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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    froschgrafik: Verstädterung. Anteil der Stadbewohner an der Gesamtbevölkerung

    verfasst von frosch, 22.01.2012, 15:30

    Was die Chinesen im letzten Jahr erlebten, dass 50 Prozent der Bevölkerung in städtischen und 50 Prozent in ländlichen Gebieten lebten, das erlebten die US-Amerikaner im Jahr 1920, die Briten schon Mitte des 19. Jahrhunderts.
    Für (West)Deutschland von 1965 habe ich folgende Bevölkerungszahlen gefunden:
    In Gemeinden bis 100 Einwohner lebten 3,4%.
    In Gemeinden bis 200 Einwohner lebten 10,7%
    In Gemeinden bis 500 Einwohner lebten 31%
    In Gemeinden bis 1000 Einwohner lebten 55%.

    Nach Berechnungen der UNO leben seit 2008 mehr Menschen der Erde in Städten als auf dem Land. Nach der Prognosen der UNO werden im Jahr 2050 rund 70% der aller Menschen in städtischen Lebensräumen leben.

    In der ganzen Welt gibt es diesen langfristigen Trend zur Verstädterung (Urbanisierung). Siehe die folgende Grafik:

    [image]

    Nach meinem Dafürhalten, ist die Haupttriebfeder dieses Trends die kapitalistische Konkurrenz, die überall die kleinen, selbständigen Bauern ruiniert, von ihrem Grund und Boden trennt und als eigentumslose Lohnarbeiter in die Städte treibt.
    Zunächst scheinen die Auswirkungen dieser globalen Proletarisierung ehemals selbständiger Bauern nur günstig zu sein: Die Arbeitsproduktivität der Landwirtschaft steigt, gleichzeitig sorgt die Wanderungsbewegung in die Städte für einen steten Zustrom billiger und gesunder Arbeitskräfte für Betriebe und Fabriken. Die Zunahme der Elendsviertel und Slums rings um die kapitalistischen Ballungsgebiete werden dabei meist ausgeblendet.

    Das beschleunigte Wirtschaftswachstum Chinas der letzten 30 Jahre ist zum Großteil mit dieser Bevölkerungsbewegung zu erklären. Die sichtbaren Elendsgürtel um die Städte wurden in China mit bürokratischen Mitteln verhindert, indem man jeden offiziellen Wohnortwechsel mit dem Entzug aller Landrechte und aller daran gekoppelten Sozialleistungen in ihrem Heimatdorf bestrafte. Entweder konnte da die ganze Familie umziehen oder keiner.

    Die längerfristigen Wirkungen der weltweiten Verstädterung sind jedoch noch gravierender:
    Wo die Zahl der Bauern ständig verringert wird, reduziert sich die Zahl der Menschen, die das Know-how für Ackerbau und Viehzucht beherrschen. Anderseits steigt durch die intensivierte, kapitalistische Landwirtschaft die Vernutzung des Bodens, der Raubbau an Wasser, Luft und sonstigen Umweltbedingungen.
    Mit der Zahl der Stadtbewohner vermehrt sich die Zahl derjenigen, die nur Zugang zu Nahrung finden über Kauf und Geld.

    Kleine Bauern und Viehzüchter geraten in die Hungerfalle, wenn sie sich zu lange an ihren unproduktiven kleinen Betrieb klammern. Städtische Lohnabhängige müssen hungern, wenn ihr Geldeinkommen versiegt oder nicht mit steigenden Lebensmittelpreisen Schritt hält.
    Ein selbständiger Bauer kann für sich den Hunger hinauszögern. Er kann sein Vieh schlachten und sein Saatgetreide aufessen. Ein Lohnabhängiger kann den Hunger nicht hinausschieben. Ein Tag ohne Geld heißt für ihn einen Tag hungern.

    Die Hungerrevolten des Jahres 2008 waren überwiegend städtisch geprägt. In Zukunft werden wir mehr davon miterleben.

    [image]

    Gruß frosch

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    井底之蛙

    

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  • froschgrafik: Verstädterung. Anteil der Stadbewohner an der Gesamtbevölkerung - frosch, 22.01.2012, 15:30

Wandere aus, solange es noch geht.


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