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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Das oekonomische Zitat (44); heute: E. Herzfelder zu Wert und Goldwährung

    verfasst von Zandow E-Mail, Heidenau/Sachsen, 03.07.2011, 20:28

    Hallo Gemeinde,


    aus einer Abhandlung zur Goldwährung; mit dem Ergebnis, daß eine solche nicht funktionieren kann, dies:

    „In der Tat liegt der Goldwährung eine bedeutsame Fiktion zugrunde; jene großen Werttheoretiker, ..., haben es zuwege bebracht, daß das Dogmatische an der Goldwährung erschüttert worden ist, wodurch erst die ihr zugrunde liegende Fiktion erkannt werden konnte. Ein auf lange Sicht in der Währungseinheit unveränderter Goldpreis ist nur dann denkbar, wenn auch das Wertverhältnis zwischen Gold- und Geldeinheit unverändert bleibt. Wenn also die Staatsgewalt einen festen Goldpreis auf die Dauer dekretiert, so liegt dieser Handlung der Gedanke zugrunde, ‚als ob’ sich das Wertverhältnis zwischen Gold und Geld nicht geändert hat, oder es kann auch gesagt werden: der Staat verbürgt es, daß das Gold zu einem in der Währungseinheit bestimmten festen Preise gekauft und verkauft werde, ganz so, wie wenn dieser Preis nur deshalb unverändert beizubehalten ist, weil in dem Wertverhältnis zwischen Gold und Geld keine Änderung eintrat. Der Staat bemüht sich umsonst, dieses Wertverhältnis aufrecht zu erhalten und auf diese Art die Fiktion durch eine Anzahl Handlungen zu entkräften; denn die Abweichung von der Wirklichkeit tritt Schritt für Schritt zutage, und das muß vor allem erkannt werden. Der Goldwährung liegt aber noch die ferner liegende Fiktion zugrunde, daß angenommen wird, daß infolge des am Golde gemessenen unveränderten Wertes der Geldeinheit ihr Wert den Waren gegenüber unverändert bleibt, obwohl man weiß, daß die Änderung der Warenpreise zum Teil auch auf die Änderung des Geldwertes in bezug auf die Warenmengen zurückzuführen ist.
    ...
    Das Austauschverhältnis zwischen Währungseinheit und einem stofflichen Gut wie Gold ist und bleibt auf die Dauer undekretierbar: Quantitative Gleichsetzung von Werten kennt eine fortgeschrittene Werttheorie nicht. Auch wenn es gelingt, durch ein auf lange Sicht sich erstreckendes Austauschverhältnis zwischen Gold- und Geldeinheit den Goldpreis aufrecht zu erhalten, der durch künstliche Maßregel der Gesellschaft oder Staatsgewalt erzielt wird, ist das erstrebte Ziel fiktiv und verbürgt nicht die quantitative Wertgleichheit; denn eine solche gibt es überhaupt nicht. Keine Wertgleichheit, wohl aber Wertunverändertheit kann zwischen den zwei Gutsgattungen erzielt werden, aber diese ist nicht durch den dekretierten Preis, sondern durch eine zielbewußte Veränderung der Mengenverhältnisse erreichbar (Grundsatz der Mengenlehre). Aber die quantitative Wertgleichheit hat sich in den Köpfen nun einmal festgesetzt und läßt sich aus ihnen kaum vertreiben. Wenn das gegenseitige Austauschverhältnis zweier Güter in zwei Zeitepochen der Beobachtung dasselbe geblieben ist, so ist das kein Beweis dafür, daß in beiden Fällen wertgleiche Mengen getauscht worden sind, sondern beweist nur, daß in den gegenseitigen Wertverhältnissen der zwei Güter zueinander eine Änderung nicht stattgefunden hat. Der Unterschied liegt auf der Hand. In Verfolg einer Wertunverändertheit ist ein unveränderliches Austauschverhältnis zu erwarten, aber niemals kann deswegen eine Wertgleichheit zwischen den Mengen der ausgetauschten Güter entstehen.
    ...
    Wenn die Zentralbank kraft staatlicher Gesetze eingelieferte Goldbarren in eine festgesetzte Anzahl von Währungseinheiten in Münzen ausprägt, andererseits ihre auf Gold lautenden Zertifikate (auch Banknoten) nach dem gleichen Preisverhältnis in Gold einlöst, so werden durch die Staatsgewalt Tauschgeschäfte normiert, bei welchen eine quantitative Wertgleichheit fingiert wird. ... Bei der Goldwährung handelt es sich ... deswegen um eine Fiktion, weil es sich bei dem Austausche nicht um zwei identische Gutsgattungen handelt, sondern um solche verschiedener Art. Bei dem so geschaffenen Verhältnis, bei welchem Note oder Münze gegen Gold getauscht werden kann, muß die quantitative Wertgleichheit aufhören, weil es sich nicht mehr um den Austausch gleicher Gutseinheiten, sondern um zwei verschiedene Gattungen handelt: nämlich um Gold und Geld, das Kaufkraft besitzt. Jene Goldmenge, die sich im Besitze der Reichsbank befindet und die durch Goldzufluß aus dem Auslande noch durch Devisen verstärkt wird, ist von jener Münzen- und Notenmenge, die sich im Umlauf befindet, dem Wesen nach eine grundverschiedene Gutsgattung. Die erstere ist Deckungsmaterial und hat einen doppelten Zweck zu erfüllen, nämlich das Vertrauensmoment für das Geld zu sichern und die Wertänderung des Geldes gegenüber einer einzigen, stets wahrnehmbaren Menge zu überwachen. Die andere ist kaufkräftiges Geld im engeren Sinne: Kaufkräftige Gutsmenge. Sie ist zwar an die erstere Menge gebunden und verbürgt hiermit die Wertbeständigkeit des Goldes mehr oder weniger (nicht seine eigene den Waren gegenüber), aber sie kann doch niemals völlig wertbeständig erhalten bleiben.

