Das Gelbe Forum Forum nach Zeit sortieren Forum nach letzter Antwort sortieren die 150 neuesten Beiträge
ZITAT »Diese Verschwörer sind aber nicht die Wurzel allen Übels, sondern ausführende Kräfte des Zeitgeistes.«

    Kuendigung, Rueckkauf oder Stillegung einer Kapital-LV?

    verfasst von CrisisMaven Homepage E-Mail, 29.11.2011, 13:25
    (editiert von CrisisMaven, 01.12.2011, 00:07)

    > Ich habe eine KLV mit Laufzeit bis 30.06.2013. Der Rückkaufswert per 31.12.11 beträgt 48.000 €, die voraussichtliche Ablaufleistung 52.500 € (Monatsrate = 100). Ich habe Befürchtungen, dass das System bis dahin nicht durchhält und es evt.zu einer Währungsreform kommt.
    > Frage an die Fachleute: Durchhalten bis 30.06.2013 mit allen Risiken oder kündigen zum 31.12.2011.

    Wenn die Versicherung bereits seit mehr als zwoelf Jahren (1988) laeuft, dann waere eine Kuendigung vor Ablauf steuerunschaedlich (ansonsten bei Ablauf vor 12 bzw. 15 Jahren werden die Steuern auf die Verzinsung erhoben, was je nach persoenlichem Steuersatz (!) im Jahr der Auszahlung teuer werden kann).

    Ich habe unten mal ein paar Saetze aus einer Ausarbeitung von mir einkopiert, dort wird u.a. der Rueckkaufswert u.a. erlaeutert.

    Das Expose entstand vor 2004 bzw. im Zuge der Umstellung auf die nachgelagerte Versteuerung, daher bitte beruecksichtigen, dass es nicht mehr 100%ig aktuell ist - die versicherungs-technischen Ausfuehrungen stimmen jedoch (trotzdem wie immer ohne Gewaehr ...).

    Wichtig ist im geschilderten Zusammenhang:

    a) Wird der Todesfallschutz ggf. benoetigt, um die Familie beim Ausfall eines wesentlichen Einkommenstraegers zu finanzieren (auch an Hypothekenzinsen u.a. denken!). Ist der Todesfallschutz in diesem Zusammenhang deutlich hoeher als der Rueckkaufswert? (Siehe unten ab Abschnitt 3.2.3.8.2 Der Rueckkaufswert). Es gibt z.B. Policen mit doppeltem Todesfallwert oder mit zusaetzlicher Leistung bei Unfalltod etc.

    b) Gibt es einen Schlussueberschuss, d.h. zahlt die Versicherung noch einen erheblichen Zuschlag bei vertragsgemaessem Ablauf? Lohnt sich das dann noch, die Versicherung vorzeitig zu kuendigen, d.h. ja nur dann, wenn man die Risiken des Ausfalls als groesser einschaetzt als den Verlust dieses Ueberschussanteils?

    c) Evtl. im Lichte von b) pruefen, ob nicht ein Ruhenlassen, "Stillegung" besser ist. Nennt sich Beitragsfreistellung und bewirkt, dass ab Wirkungseintritt keine Beitraege/Praemien mehr geleistet werden, der (anteilige!) Schlussueberschuss aber erhalten bleibt.

    Da eine Kapital-LV auf den Zinses-Zinsen der angesammelten Ueberschuesse basiert und in den Restjahren (2012/13) ja kaum noch Zinseszinsen auf das in dieser Zeit neu eingezahlte Kapital anfallen, ist der Verlust nahe null, wenn man dasselbe Geld stattdessen (zwar nicht steuerfrei) weiter getrennt anspart. (Weshalb ich, siehe unten, zumindest frueher stets fuer Beitragsfreistellung bei "alten" LVen plaediert habe, denn deren interne Verzinsung ist in jedem Fall steuerfrei.)

    Beispiel:

    - Kuendigung = Rueckkauf jetzt zum Jahresendee 2011, Ergebnis ca. 52.000 Auszahlung.

    - Bei regulaerem Ablauf aber z.B. Rueckkauf (bis dahin mind. 55.000 Euro) zuzueglich evtl. 10.000 Euro Schlussueberschuss = ca. 65.000 Euro (haengt vom Vertrag ab - Unterlagen pruefen, Versicherer fragen). Die Neu- und Nachberechnung zu den geaenderten Ablaufzahlen bei Beitragsfreistellung koennen i.d.R. die Laptops der Vertreter nicht berechnen, das muss in aller Regel von der Abteilung in der Hauptverwaltung der Gesellschaft gemacht werden, was evtl. knapp wird, sollte Beitragsfreistellung an Fristen vor Jahresende gebunden sein etc.).

    Ergebnis: 10.000 Euro Verlust. Das entspricht einem heftigen Rentabilitaetsverlust, der also nur dann gerechtfertigt ist, wenn man an einen hoeheren Verlust aus anderen Gruenden glaubt. Eine Waehrungsumstellung allein muss ja nichts heissen, wenn, wie beim damaligen Wechsel DM -> Euro "1:1" umgestellt wird (wenn auch von einer Hart- zu einer Weichwaehrung, die auch ital. Lira etc. enthielt).

    Bei allen anderen (z.B. Tarif-) Aenderungen ist aeusserste Vorsicht geboten, eine sog. Novation fuehrt dazu, dass die Steuerbefreiungsfrist von urspr. 12 Jahren neu zu laufen beginnt!!! Siehe auch Kündigung der Lebensversicherung!

    ---------------------------------------------------------

    3.2.3 Lebensversicherungen

    3.2.3.1 Exkurs: Risiko-Lebensversicherung


    Hier unterscheide ich mich von Kollegen Meyer vom Versichertenschutzbund (oder sollte ich sagen: da steht er ziemlich allein da?). Ich halte naemlich nichts von Risiko-Lebensversicherungen (Risiko-LV). Es ist erstens unwahr, dass sie billiger seien (s.u. Punkte 1., 2., und 3.). Denn der Versicherer muss ueber die gesamte Laufzeit das Todesfallrisiko in voller Hoehe tragen. Mit zunehmendem Alter steigt dieses jedoch bekanntlich. Das hat nun folgende preistreibende Konsequenzen:

    1. Je laenger eine Risiko-LV laeuft, desto hoeher (!) ist die jaehrliche Praemie bei gleicher Versicherungssumme. Das liegt daran, dass der Versicherer ja einen ueber die Jahre gleichbleibenden Beitrag kalkuliert, und daher zahlt man in jungen Jahren bereits fuer das erheblich hoehere Sterberisiko, das man dem Versicherer mit 64 Jahren kalkulatorisch bietet. (Soweit logisch?).

