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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Das oekonomische Zitat (58); heute: A. Braden zum Einfluß der Banken auf das Preisniveau

    verfasst von Zandow E-Mail, Heidenau/Sachsen, 27.08.2011, 17:35

    Hallo Gemeinde,


    a bissl stuff zum Wochenende:

    „II. Der Einfluß der Banken auf das Preisniveau

    1. Einleitung


    Der Einfluß der Banken auf das Preisniveau ist ein Problem, mit dem die Wissenschaft sich schon seit langem beschäftigt hat. In genauerer Formulierung lautet es: Sind die Banken durch ihre Kreditgewährung in der Lage, das Preisniveau, welches - ... – primär durch monetäre Faktoren gebildet wird, im Wege einer willkürlichen Vermehrung oder Verminderung der Geldmenge zu ändern?

    Alle früheren diesbezüglichen Untersuchungen befassten sich lediglich mit den Banknoten und ließen, ganz mit Recht, die Depositen, die erst in neuerer Zeit Geldcharakter angenommen haben, unbeachtet. Im Vordergrund der Lehrmeinungen stehen die Auffassungen der Currency Theorie und der Banking Theorie. Beide Theorien entwickelten sich um 1840 im Laufe der Auseinandersetzungen über die Politik der Bank of England. Der Streit hierüber bildete den eigentlichen Inhalt der Diskussion über die richtige Organisation des englischen Bankwesens, die einen großen Teil des 19. Jahrhunderts anfüllte, von welcher man auch heute nicht sagen kann, daß sie ganz beendet sei. Hinter dem Streit zwischen den beiden Theorien liegt eine diametral entgegengesetzte Auffassung von der Fähigkeit der Banken, die Notenmenge von sich aus zu variieren.

    2. Die Currency Theorie

    Die Anhänger der Currency Theorie, zu denen Lord Overstone, Torrens, Norman, MacCulloch und Sir Robert Peel zählten, folgten Ricardo in ihren geldtheoretischen Ansichten.

    Sie gingen davon aus, daß jede Bank aus Erwerbsgründen das Bestreben habe, ihre Notenemission so viel wie möglich zu vergrößern, und daß sie sogar die Fähigkeit besäße, auf dem Kreditwege auch die Notenmenge willkürlich zu erweitern. Die Preissteigerung, die als eine Folge der Geldvermehrung angesehen wurde, rufe wiederum die Spekulation hervor, welche weiter die Vermehrung der Notenmenge bis zur Krise veranlasse. Die der Currency Theorie zugeschriebene Behauptung, jede Preissteigerung, jeder Aufschwung, jede Ueberspekulation und jede Krise habe ihren ursprünglichen und eigentlichen Grund in zu starker Notenemission, ist übertrieben; vielmehr war Overstone, ihr bedeutendster Vertreter, der Ansicht, daß eine Geldvermehrung meistens, aber nicht jederzeit preissteigernd wirken müsse.

    Hinsichtlich des Zinses machte die Currency Theorie folgende Aussage: Der Zins sei ein Faktor, der die zirkulierende Geldmenge mitbeeinflussen helfe. Die Erhöhung des Zinses sei z.B. einer der Begleitumstände, die bei einer Verminderung der Geldmenge gemeinsam eine Steigerung des Geldwertes herbeiführe. Die Wirkung einer Zinsänderung sei allgemein festzustellen, am stärksten jedoch auf die spekulativen Transaktionen. Die Currency Theorie selbst stand – ebenso wie damals die Banking Theorie – auf dem Boden der Konstatierungslehre und lehnte daher jede selbständige Diskontpolitik einfach ab.

