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ZITAT »Diese Verschwörer sind aber nicht die Wurzel allen Übels, sondern ausführende Kräfte des Zeitgeistes.«

    Eher Atheismus.....

    verfasst von Miesespeter E-Mail, 26.08.2011, 19:18
    (editiert von Miesespeter, 26.08.2011, 19:58)

    Hi Highroller


    > Realist muss man sein!
    >

    Mitnichten. Nur, die Realitaet kuemmert sich nicht darum, ob man Realist oder Traeumer ist, sie geht einfach ihren Weg.

    >
    >
    > Haeltst du die Anhaenger der Oesterreichische Schule etwa fuer
    > liebenswerte Menschen mit "Gerechtigkeitssinn" aber wenig Sinn fuer die
    > Realitaet?

    Ja, das habe ich in der Tat einmal getan.

    Heute erinnern sie mich eher an Glaeubige, die sich ihrer heiligen Schrift erfreuen, weil diese es schafft, ihre kognitive Dissonanz aufzuloesen und ihnen ein harmonisches Utopia erlaubt.

    Gibt's nicht gegen zu sagen. Alles staendig in Zweifel zu ziehen macht auch nicht gluecklicher.



    > Bin in diesem Zusammenhang etwas durch deinen Namen irritiert.
    > Solltest du dazu viel sagen wollen, waere ein eigener Thread vielleicht
    > die beste Loesung. Moeglicherweise wurde das Thema hier aber schon zur
    > Genuege besprochen; ich bin da nicht auf dem Laufenden.

    Mehr als zur Genuege, insgesamt 10 Jahre lang. Einfach mal im alten Forum nach den Begriffen Machttheorie, Oppenheimer, und Polanyi suchen.

    Auch hier und in Onkel Otto's heutigem Spitzenbeitragwerden sie weitergeholfen.

    Kurz von mir sei noch angemerkt: Das Gedankengeruest der Austrians ist wunderbar logisch, konsequent und schluessig aufgebaut. Allerdings fusst es auf Praemissen, die einfach den realen Beobachtungen zuwider laufen.

    So zb der Fiktion des Wirtschaftens als Tausch, mit der Vorstellung, dass der arbeitsteilige Kapitalismus so etwas wie ein gegenseitiger Vorteilstausch auf Steroiden waere. Es spielt dabei keine Rolle, dass eine solche hochentwickelte Tauschwirtschaft in freier Wildbahn noch nie beobachtet wurde, sondern bei genauerer Betrachtung alles hoehere Wirtschaften durch Zwang und Gewalt in Gang gesetzt ist.

    Ein weiterer Kardinalfehler ist, dass das politische Wesen der Zivilisation nicht erkannt wird, waehrend hingegen das oekonomische Wesen der Zivilisation als primaeres rationales Leitmotiv der oesterreichischen Schule saemtliche weitere menschlichen Handlungsmotive ueberstrahlt. Auch das entspricht nicht der Realitaet, wo permanent beobachtbar ist, dass sowohl ein politische Minderheit wie auch eine politische Mehrheit immer willens ist, Macht zu erlangen sowie Zwang und im Extremfall auch Gewalt einzusetzen, um ihre Interessen durchzusetzen. Dies allein bereits sorgt zB dafuer, dass die von den Austrians postulierten kleinen Anpassungskrisen zur Aufloesung von Fehlallokationen niemals zugelassen werden (Realitaetsbeobachtung kongruent zur These). Und da eine Abschaffung des Politischen ebenso unmoeglich ist wie die Abschaffung des Sexualtriebs, wird sich daran auch in Zukunft nichts aendern.

    Auch die weitreichenden Implikationen des Kreditgeldssytems - obwohl von Mises fuer den fruehen Zeitpunkt schon in Ansaetzen ganz gut verstanden - sind den Austrians nicht bewusst, weshalb sie staendig mit geldpolitischen Schluessen aufwarten, welche, wenn umgesetzt, den debitistischen Patienten umgehend in ein toedliches Koma versetzen wuerden. Das Gedankengut verbleibt im Prinzip Edelmetall-Vollgeld verhaftet, wo zb netto gespart werden kann, ohne dabei zu realisieren, dass mit einem derart restriktionierten Geldsystem die wahnsinnige Wirtschaftsentwicklung des 20.Jahrhunderts niemals haette vorfinanziert = stattfinden koennen, egal wie sehr der heissgeliebte Unternehmer-Koenig noch mit kreativen Ideen sprudelt.

    Dann uebersehen sie auch noch den Effekt, den fortschreitende Akkumulation des Nettovermoegens in wenigen Haenden auf das politische Wesen der Zivilisation haben muss......

    Wenn eine Wirtschaftstheorie auf derartigen Fehleinschaetzungen der Handlungsmotive des zivilisierten Menschen ('Human Action')fusst, dann kann die innere Logik noch so brilliant sein, es kommt nicht mehr als eine bewunderswerte Geschichte dabei heraus, eine Utopie ueber einen nichtexistenten tugendhaften Menschen, und somit auf einer Stufe mit der sozialistischen, anarchistischen oder christlichen Utopie (wobei letztere vielleicht doch noch eine Klasse hoeher anzusiedeln ist?).

    >
    > Kann aber hier der "Mittelstand" etwas dafuer? Oder sollte man nicht etwas
    > zielgenauer die exportorientierte Ausrichtung der grossen Konzerne und die
    > diesbezueglichen Weichenstellungen der Politik als Ursache nennen? Dazu
    > gehoert nicht zuletzt ein Absinken (besser: Absenken) der Realloehne sprich
    > der Inlandsnachfrage. In den letzten zehn Jahren war Deutschland hier ja
    > Schlusslicht in Europa.


    Und, hat der Mittelstand dagegen gehalten?

    Die Frage nach dem Schuldigen ist schon wieder so ein Rekurs auf die Moralkategorie. Es ist die falsche Frage. Die richtige Frage ist, profitiert das System von einer Handlung (im Vergleich zu anderen, realistischen Alterntivhandlungen), und in der Folge auch das Subsystem ('Mittelstand'), dabei ist dann nicht erheblich, welches Untersystem mehr und welches weniger profitiert.


    > Hier sind in erster Linie die Konzerne, also die Hauptprofiteure, in der
    > Pflicht.
    >

    Ganz sicher waeren hier auch die Konzerne in der Pflicht, aber ebenso alle anderen, welche an der Aufrechterhaltung des Systems interessiert sind, und in diesem Falle duerften das alle sein, welche ihren Besitzstand wahren moechten, welchen sie riskierten, wenn die mittellose Unterschicht eines Tages die Keule auspackt und dem zusehends an sich selbst verzweifenden buergerlichen Rechtsstaat ein Ende bereitet, um stattdessen irgendeine andere Sozialutopie zu versuchen, in welcher dann u.U. andere Qualifikationen als heute zur Erlangung von gesellschaftlichen Privilegien fuehren.

    Gruss,
    mp

    ---
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  • Soziologe will 20% Abgaben auf alle Vermögen einführen - sensortimecom, 25.08.2011, 11:04

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