:55
    (editiert von frosch, 29.01.2012, 18:55)

    Es gibt rund 10 Millionen schwedische Muttersprachler, aber aus dem Schwedischen werden in jedem Jahr fast doppelt so viele Bücher übersetzt wie aus dem Chinesischen mit seinen 800 Millionen Muttersprachlern.
    Die in der Grafik verarbeiteten Daten stammen von der UNESCO und decken 80 Prozent aller Übersetzungen des Zeitraumes 2000 bis 2009 ab.

    [image]

    Die meisten Übersetzungen aus Schwedisch werden ins Deutsche übersetzt (110 von 179 insgesamt). Es handelt sich in der Mehrzahl im die bekannten Kriminalromane.

    Das gibt schon das erste Warnsignal: Übersetzt werden meist nicht „wichtige“, sondern „gängige“ Bücher. Und Bücher werden aus „Top-Sprachen“ in „Down-Sprachen“ übersetzt.

    „Top-Sprachen“ sind daran erkennbar, dass sie vor allem als Quelle für Übersetzungen dienen. „Down-Sprachen“ dienen vor allem als Ziel für Übersetzungen.
    Derzeit gibt es in der Welt nur eine einzige „Top-Sprache“, das Englische. Die englische Sprache dient jährlich für 10.411 Übersetzungen als Quelle, aber nur für 1.145 Übersetzungen als Ziel. Diese Übersetzungszahlen aus der und in die englische Sprache beweisen nicht nur kulturelle Strahlkraft und wirtschaftliche Vorbildfunktion. Sie deuten auch auf eine gewisse provinzielle Enge, die sich wenig um die Belange anderer Völker und Länder schert.

    Außer dem Englischen dienen alle anderen Sprachen häufiger als Ziel denn als Quelle für Übersetzungen. Es sind „Down-Sprachen“. Dieser Nachteil zwingt allerdings zu einem Mindestmaß an Weltoffenheit.

    Zwei Anmerkungen sind noch zu Chinesisch und zu Hindi zu machen.
    So isoliert, wie die Zahlen es erscheinen lassen, sind die Chinesen nicht von internationalen Buchveröffentlichungen. Die Zahlen enthalten nur lizenzierte Übersetzungen. Es gibt aber in China einen breiten „grauen Buchmarkt“ von Übersetzungen, die in Kiosken oder von „Fliegenden Buchhändlern“ (!) auf der Straße verkauft werden. In den allermeisten Fällen ist ein Bestseller aus den USA schneller (und ohne Lizenz) ins Chinesische übersetzt als ins Deutsche oder Französische.

    Auch die Inder sind keineswegs so sehr vom internationalen Buchmarkt abgeschnitten, wie es die offiziellen Übersetzungszahlen vermuten lassen. Die indischen Akademiker sprechen alle so gut Englisch, dass sie englische Bücher lesen können. Da lohnt sich keine Übersetzung. Hindi wird immer mehr zu Volkssprache.

    Wie sind die Trends?
    Ich denke, Englisch ist längst keine „nationale“ Sprache mehr. Kein US-Amerikaner und kein Brite, wird einen Englischsprechenden fälschlich für einen Landsmann halten, selbst wenn er noch so fließend Englisch spricht.
    Englisch ist tatsächlich zur transnationalen Weltsprache geworden wie im Mittelalter das Latein.
    Unterhalb dieser blassen und abstrakten Weltsprache werden die Volkssprachen erhalten bleiben, wo es um den Ausdruck und die Vermittlung von Gefühlen und konkreten Erlebnisinhalten geht. Als Verkehrssprache in der internationalen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft werden sie irgendwann so unbedeutend sein wie Hindi.

    Wer jedoch meint, die englische Weltsprache würde kulturelle Eigenheiten und Traditionen zerstören und ersetzen, der mag mit gleichem Recht befürchten, dass der Flugverkehr das Reisen mit dem Schiff, der Bahn, dem Auto oder zu Fuß zerstören und ersetzen wird.

    Gruß frosch

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    井底之蛙

    

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  • froschgrafik: Kulturelle Außenwirkung. Jährliche Buchübersetzungen 2000 - 2009 - frosch, 29.01.2012, 18:55

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