    2. Das heisst aber, wenn ich eine auf dreissig Jahre (30jaehriger schliesst bis Endalter 60 ab) kalkulierte Risiko-LV abschliesse, und diese dann -z.B. weil die Kinder aus dem Haus sind, die finanzielle Lage durch Erbschaft besser wurde, oder seitens des heutigen Arbeitgebers eine andere gleichwertige Versicherung besteht, usf.- vorzeitig, etwa nach zehn oder fuenfzehn Jahren aufloese, habe ich zehn, fuenfzehn Jahre lang einen u.U. um hundert Prozent zu hohen Beitrag gezahlt - die Aktionaere des Versicherers freut das. Ein Gutteil der Gewinne der Versicherungs-Aktiengesellschaften kommt aus diesen dann aufzuloesenden Ruecklagen. (Drum kann es Ihnen auch passieren, dass der Versicherer Ihnen nicht gerade vehement hinterherlaeuft, wenn Sie eine Risiko-LV vorzeitig kuendigen - der Normalkunde glaubt dann auch noch, er habe einen besonders charmanten Vertreter und nicht so einen verrufenen ‚Druecker’ ... Trau, schau wem.)

    3. Ein Gutteil der hohen Praemie kommt also daher, dass der Versicherer bis zur letzten Minute das volle Risiko traegt, waehrend das Risiko mit jedem Tag stetig steigt, der Beitrag aber von Anfang an in gleicher Hoehe kalkuliert wurde. Man zahlte also in jungen, risikoarmen Jahren fuer das spaetere, erhoehte Alterssterberisiko.

    3.2.3.2 Die Kapital-Lebensversicherung

    1. Bei einer Kapital-LV ist es umgekehrt! Denn: in den ersten (jungen, d.h. gesunden) Jahren traegt der Versicherer das volle Risiko, je laenger der Vertrag aber laeuft, desto mehr der dann bei vorzeitigem Ableben auszuzahlenden Summe stammt bereits aus den eigenen eingezahlten Kapitalanteilen und Zinsen. Bei Faelligkeit zum vereinbarten Termin schliesslich stammt die gesamte Summe aus den eigenen Ersparnissen, die der Versicherer (wenn er was taugt), sehr gewinnbringend angelegt hat.

    2. Bei der Kapital-LV ist also die Todesfall-Absicherung aus zwei Gruenden billiger:

    a. Von Anfang an ist die ueber die Jahre gemittelte Risikopraemie geringer, weil das Risiko mit jedem Jahr nicht nur linear faellt, sondern insbesondere in den Jahren mit den hoeheren Sterbewahrscheinlichkeiten,die sich also ueberproportional auf einen lineraren Anfangs-Beitrag auswirken wuerden, schrittweise ganz (!) wegfaellt.

    b. Und drittens sogar darf man zudem davon ausgehen, dass das Betrugsrisiko bei einer Kapital-LV geringer ist, denn wer die Versicherung ausnehmen will, der zahlt nur den geringstmoeglichen Beitrag, waehlt also eine Risiko-LV, moeglichst noch mit kurzer Laufzeit (fuenf Jahre). Jede der Versicherungsarten (d.h. jeder 'Tarif') bildet aber einen eigenen Abrechnungsverband, so dass diese Risiken nur von denen getragen werden, die genau den Tarif mit der gleichen Bezeichnung gewaehlt haben. Wer also einen Tarif waehlt, der ueberdurchschnittlich viele Versicherungsbetrueger anlockt, zahlt fuer diese natuerlich mit.
    Und noch etwas: LV-Vergleiche hinken meist, darum sollte man mich erst fragen bevor man etwas unterschreibt. (Der Autor kann auf Nachfrage entsprechende weitere Hinweise geben.)

    Achtung: Wichtige Aenderung! Mit dem Alterseinkuenftegesetz hat die Bundesregierung beschlossen, dass der Ertrag (Zinsen) von nach dem 01. Januar 2005 abgeschlossenen privaten Renten- oder Lebensversicherungen zur Haelfte mit dem eigenen Steuersatz versteuert werden muss. Das bedeutet: wenn ich eine Lebensversicherung mit geringem Ertragsanteil habe (z.B. weil sie nur zwoelf Jahre laeuft) und auch einen niedrigen Steuersatz habe (weil mein gesamtes sonstiges Einkommen niedrig ist), dann ist auch die Steuerlast vielleicht noch ertraeglich. Wenn aber eine Versicherung z.B. im Alter von 20 Jahren abgeschlossen wird und bis Endalter 65, d.h. 45 Jahre lang laeuft, dann ist durch die enormen Zinsen und Zinseszinsen natuerlich auch ein hoher Ertrag zu erwarten. Nehmen wir an, die Auszahlung erfolgt mit 65 Jahren, sagen wir, Sie erhielten dann 300.000 EURO. Darin sind aber vielleicht nur 100.000 EURO Beitraege enthalten, die restlichen 200.000 EURO dagegen seien die in den 45 Jahren angefallenen Ertraege. Nehmen wir auch an, mit 65, in Ihrem letzten Berufsjahr, verdienen Sie viel Geld, weil Sie am Ende einer erfolgreichen Karriere stehen. Sagen wir also, Sie haetten daher in Ihrem 65. Lebensjahr 50% Steuersatz. Dann bedeutet dies: haetten Sie die Versicherung damals noch am 31. Dezember 2004 abgeschlossen, so erhielten Sie die vollen 300.000 EURO ausgezahlt, haben Sie sie dagegen nur einen Tag spaeter, am 01. Januar 2005 abgeschlossen, so zieht Ihnen (unter den gewaehlten Voraussetzungen) das Finanzamt nun die Haelfte des Ertragsanteils an Steuern ab, und Sie erhalten statt 300.000 EURO nur noch … 200.000 EURO ausgezahlt. Noch viel krasser ist das, wenn Sie bereits fuer Kinder Lebens- oder Rentenversicherungen abgeschlossen haben: die laufen im Extremfall 60, 65 oder gar 70 Jahre und die Auszahlungssume besteht daher ueberwiegend aus Zinseszinsen … und entsprechend koennte das schon nach heutigem Recht bedeuten, dass eine erst nach Ende 2004 abgeschlossene Lebens- oder Rentenversicherung fuer ein Kind unter den gemachten Annahmen dann nur noch die Haelfte wert ist - bei gleich hohen Beitraegen!!!

