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ZITAT »Diese Verschwörer sind aber nicht die Wurzel allen Übels, sondern ausführende Kräfte des Zeitgeistes.«

    3. Gold, Silber und die Entstehung der nicht einlösbaren Banknote

    verfasst von Mieses von Ludwig, 25.04.2011, 14:44

    Hier nun noch ein paar Worte zum Werdegang des Geldsystems der USA.

    Wir sind es heute gewohnt, über den Goldpreis in Dollar zu reden. Es ist allgemein bekannt, dass "der Dollar früher mal in Gold einlösbar war" das wird dann "Goldstandard" genannt.

    Historisch und rechtlich betrachtet ist jedoch beides falsch. Von einer Einlösbarkeit des Dollars in Gold zu sprechen, ist ein Widerspruch in sich, denn der Dollar war immer eine bestimmte Menge Gold - bis 1933: 1/20,67-tel Feinunzen, danach bis 1973: 1/35-tel Feinunzen und seit 1973 bis heute: 1/42,22-tel Feinunzen.

    An dieser Stelle sollte sich eigentlich jeder gleich zweimal gewundert haben. "Die Dollarscheine sind aus Papier, nicht aus Gold." und "Der Dollar hat seit 1971 überhaupt nichts mehr mit Gold zu tun. Was soll dann die Behauptung, dass er heute 1/42,22-tel Feinunzen Gold entspricht?" werdet Ihr denken.

    Die Verwirrung kommt daher, dass wir heute, wenn wir "Dollar" sagen, damit FED-Noten, auf Dollar lautende Bankguthaben oder andere auf Dollar lautende Versprechen meinen. Das ist streng genommen eine falsche Begriffsverwendung, denn eigentlich bezeichnet "1 Dollar" nach wie vor "1/42,22-tel Feinunze Gold".

    Wir müssen zwischen folgenden Begriffen unterscheiden:

    - Silber-Dollar: Das ist der Ur-Dollar, festgelgt als 24,056g Feinsilber; er wurde aber später ersetzt durch den

    - Gold-Dollar: Das ist seit dem Gold Standard Act (1900) der eigentliche Dollar; festgelegt als 1,504g Feingold; auf diesen werden wir uns i.F. konzentrieren.

    - United States Notes: Diese wurden als nicht einlösbares Staats-Papiergeld während des Bürgerkrieges von der Bundesregierung emittiert, weil diese die Kriegsführung nicht durch Steuern und Kreditaufnahme finanzieren wollte oder konnte. Die Bundesregierung bezahlte statt mit Gold-Dollars einfach mit diesen von ihr selbst hergestellten US Notes, ihr Geschäftspartner erhielt also de facto - Nichts. Aber: Die US Notes wurden per Federstrich neben Gold-Dollars zu "Legal Tender", also GZ (und STZM) gemacht (und zu "lawful money", wobei nicht klar ist, was das eigentlich bedeuten soll; vermutlich war es nur eine "vetrauensbildende Maßnahme"). Ein Gläubiger konnte nun also nicht mehr auf Bezahlung in Gold-Dollars bestehen, sondern musste auch eine Bezahlung in US Notes akzeptieren. Auf diese Weise bekamen die stoffwertlosen US Notes dann doch einen Wert, denn man konnte mit ihnen Schulden tilgen.

    Es ist wichtig, zu erkennen, dass die US Notes als Parallelwährung eingeführt wurden. Als STZM und GZ wurden die zwar auf "Dollar" lautenden, aber nicht in Dollar einlösbaren US Notes per Gesetz als dem Dollar gleichwertig bestimmt. Die Kaufkraft als Zwischentauschmittel schwankte hingegen frei gegen die Kaufkraft von Gold-Dollar und lag die meiste Zeit deutlich darunter (wie man es auch erwarten müsste). Man sollte aber nicht unerwähnt lassen, dass ihre Kaufkraft zeitweise auch mit der des Gold-Dollars übereinstimmte oder sogar höher war. Dies ist i.W. damit zu erklären, dass das Angebot an US Notes mehrfach von der US Regierung verändert wurde (was bei einer Verringerung des Volumens natürlich die üblichen unangenehmen deflatorischen Konsequenzen hatte). Außerdem ist natürlich zuzugeben, dass solches Papiergeld in gewissem Sinne praktischer ist als Goldgeld.