    Während quantitative Wertgleichheit in den Austauschverhältnissen einzig und allein dann möglich ist bzw. angenommen werden kann, wenn identische Mengeneinheiten vertauscht werden, besteht eine solche bei der Entstehung der Währung nicht und kann auf die Dauer um so weniger erzwungen werden, als es sich bei diesem Austausch stets um zwei grundverschiedene Gutsgattungen handelt, bei welchen die ungleiche Änderung ihrer Menge für diese auch ungleiche Wertschätzungen auslösen und hiermit zwingend notwendig eine Änderung des gegenseitigen Preises entstehen muß.

    Die großartige Finte der Goldwährung beruht nun darauf, daß durch die Barzahlungen, d.h. durch den Umlauf der Münzen die bewußte Lüge begangen wird, daß das Deckungsmaterial und das Geld (Münzen und Noten), da ein Teil des Geldes aus dem gleichen Metall wie das Deckungsmaterial besteht, daher Gold und Geld zwei gleiche Gutsgattungen sind, die zum gegenseitigen Austausch gelangen. Der Austausch erfolgt entweder durch die Ausprägung der Münzen oder durch die Einlösung der Noten. Durch diesen Vorgang wird eben fingiert, daß eine quantitative Wertgleichheit geschaffen ist; denn es sind jetzt solche Beziehungen hervorgerufen worden, bei welchen der Tausch überhaupt seinen Sinn verloren hat, ... . Nun ist aber zu beachten, daß die Goldwährung den Monismus der Währungseinheit durch die Ausprägung der Goldmünzen nicht aufrecht erhalten konnte; die Goldvorräte der Welt reichten mit dem Aufschwung der Wirtschaften nicht aus, um den jeweiligen Geldbedarf in allen Staaten zu decken, vielmehr war die Entwicklung so geartet, daß teil Goldzertifikate, teils Noten in Umlauf gekommen sind, andererseits entstanden die Geldsurrogate. Da das Austauschverhältnis dennoch zu festen Goldpreisen vonstatten ging, so entwickelte sich der Austausch zwischen den zwei Gutsgattungen Gold und Geld, womit die Fiktion klar zutage tritt.
    ...
    Wenn die Mengen zweier Gutsgattungen a (Geld) und b (Waren) sich ungleich ändern, so rührt die entstehende gegenseitige Wertänderung von beiden Mengenänderungen her; daraus, daß a zu der Menge von c (Gold) in eine feste Relation gebracht wird – so daß trotz einer Mengenänderung von a und c dieses Wertverhältnis unverändert bleibt – kann und darf nicht gefolgert werden, daß das gestörte Wertverhältnis zwischen a und b nunmehr nur von b herrührt. Viele Vertreter der Goldwährung glauben aber, durch die Festhaltung des Goldpreises auch zu erreichen, daß dann, wenn sowohl in der Menge von a wie c nur geringe Änderungen eintreten und daher a im Werte gegenüber c fast unverändert bleibt, sie doch recht behalten und das gestörte Wertverhältnis zwischen a und b dann vorwiegend von b herrühren müßte. Das ist aber nicht der Fall. Die Wertlehre zeigt, daß die gegenseitige Wertänderung zweier Güter auch dann beiden Gutsgattungen zuzurechnen ist, wenn das eine Gut in seiner Menge sich nicht geändert hat und nur das andere eine Mengenänderung erlitten hat.“

    Die Abhandlung zur Goldwährung baut auf einer der besten Betrachtungen zur Wertlehre, die ich jemals gelesen habe, auf. Dazu zusammengefaßt dies:

    „Der Wert ist relativ und ist für ein Gut nur in einer Bezogenheit auf ein anderes Gut erkennbar, ...
    ...
    Kein Gut besitzt einen absoluten Wert.
    Selbst der Gebrauchswert der Güter ist nicht absolut, bestenfalls ist die diesen entgegengebrachte Wertschätzung eine dauernde, die aber bezüglich des Grades der psychologischen Intensität der Individuen eine wandelbare ist.“

    Edmund Herzfelder "Die Goldwährung als eine Fiktion der Nationalökonomie"
    Gebrüder Paetel, Berlin und Leipzig 1927
    (Bibliothek Zandow)


    Gruß in die Runde, Zandow

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    Nuclear power? Yes please!

    

    gesamter Thread:

  • Das oekonomische Zitat (44); heute: E. Herzfelder zu Wert und Goldwährung - Zandow, 03.07.2011, 20:28

Wandere aus, solange es noch geht.


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