    3.2.3.3 Exkurs: Zur LV-Vertragsgestaltung

    Es gibt Vertraege 'auf verbundene Leben', d.h. fuer -i.d.R.- zwei Ehegatten. Egal wer von beiden zuerst stirbt, der andere erhaelt dann die vereinbarte Summe. Ich halte davon wenig, erstens weil (s.o., Abschnitt 3.2.3.2 „Die Kapital-Lebensversicherung“, Punkt 3.b) die Abrechnungsverbaende kleiner sind, d.h. keine so grosse Risiko-Streuung vorliegt (das ist aber ein rein technisches Problem und im Einzelfall schwer nachzuweisen). Machen wir uns aber nichts vor: Ehen koennen kaputt gehen - und dann bleibt eigentlich nur Aufloesung oder Stillegung eines solchen Vertrages; in jedem Fall (auch bei der blossen Stillegung, s.u. Abschnitt 3.2.3.8.3 „Beitragsfreistellung“) ist das mit mehr oder minder grossen Einbussen erkauft.
    Zudem kann man getrennte Vertraege flexibler gestalten, z.B. je nachdem, wer gerade der groessere Verdiener ist, nur den einen aussetzen, und den andern weiterfuehren usw., also grob gesagt, den Versicherungsschutz ohne allzu grosse Verluste jeweils dem gerade biographisch sich wandelnden Risiko anpassen. Das ist ein eigenes Themengebiet, ueber das im Uebrigen in der Laienwelt noch weniger bekannt ist als ueber die Versicherungen ueberhaupt, lernt doch der durchschnittliche Versicherungsvertreter nur, wie man eine abschliesst, mit dem restlichen Wissen laesst sich ja auch kaum etwas verdienen. Die einzige Anpassung, die die meisten kennen, ist die Dynamisierung.

    3.2.3.4 Die Optimierungsmoeglichkeiten der Lebens- bzw. Rentenversicherung

    Nun ist es, wie jeder aus der Zinsrechnung weiss, so, dass die Praemien, die ich am Ende in eine Versicherung oder einen Sparplan einzahle, sich kaum noch auf die Ablaufleistung auswirken, denn sie erwirtschaften kaum noch Zinseszinsen.

    Es ist also eigentlich unsinnig, in einen Versicherungsvertrag, der zum 65. Lebensjahr ausgezahlt werden soll, noch mit 62 Jahren einzuzahlen. Und wenn ich mir's recht ueberlege, auch schon mit 61, und wenn ich mir's noch rechter ueberlege ... und so weiter.

    Was heisst denn das nun wieder?

    Ganz einfach: Von der Verzinsung her waere es am besten, man zahlte einen Einmalbeitrag ein und ist das ganze Problem los. Die eigenen Kinder haetten so z.B. ihre Altersversorgung schon. Denn das, was Sie jetzt einzahlen muessen, ist laecherlich gering gegenueber dem, was nach 65 oder 50 Jahren 'Aufschubzeit' an Rente oder Kapitalsumme herauskommt. Fuer jetzt 5.000 EURO eine lebenslange Rente von 3.000 EURO oder so aehnlich, je nach Geschlecht, Versicherer und Tarif, das kriegt man so billig nie mehr wieder (das ganze hat auch noch steuerliche Aspekte - dazu weiter unten 3.2.3.4.1 „Die steuerlichen Aspekte“).

    Beginnen die Kinder dagegen erst mit knapp dreissig Jahren einzuzahlen, wenn also der eigene Verdienst endlich mal fuer eine Ruecklagenbildung reicht, Beitraege ein, dann muessten sie ein Vielfaches aufbringen.

    Nun hat der Gesetzgeber dem Einmalbeitrag zwar einen formalen Riegel vorgeschoben, d.h. er erlaubt nur eine Mindest-Beitragszahlungsdauer von fuenf Jahren oder beliebig laenger, aber das ist kein Problem. Entweder man legt die Beitraege in einem verzinslichen Beitragsdepot an, aus dem der Versicherer sie dann ueber fuenf Jahre verteilt abbucht, oder man zahlt selbst -falls man meint, bessere Zinsen zu kriegen als der Versicherer bietet, oder weil man das Geld nicht gleich zu Anfang hat- die Beitraege fuenf Jahre lang ein (und zwar am besten als Jahresbetrag und nicht monatlich, auch das bringt Zinsen). 'Fire and forget' sagt man in der modernen Militaerstrategie zu den intelligenten Lenkwaffen. Genauso muss es m.E. bei Altersvorsorge sein. Man muss sie immer dann zuruecklegen, wenn man es gerade kann, und dann sich nicht mehr drum kuemmern (muessen).

