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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Italien steht still

    verfasst von modesto E-Mail, 24.01.2012, 08:34

    Guten Tag an Alle,

    ich möchte aus @Barbaras NÜ (grazie mille) den Link herauspicken und ein wenig aus dem Alltag berichten.

    http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/01/36760/

    Als in Sizilien die Proteste losgingen, haben wir beide Autos vollgetankt, die Kanister gefüllt und ich war im Supermarkt einen Großeinkauf machen.
    Meine bessere Hälfte lächelte - und gestern waren an den wenigen, offenen Tankstellen Schlangen - kilometerlang.
    Wir sind in Apulien, auch hier sind seit gestern morgen die Autobahnzufahrten aus dem Norden gesperrt.

    Die Transportunternehmen stehen am Ende für die Leiden der Italiener generell.

    Alleine in 2011 wurde erhöht:

    Autoversicherungen um 40% (z.B ein Fiat mit 55 PS kostet ca. 800 - 1000 € jährlich nur normale Kaskoversicherung)

    Benzin und Diesel 30% + zusätzliche 11/14 Cent im Dezember dank Monti

    Steuern kosten für besagten kleinen Fiat 430 € jährlich

    Lebensmittel stiegen 2011 um ca. 20%

    Autobahngebühren stiegen um 15%

    usw..


    In Taranto (südlichster Süden) geben bereits die Fischer ihre Lizenzen bei der Hafenmeisterei zurück. Durch zusätzliche Steuern und die hohen Dieselkosten schaffen sie es nicht einmal mehr, mit dem mageren Fang ihre Familien zu ernähren. Sie streiken nicht, sie verweigern sich.
    "Fischt doch selber!" ist ihr Spruch, sie gehen angeln und aufs Feld, melden ihre Kutter ab und sagen, dass sie keine Einahmen haben, also auch keine Kosten - und eben jetzt von der Hand in den Mund leben - wie sie es eh schon tun. Nur, dass sie die Politik nicht mehr mit durchfüttern.

    Besonders schlimm ist die Globalisierung auch für die Fischer zu spüren, denn TK-Fisch aus Tailand und China (aus den Schlammtümpeln) kommt mit großen Schiffen an, kostet die Hälfte und wird gekauft. Weil auch die Bevölkerung es nicht mehr schafft, sich mit dem teureren, frischen Fisch zu versorgen.
    Selbst wer gern würde, es ist nicht mehr machbar, aus Solidarität mehr auszugeben.

    Was hier im Süden noch klappt, ist die Versorgung mit Gemüse und Obst an der Haustür. D.h., dass die Bauern vor ihrem Haus einen kleinen Stand haben, an dem man sich auch ohnen Bezin mit dem Rad versorgen kann.
    Bei uns gab es gestern noch alles im Supermarkt, das wird heute anders aussehen, denn seit gestern morgen wurde nichts mehr geliefert. Aber wir sahen im Vorbeifahren Leute mit vollen Wagen noch bis in den späten Abend hinein. Brot wird es ab heute keines mehr geben in den Märkten, das wurde schon gestern berichtet. Denn hier gibt es jeden Morgen frisches Brot von den Bäckern aus dem Umkreis. Und die haben seit 2 Tagen keine Lieferungen mehr erhalten (Mehl etc.).

    Das Verständnis für die Blockaden ist groß, denn alle leiden.
    Die einhellige Meinung: "Die da oben machen was sie wollen und wir werden ausgequetscht."

    Bisher war es wirklich zu ruhig, das wunderte alle. Doch man sieht - es muss nur einer anfangen, dann schließen sich andere an.
    Da der Italiener an sich heißblütig ist, kann solch ein Streik schnell ausarten.
    Wer sich mit seinem LKW nicht anschließen wollte, musste gestern mit zerstochenen Reifen rechnen.

    Die Taxis sind ein Thema für sich.
    Die Kommunen vergeben Lizenzen, die Taxifahrer halten diese, auch wenn sie aufhören. Die Lizenzen werden nicht zurückgegeben, sondern zu horrenden Preisen verkauft. Zwischen 80.000 bis 200.000 € für eine Taxilizenz zahlten die Fahrer. Meist mit einem Bankkredit.
    Das wurde toleriert von den Kommunen und so bildete sich ein heute als "Schwarz!" beschimpfter Markt, an dem vor allem die Banken sehr gut verdienen.

    Nun sollen die Lizenzen ausgeweitet werden und damit verfällt der Wert, was die Fahrer, welche mit hohem Kredit im Rücken fahren, in Probleme stürzt.
    Darum wird gestreikt - man verlangt vom Staat einen Ausgleich.

    In dem Falle ist die Bevölkerung nicht einverstanden, denn sie sagen sich, dass dieser Kreislauf aus Krediten und Lizenzen der Taxifahrern unter Kollegen so entstanden ist. Es ist zwar eine Schweinerei der Kommunen, die Lizenzen nicht wieder einzuziehen und diesen Schwarzmarkt zuzulassen, aber das geht außer den Taxifahrern eben keinen was an.
    Darum sind sie recht alleine mit ihrem Protest, aber mit den LKW´s zusammen steht nun das Land still.

    Und die Politik?

    Sie stellt sich tot. In Sizilien war bisher kein Politiker zu sehen und zu hören, auch in den sich angeschlossenen Regionen hört man nichts.
    Im TV sagt ab und zu einer der hohen Herren: "So geht das nicht, wir werden das verbieten lassen!" - und das wars.

    Leider ist alles zu verflochten, zu komplex - EU, Globalisierung, die Goldmänner an der Regierung etc., dass manche befürchten, dass sich nichts mehr einfach so lösen lässt, solange die EU als solches besteht.

    Mehrfach am Tag wird über den "Spread" berichtet, den Abstand der italienischen Zinsen auf Staatstitel zu den deutschen Zinsen.
    Damit wird eine Nation erpresst, ("Ihr müsst ruhig und duldsam sein, sonst denken die "Märkte", dass wir unsere Schulden nicht zahlen und der geheiligte Spraed steigt!!"), in Atem gehalten und doch interessiert das keinen.
    Essen muss auf den Tisch und die Kinder brauchen neue Schuhe.

    Bei allem darf man nicht vergessen, dass es in Italien nichts gibt was mit deutschen Sozialleistungen vergleichbar wäre.
    Kein H4, kein Kindergeld, kein Wohngeld...

    Das wars vorerst - ich wünsche allen einen angenehmen Tag und grüße freundlich

    modesto


    edit. wg. Tippfehler

    

    gesamter Thread:

  • NACHRICHTENUEBERBLICK_2012_01_23 - Barbara, 24.01.2012, 00:51

Wandere aus, solange es noch geht.


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