    3. Die Banking Theorie

    Der Currency Lehrsatz wurde besonders von Tooke und Fullarton bekämpft. Es wurde behauptet, daß in den meisten Fällen nicht die Vermehrung der Notenmenge dem Steigen der Preise voranginge, sondern daß das Steigen der Preise selbst und die in Verbindung damit hervorgerufene Spekulation eine Vermehrung der Notenmenge veranlasse, und nicht umgekehrt. Die Banking Theorie versuchte also den von der Currency Theorie aufgezeigten Kausalzusammenhang zwischen Geldmenge und Preisniveau umzudrehen. So sagt Tooke im Jahre 1840: „I do not ascribe any variation in pices to the amount of circulation as the originating cause.“ Er und auch Fullarton stützten sich stark auf die Aussagen der Bankpraktiker, es sei unmöglich, die Notenmenge willkürlich zu vermehren, und daß eine Vermehrung stets nur stattfände, weil der Verkehr eine größere Menge notwendig mache. Wenn die Banknoten über die Bedürfnisse des Verkehrs hinaus in Umlauf wären, so würden die nicht benötigten Banknoten entweder direkt zur Emissionsbank oder indirekt durch Einreichung bei anderen Banken zurückfließen. Es würde niemandem einfallen, überflüssige Banknoten längere Zeit in der Hand zu behalten, wenn er diese in Form eines Depositums bei einer Bank zinsbringend anlegen könnte. Umgekehrt würde eine Reduzierung der Banknotenmenge einer einzelnen Bank die Ausdehnung der Banknoten anderer Banken hervorrufen. Tooke wies darauf hin, daß wenn durch irgendwelche Maßnahmen der Banknotenumlauf gänzlich unterdrückt werden würde, an die Stelle der größeren Noten Wechsel, Schecks und Forderungsausgleichungen als Zahlungsmittel treten würden. Zu jedem einzelnen Zeitpunkt bestimme der Verkehr die Größe der sich im Umlaufe befindlichen Zahlungsmittel.

    Uns interessiert hier am meisten die Einstellung der Banking Theorie zum Problem der Preisbildung. Die Banking Theorie lehnt den Einfluß der monetären Faktoren auf das Preisniveau ab und versucht den ganzen Preisbildungsprozeß ausschließlich von der Warenseite her zu erklären. Erst nach Abschluß geschäftlicher Transaktionen, nach Bildung der Preise würde die Diskontierung von Wechseln zur Banknotenausgabe führen. Bei steigenden Preisen würden Wechsel auf höhere Summen, bei fallenden Preisen solche auf geringere Summen gezogen, wodurch sich die Banknotenausgabe automatisch dem jeweiligen Preisniveau und den jeweiligen Warenumsätzen anpasse. Demnach ist auch die Notenausdehnung die Folge und nicht die Ursache der Preissteigerung.

    Eine sehr bedeutsame Einschränkung wurde jedoch von Tooke gemacht. Es bestünde ein Unterschied zwischen lang- und kurzfristigen Krediten, insofern als bei ersteren die Unternehmungen, die festes Kapital erforderten, die Löhne steigern oder die Zahl der Beschäftigten erhöhen könnten, und so mittelbar auf die Preise einwirken würden. Demgegenüber hätte eine Ausgabe von Banknoten für kurzfristige Kredite keine Wirkung auf die Preise, da die durch kurzfristige Kredite geschaffenen Kaufmittel nach Ablauf und Rückzahlung der Kredite zwangsläufig zurückfließen müßten. Dieser Rückfluß – the great regulating principle of the internal currency – sei nur gewährleistet, soweit kurzfristige, aus wirklichen Handelsgeschäften hervorgehende Wechsel von unzweifelhafter Güte diskontiert werden, bzw. zur Banknotenausgabe Veranlassung geben würden.