    3.2.3.4.1 Die steuerlichen Aspekte

    (Ab 1.1.2005: halber Etragsanteil wird besteuert, siehe Exkurs oben)

    Mehrmals schon wurde versucht, das Steuerprivileg fuer Renten- und Lebensversicherungen abzuschaffen. Bei den Riester-Vertraegen gibt es schon durch die Hintertuer eine verkappte Vollbesteuerung (Riester-Rente ist im Uebrigen meiner Meinung nach Quatsch, bloss Finger weg! Wer sie im Ausland geniessen will, muss alle Foerdergelder zurueckzahlen. Zudem sind die Vertraege mit durch die Rentenbuerokratie bedingten hoeheren Verwaltungskosten ueberfrachtet, die die Verzinsung deutlich druecken.)
    Solange es aber noch eine Steuerbefreiung gibt, sollte man um Himmels willen soviel in solche Vertraege zahlen wie nur moeglich, denn: Altvertraege werden garantiert nicht angegriffen, das waere verfassungswidrig - das im Uebrigen auch der zweite Grund fuer den Abschluss von Kinder-Renten- und Lebensversicherungen in groesstmoeglicher Hoehe. Viele Menschen gehoeren Einkommensgruppen an, bei denen die Zinsfreistellung i.d.R. irgendwann ausgereizt ist - ohnehin ist sie schon halbiert worden und wer weiss, wann sie ganz wegfaellt. Die Zinsen in den Lebens- und Rentenversicherungen bleiben dagegen stets unversteuert, wenn der Vertrag wenigstens zwoelf Jahre land durchgefuehrt wurde und die Beitraege mindestens ueber fuenf Jahre lang verteilt eingezahlt wurden.

    Alle Ertraege aus den genannten Versicherungsarten, wenn seit dem Abschluss oder einer Vertragsaenderung (terminus technicus: 'Novation') mindestens zwoelf Jahre vergangen sind, sind steuerfrei, d.h. auch bei vorzeitiger Aufloesung (nach mind. 12 Jahren).

    Weiterhin: mit dem Abschluss solcher Vertraege sichere ich mir zwar die Chance, sie steuerfrei zu Ende zu fuehren, aber ich kann sie dennoch vorzeitig (jederzeit!) aufloesen, wenn ich das Geld doch dringend brauche - also gerade so, wie bei einem Sparvertrag, Fondssparen usw.
    Nun sagt Versicherungsschuetzer Meyer ja (wenn ich's recht weiss), man solle Risiko-LV mit anderen herkoemmlichen Geldanlagen kombinieren. Auch andere Verbraucherschuetzer propagieren dies.

    3.2.3.4.1.1 Vergleich Risiko-LV mit Sparplan und Kapital-LV

    Rechnen wir mal: nehmen wir an, dass ein Lebensversicherer unser Geld genausogut anlegt, wie wir es bei der Bank geschafft haetten, dann haben wir doch folgenden Fall:

    i. fuer die Risiko-LV zahlen wir ueber die gesamte Laufzeit einen 'ueberhoehten' Beitrag, von dem wir zudem bei vorzeitiger Aufloesung anteilig mehr verlieren als bei der wie geschildert sinkenden Risikopraemie, die in der Kalkulation der Kapital-LV enthalten ist (siehe oben, Abschnitt 3.2.3.1 „Exkurs: Risiko-Lebensversicherung“);

    ii. auf die Ertraege des Sparplans aber zahlen wir -wenn die ZASt-Freistellung ausgeschoepft ist- im Gegensatz zur Lebensversicherung Steuern, fuer die wir keinerlei sichtbare Gegenleistung erhalten.

    Denken wir nun zwei Faelle theoretisch durch:
    - Kunde A hat eine Kapital-LV,
    - Kunde B eine Risiko-LV und parallel dazu den beruehmten Sparplan.

    1. Fall A: Beide muessen nach sechs Jahren an das Geld 'ran.
    Kunde A kriegt seine LV ausgezahlt, minus der Provision und sonstigen Verwaltungskosten, und zahlt die Steuern nach, die innerhalb der 6 Jahre bei einem aehnlich hohen und aehnlich verzinsten Sparplan angefallen waeren. Kunde B loest seinen Sparplan und seine Risiko-LV auf (die Steuern hat er schon 'along the way' gezahlt), er kriegt jetzt also alles netto, das ist zwar rechnerisch weniger, aber wenn Kunde A mit dem Versteuern fertig ist, haben beide genau gleich viel ... aber nein, Kunde B hat ja keine Provision und Verwaltungskosten vorentrichtet. Wer verkauft hier eigentlich wen fuer dumm? Haben Banken keine Verwaltungskosten? Zahlen sie den Vermittlern Ihrer Produkte keine Provisionen? Nein, der Unterschied liegt allein in der absoluten Hoehe. Es gibt Versicherer, die mehr nehmen, als die billigste Bank, und es gibt Banken, die mehr nehmen als der guenstigste Versicherer. Kochen tun sie dagegen alle mit Wasser.

    2. Wer hat jetzt -unter der Voraussetzung absolut gleicher Rendite, d.h. gleicher effektiver Verzinsung und gleicher Steuersaetze- mehr in der Tasche? Kunde A mit seiner Kapital-LV natuerlich, denn er hat von Anfang an in seiner (Kapital-) LV die geringere Risiko-Praemie bei gleicher Todesfall-Absicherung eingezahlt, da blieb mehr fuer die Verzinsung des Kapitals uebrig. Nun kann man einwenden, dass bei Tod Kunde A in der Summe weniger hinterlassen haette als Kunde B, denn letzterer hat ja die volle Risikosumme hinterlassen zuzueglich des im Sparplan bereits angesparten Kapitals. Dennoch kann das nicht mehr sein unter den genannten Voraussetzungen, denn der eingesparte Risiko-Betrag des Kunden A wurde ja ebenfalls verzinslich angelegt - aber alles steuerfrei, solange nichts angetastet werden musste. Man sieht also sofort, dass zumindest nach zwoelf Jahren Kunde A auch bei vorzeitiger Aufloesung wesentlich besser dasteht, denn er kann ueber Kapital plus Zinsen steuerfrei verfuegen (und die ersparten Steuern haben waehrend der zwoelf Jahre ihrerseits noch -steuerfreie!!!- Zinsen abgeworfen, waehrend Kunde B jedes Jahr Steuern abfuehrte, also deutlich weniger (im Extremfall 50% [!] weniger) ansparen konnte.

    3. Das dicke Ende kommt aber erst noch: irgendwann sterben wir alle. Um das Beispiel moeglichst aussagekraeftig zu machen, gehen wir mal davon aus, dass beide Kunden mit ihren beabsichtigten Erben 'nicht verwandt und nicht verschwaegert' sind. Das ist heute der haeufigste Fall, denn die nichtehelichen Lebensgemeinschaften sind heute in der Mehrzahl, und der/die Lebensgefaehrtin ist "Dritte(r)" im Sinne des Erbschaftssteuergesetzes, d.h. bis auf laeppische Freibetraege muss alles Erlangte versteuert werden.

