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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    froschgrafik: Globale Zahlungsbilanzen 1910 und 2010. Mit dem "Wohlstand-für-alle-Kapitalismus" ist es vorbei

    verfasst von frosch, 13.11.2011, 16:33
    (editiert von frosch, 13.11.2011, 17:27)

    Manche Leute sehen in der jetzigen Krise die „finale Krise“ des Kapitalismus. Davon halte ich nichts.

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    Mit Beginn der imperialistischen Epoche seit 1870 entwickelte sich Indien zum größten Absatzmarkt der Welt und zum größten Importeur britischer Waren. Zusammen mit Steuern, Abgaben und Gewinnrückflüssen von britischem Kapital flossen im Jahr 1910 insgesamt 60 Millionen Pfund Sterling von Indien nach Großbritannien. Zusammen mit den Geldzuflüssen aus Japan, China und Australien summierte sich das zu einer Summe von 86 Million Pfund, die von Ost nach West wanderte.
    Trotzdem war die Zahlungsbilanz Großbritanniens negativ, weil die Briten das im Osten eingenommene Geld mit vollen Händen in Kanada, den USA und Europa verjubelten.
    Hauptnutznießer des britischen Imperialismus waren Anfang des 20. Jahrhunderts die USA und Kontinental-Europa mit deutlich positiven Handelsbilanzen. (Die Zahlen saldieren sich in der Grafik nicht zu Null, weil von Lateinamerika und Afrika abgesehen wurde.) Ich halte fest:

    In der imperialistischen Epoche floss der Reichtum von Ost nach West, bzw. von der kapitalistischen Peripherie in die kapitalistischen Metropolen.
    Diese Verhältnisse haben sich zu Beginn des 21. Jahhunderts umgekehrt.

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    Zu Beginn des 21. Jahrhunderts fließen allein aus dem Ankauf chinesischer Waren 477 Mrd. Euro von Westen nach Osten, denen nur Gegenlieferungen im Wert von 145 Mrd. Euro gegenüberstehen. Sowohl die USA wie Europa haben mit China eine negative Handelsbilanz.
    Zwar ist die Handelsbilanz eines Jahres nur eine Momentaufnahme. Aber die globalen Zahlungsbilanzen seit dem Jahr 2000 zeigen, dass die kapitalistischen Metropolen (mit Ausnahme von Deutschland) längst in die internationale Schuldnerrolle gedrängt sind.

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    Ich halte fest: Im 21. Jahrhundert fließt der Reichtum nicht mehr von Ost nach West, sondern umgekehrt von West nach Ost.
    Bei der jetzigen kapitalistischen Krise ist die Staatsschuldenkrise, die zur Zeit im Mittelpunkt des Interesses steht, nur ein Teilaspekt. Die kapitalistischen Kernzonen stecken insgesamt in der Krise. In den Kernzonen stagniert die Wirtschaft, in der Peripherie blüht der Kapitalismus. Daher ist diese Krise im Wesentlichen eine Regionalkrise, auch wenn sehr wichtige Regionen davon betroffen sind.
    Dieser Umkehrung der Kräfteverhältnisse folgt notwendig auch eine Umkehrung der Eigentumsverhältnisse.
    Reisten im 19. und 20. die Briten und Amerikaner in alle Welt, um sich zu amüsieren und um Land, Schätze und Menschen einzukaufen, so werden im 21. Jahrhundert Chinesen und andere Asiaten in „Old Europe“ auf Shopping- und Erlebnistour gehen.
    Mit dem „Wohlstand-für-alle-Kapitalismus“ ist es in Europa und den USA dauerhaft vorbei. Das allein reicht Manchem, um an das nahe Ende des Kapitalismus zu glauben. Tatsächlich kommen nur liebgewordene Vorstellungen über den Kapitalismus ans Ende.

    Gruß frosch

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    井底之蛙

    

    gesamter Thread:

  • froschgrafik: Globale Zahlungsbilanzen 1910 und 2010. Mit dem "Wohlstand-für-alle-Kapitalismus" ist es vorbei - frosch, 13.11.2011, 16:33

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