    Auch in ihrer Stellungnahme zu dem Einfluß der Zinshöhe auf das Preisniveau weicht die Ansicht der Banking Theorie wesentlich von der Currency Theorie ab. Eine genaue Feststellung über die Beziehungen zwischen Zins- und Preisbildung könne nicht einwandfrei gemacht werden. Tooke selbst leugnete z.B., daß eine Zinsherabsetzung steigernd auf die Preise wirke. Er ging sogar noch weiter und behauptete geradezu, daß eine Zinsherabsetzung eine Preissenkung hervorrufen werde. Zinssenkung bedeute Kostensenkung. Durch den bloßen Umstand eines niedrigen Zinsfußes werde niemand dazu veranlaßt, mehr Waren und zu höheren Preisen zu kaufen, wenn nicht im Verhältnis des Angebots der betroffenen Waren und der Nachfrage der Verbraucher genügend Grund vorliege, eine Warenspekulation einzugehen. Die Höhe des Zinssatzes weise der Wirtschaft gegenüber keine einheitlichen Folgen auf. Auch wenn Kreditflüssigkeit eine sehr günstige, ja sogar wesentliche Bedingung für eine größere Ausdehnung des Aufschwungs und der Spekulation sei, könne sie dennoch keinen Aufschwung hervorrufen.

    4. Auseinandersetzung zwischen der Currency Theorie und der Banking Theorie

    Wenn man die beiden Theorien auf ihren Wahrheitsgehalt hin prüft, so muß man bedenken, daß deren Ansichten über die Beeinflussungsmöglichkeit des Preisniveaus durch monetäre Faktoren bei nur einer Geldart unter dreien auseinandergehen. Während beide Theorien erkannten, daß durch eine Vergrößerung des Goldbestandes infolge Goldeinfuhr oder des Papiergeldes dank eines staatlichen Hoheitsaktes auf dem Wege einer vermehrten Nachfrage steigen würden, waren ihre Lehren nur über die Wirkung einer Vermehrung von Banknoten strittig. Wir weisen darauf hin, daß im Gegensatz zur Currency Theorie die Banking Theorie behauptete, die Banknotenausgabe übe keinen Einfluß auf die Preise aus. Da aber die Banking Theorie gleichzeitig zugab, daß durch Goldimport und durch erhöhte Ausgabe von Papiergeld eine Anregung der Wirtschaft erfolgen müsse, so müßte eigentlich ebenso zugegeben werden, daß die in anderer Form gewährten Kredite in derselben Weise die Wirtschaft anregen.

    Der Vorgang bei der Ausgabe von Banknoten ist wahrlich kein Geheimnis. Betrachten wir nun die Voraussetzung der Banking Theorie: Banknoten sollen nur im Wege von kurzfristigen Vorschüssen und Wechselkrediten in den Verkehr kommen. Die Nachfrage nach solchen Krediten muß aber sicherlich beeinflußt sein von den Kosten der Kreditaufnahme, d.h. von der jeweiligen Höhe des Zinssatzes. Dies hat auch z.B. Fullarton erkannt, als er erklärte, daß die Nachfrage nach Banknoten von den Bedingungen abhängig sei, die die Bankiers bei der Kreditgewährung stellen. Es ist also kaum verständlich, warum die Banking Theorie trotz allem leugnete, daß durch den Vorgang der Banknotenausgabe eine Nachfrage erzeugt werden könne. Sie hat eben nicht genug beachtet, daß die Banken durch die Ausgabe von Banknoten den Zinsfuß senken können, bzw. daß diese innerhalb gewisser Grenzen gerade durch die Möglichkeit der Ausgabe die objektive Knappheit an Kapital aufheben können, und daß eine Kostensenkung für die Bankkredite selbst ein Motiv zur erhöhten Kreditaufnahme ist. Wird eingesehen, daß die Banken den Umfang der Notenausgabe durch den Zinssatz beeinflussen können, so verschwindet ein wesentlicher Teil der Auseinandersetzung mit der Currency Theorie.

    Wenn der Verkehr Banknoten nur in Form von Krediten von den Banken bekommt, so können natürlich nicht mehr Banknoten in den Verkehr gesetzt werden, als dem Bedarf entspricht. Daraus aber, wie die Banking Theorie es tut, den Schluß zu ziehen, die Banken könnten überhaupt nicht zu viel Banknoten ausgeben, ist sehr bedenklich. Denn – wir zitieren Cassel – die Nachfrage des Verkehrs nach Bankvorschüssen hängt wesentlich vom Zinsfuß ab, der für diese Vorschüsse gefordert wird.