    4. Das bedeutet nun (gehen wir mal von dem renditemaessig optimalen Fall aus): Kunde A und Kunde B haben die absolut gleichen Lebensverhaeltnisse. Beide versterben kurz vor Erreichen des Rentenalters. Ihre Lebensgefaehrtinnen sind Alleinerbinnen; die Hinterlassenschaft besteht allein aus Kapital-LV (Kunde A) bzw. Risiko-LV und Sparvertrag (Kunde B).

    5. Kunde As Lebensgefaehrtin 'erbt': die Kapital-LV-Versicherungssumme inkl. aller Ueberschussanteile als Versicherungsleistung „auf den Todesfall“ des Herrn A. Das ist aber gar kein Erbe (Versicherungsleistungen fallen nicht ins Erbe). Sie zahlt also Null Erbschaftssteuer und kassiert alles steuerfrei. Lebensgefaehrtin B erhaelt dagegen die Risiko-LV-Summe und den Sparplan.

    6. Die Risiko-LV enthaelt keine Ueberschussanteile, der Sparplan dagegen ist durch die laufende Besteuerung der Zinsen um seinen 'Ueberschussanteil' ohnehin teilweise betrogen worden. Auf den Sparplan zahlt die Lebensgefaehrtin (ab einem Freibetrag fuer Nicht-Verwandte von, glaube ich, 10.000 EURO) progressiv steigende Erbschaftssteuer, bei 250.000 EURO schon eine ganze Menge. Wenn man das genau nachrechnet (was wegen unvergleichbarer Tarife aber sehr schwierig ist), wird man finden, dass die Kombination Risiko-LV und Sparplan (schon wegen der Ansparsteuerbelastung) bereits unter Verwandten nachteilig ist, aber unter 'Fremden' (also z.B. unverheirateten Lebenspartnern) jedenfalls zum Drauflagegeschaeft wird.

    7. Aber wenn der Versicherte B erst nach Erreichen des Rentenalters stirbt, wird's noch schlechter: Nun zahlen zwar beide Lebensgefaehrtinnen Erbschaftssteuer, aber die von Kunde A hat einen wesentlich hoeheren Betrag zu versteuern, behaelt also auch mehr uebrig. Bei Kunde B hingegen ist die Risiko-LV nun ausgelaufen und 'er' zahlt zwar keinen Beitrag mehr, sie erhaelt aber auch nichts. Das Geld aus dem Sparplan dagegen ist aufgrund der geschilderten Ursachen garantiert geringer als die Ablaufsumme der Kapital-LV. Hielten nun beide an den jeweiligen Investitions-Strategien Ihrer Erblasser fest, also Lebensgefaehrtin A eifert ihrem Vorbild nach und entscheidet sich wieder fuer eine Versicherungsform (diesmal eine Rentenversicherung), Lebensgefaehrtin B dagegen fuehrt den Sparplan etwa in dem Sinne weiter, dass sie sich nur die Zinsen auszahlen laesst oder dass sie ihn sich „verrenten“ laesst, aber nicht von einem Versicherer, sondern von der Bank, so driften beide noch weiter auseinander. Beide haben einen sog. Altersentlastungsbetrag zusaetzlich zu ihren andern Einkommensteuer-Freibetraegen, aber fuer alle darueber hinaus erwirtschafteten Ertraege zahlt Lebensgefaehrtin B nun auf 100% des Betrages die Steuern, Lebensgefaehrtin A dagegen nur auf den sog. 'Ertragsanteil' - und der betraegt bei 65 jaehrigen 28%, oder anders ausgedrueckt: fast dreiviertel der Ertraege aus einer privaten Rentenversicherungen von 65jaehrigen sind steuerfrei.

    8. Aber auch hier wieder haben wir Lebensgefaehrtin und Kunden A duemmer handeln lassen, als es ihrem waehrend dreissig oder mehr Jahren gezeigten versicherungsbewussten Verhalten entspricht. Selbstverstaendlich hat Kunde A sich noch genauer informiert und bereits mit dreissig nicht einen Kapital-LV-Vertrag mit starrem Ablauf, sondern mit flexiblem Ablauf gewaehlt. Nun kann er waehlen, wann er das Geld 'abhebt' - bis zum 70. Geburtstag jedenfalls kann er es noch hinausschieben, bei einer etwas weniger bekannten Versicherungsform gar bis zum 99. Lebensjahr - die ganze Zeit sind dabei die Zinsen steuerfrei. Und hat er es noch nicht abgehoben, und stirbt z.B. mit 68 Jahren bei noch laufendem Kapital-LV-Vertrag so erhaelt seine Lebensgefaehrtin A wiederum alles steuerfrei - denn sie bekommt ja eine Lebensversicherungs-Summe ausgezahlt; Lebensgefaehrtin B hingegen muss den dann geerbten Sparvertrag wieder (erbschafts-) versteuern wie schon mehrmals dargelegt.

    9. Nehmen wir an, Kunde A hat einen Vertrag, der mit Endalter 70 eine Million EURO abwirft, dann kann er mit 60 vorzeitig steuerfrei ueber ca. 500.000 EURO verfuegen (bei unterstellter 7%iger Verzinsung). Verfuegt er mit 60, zahlt er fuer ca. fuer 33% der daraus resultierenden Rente Steuern, verfuegt er erst mit 70 darueber und legt den Einmalbeitrag in eine Rentversicherung ein, so zahlt er nur noch fuer 23% der daraus resultierende Rente Steuern (fuer jedes Jahr spaeter faellt der noch zu versteuernde Ertragsanteil um 1%). Und in diesen zehn Jahren hat er das Kapital um 500.000 EURO steuerfrei verdoppelt. Kunde B dagegen haette fuer diesen Wertzuwachs gut und gerne die Haelfte an Einkommensteuer beim Fiskus abgeliefert.