    Wir sind also jetzt in der Lage, die Ursache für die unterschiedlichen Lehren der Currency Theorie und der Banking Theorie zu verstehen. Bei der Beurteilung der Preisveränderungsfaktoren legt eben die erstere das Hauptgewicht auf die Einflüsse von der Geldseite her, während die letztere diese vollständig vernachlässigt und nur die Einflüsse von der Warenseite her betont. Dementsprechend haben auch beide Theorien zur Stabilisierung der Verhältnisse sehr ungleichartige Vorschläge über Banknotendeckung und allgemeiner Bankpolitik gemacht, .....

    5. Die Möglichkeit der Veränderung der Geldmenge

    Wir haben erkannt, daß eine Veränderung der Geldmenge durch eine Veränderung der Bankbedingungen, unter denen Kredite gewährt werden, zweifellos möglich ist. Die Banken sind in der Lage, selbst innerhalb gewisser Grenzen nach Belieben Kredite in Form von Banknoten, bzw. von Depositen zu schaffen und dadurch die objektiv bestimmte Knappheit an Kapital aufzuheben, oder was gleichbedeutend ist, den Zinssatz durch Veränderung des jeweiligen Angebots an Kapital zu manipulieren. Die jeweilige Höhe des Bankzinses ändert die Motivation der Kreditsuchenden und wird als Anreiz oder als Abstoßung zur Kreditaufnahme wirken, obgleich dabei noch andere Faktoren, wie Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung und Stabilität, oft eine bedeutendere Rolle spielen können.

    Der Zusammenhang nun zwischen Kreditmenge und Preisniveau ergibt sich aus der Tatsache, daß die Kredite auf die Größe der Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen teils direkt, teils indirekt über die Einkommen Einfluß haben.

    Die oben gestellte Frage, ob die Banken von sich aus die Geld- und Kreditmenge und dadurch auch das Preisniveau verändern können, ist somit zu bejahen. Diese Antwort hat nun für unser Problem der Konjunkturpolitik doppelte Bedeutung. Einmal erkennen wir die Geldschöpfungsmacht der Zentralnotenbank an, sowohl in Form der Kreierung von Banknoten, als auch der in der von Giralgeld. Außerdem werden wir zugeben, daß die anderen Banken, die wir der amerikanischen Terminologie, bzw. der Terminologie von Keynes folgend, von jetzt ab als Mitgliedsbanken bezeichnen wollen, ebenfalls Giralgeld auf dem Kreditwege schaffen können.

    Die Zentralnotenbank als Trägerin einer wirksamen Konjunkturpolitik muß aus diesen Erwägungen heraus, um auf die Geld- und Kreditmenge, sei es direkt oder über die Bankbedingungen indirekt, einen Einfluß auszuüben, in erster Linie ihre eigenen Aktiven und Passiven bestimmen können, dazu aber auch in der Lage sein, den Geldmarkt, der in überwiegendem Maße von den Mitgliedsbanken gebildet und gespeist wird, zu beherrschen.

    Der Gang unserer Untersuchungen ist jetzt um einen Schritt vorwärts gekommen. Bis hierher haben wir folgendes festgestellt: 1. Das Ziel der Zentralnotenbankpolitik ist auf eine Konjunkturstabilisierung gerichtet, die vielfach als Preisniveaustabilisierung aufgefaßt wird. 2. Die Zentralnotenbanken haben grundsätzlich die Fähigkeit, von sich aus die Geldmenge zu verändern und demnach auch die Möglichkeit, das Preisniveau zu beeinflussen.“

    Arnold R. Braden „Die Offene Markt-Politik. Ein Beitrag zur Politik der Zentralnotenbanken“, Buchdruckerei Richard Mayr, Würzburg 1935
    (Bibliothek Zandow)


    Gruß in die Runde, Zandow

    ---
    Nuclear power? Yes please!

    

    gesamter Thread:

  • Das oekonomische Zitat (58); heute: A. Braden zum Einfluß der Banken auf das Preisniveau - Zandow, 27.08.2011, 17:35

Wandere aus, solange es noch geht.


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