    10. Hat Kunde A nun noch nicht ueber die Versicherung verfuegt, und stirbt er mit knapp 70, erhaelt die Lebensgefaehrtin sage und schreibe eine Million EURO erbschafts- und einkommensteuerfrei, Lebensgefaehrtin B dagegen erhaelt wegen der laufenden Versteuerung des Sparplanes nicht nur ohnehin erheblich weniger, nein, sie muss dann fuer das wenigere auch noch Erbschaftssteuer zahlen.

    3.2.3.5 Sonderformen der Risiko-LV

    Wir wollen nicht verschweigen, dass es auch bei manchen Versicherern noch die Moeglichkeit gibt, eine Risiko-LV mit fallender Summe abzuschliessen, d.h. am Anfang, wenn der eigene Vermoegensaufbau noch in den Kinderschuhen steckt, zahlt sie im Todesfall viel, dann jedes Jahr weniger, waehrend man anderweitig (Sparplan) das fehlende Vermoegen aufgebaut hat. Entsprechend deutlich guenstiger ist natuerlich auch der Beitrag. Aber auch hier gilt immer noch das oben bereits Gesagte: fuer die Altersrisiken zahlt man von Anfang an ueberproportional mit und wenn man den Vertrag vorzeitig aufloest, bleibt das Geld weg - andererseits geht man aber parallel die steuerlichen Risiken beim nicht steuerbefreiten Sparplan ein, die den Gesamtertrag deutlich mildern.

    Warum ich das so ausfuehrlich schreibe (schliesslich haben wir wichtigeres zu tun, koennte man meinen). Nein, es lehrt die Erfahrung, dass es nur mit der Verkuendung "ah, hm, also die und die Versicherung brauche ich" nicht getan ist, man muss im Gegenteil auch noch ein Problembewusstsein dafuer haben, dass das Ganze ueber Jahrzehnte hinaus zu ueberblicken noch wesentlich komplizierter ist. Darum auch (ich habe mich Mitte der achtziger Jahre mal mit einem Vorstand der damals noch jungen COSMOS Versicherung unterhalten) haben die am Markt praesenten Versicherer, die also mit viel Aufwand werben, in der Werbung nur 08/15-Produkte, denn, wie jener Vorstand sagte "beratungsintensive Produkte kann man nicht im Massengeschaeft bewerben und auch nicht im Telefongeschaeft vertreiben". Wenn ein Standard-Produkt zufaellig passt - schoen und gut, wenn aber nicht, dann kann das ueber dreissig, vierzig, manchmal fuenfzig Jahre und mehr ein Fehler mit hunderttausenden Euro Folgen sein.

    3.2.3.6 Sonderform Direktversicherung

    Eines vorweg: eine Direktversicherung heisst allein deshalb so, weil der jeweilige Arbeitgeber den Beitrag (im Versicherungs-Sprachgebrauch „Praemie“ genannt) direkt an den Versicherer zahlt. Ansonsten unterscheidet sich eine Direktversicherung nicht von einer anderen Versicherung, die man stattdessen selbst bezahlt.

    Was ist der Vorteil davon, dass der Arbeitgeber den Beitrag direkt bezahlt? Warum nicht einfach dem Angestellten das Geld mit dem Gehalt ausbezahlen, und der Mitarbeiter selbst zahlt dann an die Versicherung? Nun, unser Steuergesetzgeber hat gemeint, es etwas komplizierter machen zu muessen: wuerde das Geld an den Mitarbeiter ausgezahlt (mit anderen Worten: waere dessen Gehalt einfach um diesen Betrag hoeher), so muesste der Mitarbeiter diesen Zusatzbetrag mit seinem individuellen Steuersatz versteuern. Hat der Mitarbeiter dagegen eine Direktversicherung abgeschlossen, so wird das Geld bereits vom Arbeitgeber einbehalten und direkt an den vom Mitarbeiter gewaehlten Versicherer abgefuehrt. Dann aber verlangt der Staat nur einen pauschalierten Steuersatz in Hoehe von derzeit 25% (aehnlich wie bei den ‚geringfuegig Beschaeftigten’ mit ihrer Pauschalversteuerung), und das ist in der Regel deutlich weniger, als der Angestellte auf den Rest seines Gehaltes zahlen muss.

    Der Vorteil einer Direktversicherung liegt also allein darin, dass die Beitragszahlung selbst mit einem beguenstigten Steuersatz abgerechnet wird, oder anders ausgedrueckt: wer hundert Mark in eine Direktversicherung einzahlt, erhaelt vom Versicherer genau die gleiche Gegenleistung, wie derjenige, der die gleichen hundert Mark aus der eigenen Tasche in die selbe Versicherung eingezahlt haette. Hundert Mark sind nun mal hundert Mark (mit wenigen Ausnahmen - ueber einige Rabattierungsmoeglichkeiten speziell im Direktversicherungsbereich weiter unten).

    Aber: wer das Geld aus seinem versteuerten Gehalt entnimmt, hat bei einem Steuersatz von 50% vorher 200 DM verdienen muessen, um sich die 100 DM Beitrag leisten zu koennen, hat er dagegen Gebrauch von der Direktversicherung gemacht, so hat er nur ca. 150 DM aufwenden muessen, um die gleichen 100 DM Beitrag einzahlen zu koennen. Halten wir also fest: Direktversicherung ist ein Steuerspar-Modell hinsichtlich der Beitragszahlung, der Versicherungsvertrag in seinen inneren Mechanismen selbst wird davon nicht beruehrt.

    Und hier liegt auch schon der eigentliche Punkt dieser Abhandlung: welche Versicherung man waehlt, ist bei der Direktversicherung von genauso entscheidender Bedeutung wie bei jedem anderen Geschaeft, das man taetigt, auch.

    In den Kreis der Direktversicherungen hat der Gesetzgeber ausschliesslich Personenversicherungen aufgenommen. Erinnern wir uns: Versicherungsnehmer und Beitragszahler fallen bei der Direktversicherung auseinander, ansonsten aber ist das ein ganz normaler Versicherungsvertrag. Bei Lebensversicherungen (um nur ein Beispiel zu nennen - zu anderen alternativen Direktversicherungsformen sage ich weiter unten noch was) gibt es jedoch noch mehr Vertragsbeteiligte bzw. Betroffene: mindestens noch die versicherte Person und den oder die Beguenstigte(n). Versicherte Person, also die Person, die sterben muss, um das Geld locker zu machen, koennen Sie sein, es kann aber auch jemand anderes sein. Wenn Sie fuer eine Familie sorgen muessen, und der Ausfall Ihres Gehalts gefaehrdet deren Wohlstand, dann kann es sinnvoll sein, Ihr Leben zu versichern. Aber auch der umgekehrte Fall ist denkbar: wenn Ihre Frau ausfaellt, muessen Sie entweder den Beruf aufgeben, um sich selbst um die Kinder zu kuemmern, oder aber Ersatz bezahlen; vielleicht koennen Sie das mit Ihrem Gehalt nicht. Dann waere es besser gewesen, die Versicherung auf Ihre Frau abzuschliessen. Leider greift hier wieder das schon oben Erwaehnte: eine Versicherung, gar schon eine Lebensversicherung, moechte man lieber nicht brauchen. Also durchdenkt man auch am liebsten gar nicht erst die makaberen Fallgestaltungen, die die Versicherung ueberhaupt erst sinnvoll machen. Und wenn es zu spaet ist, kann man den Vetrag nicht mehr aendern ...

    Beleuchten wir erst einmal, welche Versicherungsarten als Direktversicherung infrage kommen. Der Gesetzgeber hat hier einige Vorgaben gemacht. Eine Hundehalter-Haftpflichtversicherung oder eine Sportbootversicherung wollte er nicht steuerlich beguenstigen. Aber er hat auch nicht vorgegeben, dass es nur eine Lebensversicherung sein darf, vielmehr hat er nur einen groben Rahmen abgesteckt, innerhalb dessen der Versicherte frei waehlen kann.

    Genau diese Wahl hat es aber in sich. Das wird dem einzelnen Versicherten bloss meist nicht bewusst, weil er es haeufig mit nur einem oder einigen wenigen Angeboten zu tun hat. Wie kommt das? Warum waehlt jemand sein Auto unter Hunderten von Modellen aus, seine Versicherung aber nur unter wenigen, wenn er ueberhaupt waehlt? Ich vermute, weil er taeglich auf der Strasse sovielen Autos begegnet, die sich sichtbar voneinander unterscheiden, dass er gar nicht umhin kann, sich Gedanken ueber seine Wahlmoeglichkeiten zu machen. Auch faehrt er beinahe taeglich in seinem Auto und weiss darum sehr gut Bescheid ueber dessen Vor- und auch Nachteile. Und er wechselt womoeglich alle paar Jahre sein Auto, d.h. er hat Anlass, sich waehrend der Gebrauchsdauer des jetzigen Autos Gedanken darueber zu machen, welches er als naechstes kauft (und auch wenn er das gleiche wieder kauft - das ist und bleibt eine recht bewusste Entscheidung!). Seine Versicherung dagegen laeuft entweder automatisch von Jahr zu Jahr oder sie ist gar von vornherein ueber Jahrzehnte abgeschlossen worden - da geraet sie leicht in Vergessenheit.
    Hinzu kommt noch etwas: ein Auto kauft man, um es zu (ge)brauchen, die meisten Arten von Versicherungen sind dagegen dazu da, dass man sie moeglichst nicht brauchen sollte. Ein Auto ist einem also solange zu Diensten, wie man keinen Schaden hat, die meisten Versicherungen umgekehrt nur dann, wenn ein Schadensfall eintritt.

    Vielleicht kann man es so formulieren: ein Auto sieht und fuehlt man - eine Versicherung kann man nicht fuehlen. Allem, was man nicht intuitiv und gefuehlsmaessig erfassen kann, muss man sich gedanklich naehern, und das soll Ihnen dieser Beitrag ermoeglichen.

    3.2.3.7 Die Arten der Direktversicherung

    Wie schon angedeutet, ist der Direktversicherungsvertrag ein Vertrag wie jeder andere individuelle Versicherungsvertrag auch, d.h. der Versicherungsnehmer (nicht sein Arbeitgeber) waehlt die Versicherung aus, schliesst den Vertrag ab usw. (manche Arbeitgeber allerdings engen die Wahlmoeglichkeiten ihrer MitarbeiterInnen ein - vielleicht weil der Chef an der jeweiligen Provision mitverdient). Der einzige Unterschied ist der, dass der Beitrag, sein Beitrag, vom seinem Arbeitgeber direkt an den Versicherer gezahlt wird, um in den Genuss der geringeren Steuerbelastung fuer diesen speziellen Gehaltsteil zu kommen.

    Der Gesetzgeber hat folgende Wahlmoeglichkeiten unter den Versicherungsarten zugelassen: Lebensversicherung, Rentenversicherung und neuerdings die Berufsunfaehigkeitsversicherung. Eine Rentenversicherung kann uebrigens fuer all jene interessant sein, die aus gesundheitlichen Gruenden nicht mehr in der LV versichert werden koennen und/oder die garantiert keine Hinterbliebenen oder sonst wirtschaftlich Abhaengigen haben, fuer die eine Todesfallabsicherung sinnvoll waere. Der aus der LV ersparte Risikozuschlag kommt somit der spaeter hoeheren Rente zugute - im vorzeitigen Todesfall dagegen werden nur die .

    3.2.3.7.1 Gehaltsumwandlung

    Wenn uebrigens ein Arbeitgeber nicht von sich aus eine Direktversicherung bezahlt (was er genau genommen auch gar nicht tut, er behaelt nur einen Teil des Gehaltes ein bzw. nennt diesen Teil anders), dann kann auch der Angestellte selbst das in die Wege leiten: er geht einfach zum Chef und sagt: „ab naechsten ersten moechte ich, dass Sie xxx EURO nicht mehr an mich, sondern an die yyy-Versicherung direkt ueberweisen“ - das nennt man dann Gehaltsumwandlung. In jedem Fall ist das Gesamt-Nettoeinkommen (bei weiterhin gleichem Brutto-Einkommen) danach hoeher, da der umgewandelte Gehaltsteil ja nun steuerbeguenstigt ist. Man kann nur nicht (vor Ablauf von zwoelf Jahren) steuerfrei ueber den zurueckgelegten Gehaltsanteil verfuegen.

    3.2.3.8 Was sollte man noch von der Lebensversicherung wissen?

    Die nachfolgenden Abschnitte treffen im Wesentlichen auch auf die (private) Rentenversicherung zu, zumindest, wenn man sich die Todesfall-Versicherungssumme wegdenkt.

    3.2.3.8.1 Der beguenstigte Personenkreis

    Bei Lebensversicherungen unterscheidet man zwischen dem Todesfall und dem Erlebensfall. Wenn Sie mit dreissig Jahren eine Lebensversicherung mit dreissig Jahren Laufzeit abschliessen, und Sie erreichen wohlbehalten das sechzigste Lebensjahr, dann spricht man vom Erlebensfall. Hat sich in der Versicherung Geld angesammelt, dann erhalten Sie es ausgezahlt, es sei denn, Sie haben auch fuer diesen Fall jemand anderes als Beguenstigten eingesetzt, oder das Geld an jemanden abgetreten, z.B. eine Bank - doch davon spaeter.
    Segnen Sie jedoch vor Ablauf des Vertrags das Zeitliche, dann erhaelt das Geld der oder die Beguenstigte, auch Bezugsberechtigte(r) genannt („Der Sarg klappt zu, die Witwe kichert - der Alte war Allianz-versichert“ ...). Haben Sie keine(n) Bezugsberechtigte(n) benannt, oder ist dieser weggefallen (z.B. bei der haeufig ueblichen Formulierung „Ehegatte in bestehender Ehe“ nach Scheidung, vor erneuter Wiederverheiratung), so faellt das Geld unter den gesetzlichen Erbgang - ansonsten nicht!

    Sie koennen auch eine(n) unwiderrufliche(n) Bezugsberechtigte(n) ernennen - dann koennen Sie allerdings ohne dessen/deren Zustimmung das Bezugsrecht nicht mehr aendern - andererseits ist der Rueckkaufswert der Versicherung (bei Ihnen) u.U. nicht pfaendbar, denn er gehoert ja nicht mehr Ihnen (falls auch fuer den Erlebensfall die Beguenstigung ausgesprochen wurde, dafuer kann er dann u.U. ploetzlich weg sein, weil der Beguenstigte gepfaendet wird).

    3.2.3.8.2 Der Rueckkaufswert

    Rueckkaufswert nennt man uebrigens die Summe, die bei vorzeitiger Aufloesung des Vertrages ausgezahlt wuerde. Er ist bei vielen Versicherern deutlich niedriger als der wahre Wert der Police, d.h. als der Betrag, der im Versicherungsfall zum genau gleichen Zeitpunkt gezahlt worden waere. Der Rueckkaufswert spielt z.B. eine Rolle bei der Beleihung einer Lebensversicherung. Warum beleiht jemand seine Lebensversicherung? Nun, wenn er Geld braucht (z.B., um ein Haus zu kaufen), aber seine Lebensversicherung nicht aufloesen moechte, weil er im vorgerueckten Lebensalter zu so guenstigen Bedingungen nie mehr eine Lebensversicherung abschliessen koennte - im uebrigen kann das Aufloesen einer Lebensversicherung im Einzelfall die bessere Methode sein, der Regelfall ist das aber nicht.

    3.2.3.8.3 Beitragsfreistellung

    Die dritte Alternative (gegenueber Aufloesung oder Beleihung der Lebensversicherung) heisst uebrigens „Beitragsfreistellung“. Damit vermeidet man den Verlust, der sich aus der Differenz zwischen dem niedrigeren Auszahlungsbetrag bei Aufloesung („Rueckkaufswert“) und dem eigentlichen „inneren“ Wert der Police (Police = Versicherungsschein) ergibt. Sinnvoll ist das insbesondere dann, wenn man zu spaet bemerkt hat, dass man die falsche Versicherung gewaehlt hat (man hat sich also „ueber den Tisch zieh'n lassen“). Man will die Beitraege einer besseren Anlageform zufuehren, aber den Verlust weitestmoeglich begrenzen - das geht in der Regel, wenn ueberhaupt, dann mit der Beitragsfreistellung. Beitragsfreistellung sollte man (von wenigen, hier zu weit fuehrenden, Ausnahmen abgesehen) im Uebrigen stets waehlen, wenn der Vertrag noch nicht zwoelf Jahre laeuft, denn sonst werden ja im Nachhinein Steuern auf die angefallenen Zinsen erhoben! Nach Ablauf der zwoelf Jahre kann man ihn dann immer noch (steuerunschaedlich) kuendigen. Das kann mal sinnvoll sein, wenn man einen besonders schlechten Versicherer erwischt hat - es gibt Faelle, in denen es dann, nach zwoelf Jahren Verspaetung (!), beim guten Versicherer am Ende insgesamt noch mehr Geld gibt, als wenn man das bereits eingezahlte Geld beim ersten Versicherer gelassen haette (d.h. wenn man das vom ersten -schlechten- Versicherer nach Kuendigung vorzeitig ausgezahlte Geld „zwoelf Jahre spaeter“ in eine neue, nun zwoelf Jahre kuerzer laufende LV bei einem „guten“ Versichrer steckt , kann es sein, dass am Ende immer noch mehr herauskomt, als haette man die alte Versicherung ungekuendigt weitergefuehrt)!

    ---
    Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
    Atomkraft | in English


    gesamter Thread:

  • Kapitallebensversicherung - KatzeMinkaMorle, 29.11.2011, 10:19

Es gibt keinen Planeten B, aber einen Plan B: die Finca Bayano Preisvergleich Gold & Silber

328742 Postings in 43610 Threads, 700 registrierte Benutzer, 592 User online (14 reg., 578 Gaeste)

Das Gelbe Forum: Das Forum für Elliott-Wellen, Börse, Wirtschaft, Debitismus, Geld, Zins, Staat, Macht (und natürlich auch Politik und Gesellschaft - und ein wenig »alles andere«).