    - FED Notes: Mit Gründung des FED im Jahr 1913 änderte sich das Währungssystem der USA nochmals grundlegend. Die Noten der FED mussten zunächst zu mindestens 40% durch im Besitz des FED befindlichem Gold gedeckt sein, der Rest durch andere Vermögensgegenstände. Die FED Notes wurden - obwohl selber kein "lawful money", das waren und sind(!) nämlich weiterhin nur Gold, Silber und US Notes, von der Regierung STZM, aber nicht zu GZ erklärt. Außerdem waren die FED Banken dazu verpflichtet, den Halter von FED Notes bei Vorlage in Gold oder anderem "lawful money" auszuzahlen, und das Schatzamt der US Regierung war verpflichtet, den Halter von FED Notes in Gold auszuzahlen. Die FED Noten trugen die Aufschrift "This note is receivable by all national and member banks and Federal Reserve Banks and for all taxes, customs and other public dues. It is redeemable in gold on demand at the Treasury Department of the United States in the city of Washington, District of Columbia or in gold or lawful money at any Federal Reserve Bank.".

    Also, ganz klare Sache: Die FED Notes sind keine(!) Dollars, sondern auf Dollar lautende Versprechen des FED Systems - genauso wie Dollar-Guthaben auf Bankkonten eben keine Dollars sind, sondern auf Dollar lautende Versprechen der Bank.

    Die (in Gold einlösbaren) FED Notes verdrängten nun recht schnell die (nicht in Gold einlösbaren) US Notes. Letztere wurden i.W. nur noch dazu benutzt, Steuern zu bezahlen, landeten also wieder da, wo sie hergekommen waren, nämlich bei der US Regierung, und wurden von dieser auch nicht wieder ausgegeben. Heute gibt es sie praktisch nur noch als Sammlerstücke. Wir sehen auch hier, wie beschränkt der Einfluss der Regierung im Hinblick auf die Festlegung des GZ ist: Die US Notes waren STZM und GZ, wurden aber fast nur noch als STZM benutzt, während die FED Notes de jure nur STZM und kein GZ waren, bei privaten Geschäften de facto aber wie GZ benutzt wurden. Da die FED-Noten jederzeit in Gold-Dollar einlösbar waren, wurden sie - da praktischer - im privaten Zahlungsverkehr meist sogar dem Gold-Dollar vorgezogen.

    Große Bedeutung erlangten die Goldmünzen allerdings im Zuge der Weltwirtschaftskrise. Hier kam es nun zu dem Effekt, den ich schon in meinen Aufsätzen zur Geldtheorie thematisiert hatte: Einige Halter von FED-Noten oder Bankguthaben, also auf Gold-Dollar lautenden Versprechen, begannen zu zweifeln, ob das Bankensystem die von ihm erteilten Versprechen erfüllen kann und bestanden daher auf Einlösung, d.h. sie ließen sich in Gold auszahlen. Da das Volumen der vom Bankensystem erteilten Versprechen im Zuge des künstlichen Booms der 20er Jahre tatsächlich viel zu stark aufgebläht worden war, musste die Kreditvergabe nun eingeschränkt werden, und umgekehrt musste mit hohen Realzinsen bei den Guthabenhaltern dafür geworben werden, ihr Geld eben nicht aus dem Bankensystem abzuziehen, sondern es weiterhin an dieses zu verleihen.

    Das war für die Banken unter Leitung des FED natürlich ernstes Problem. Zum großen Glück des Bankensystems hat es jedoch mit der linken Elite und dem Mob gewichtige und verlässliche Verbündete. In derartigen Situationen ließ sich immer wieder auf folgende Strategie zurückgreifen: Man macht die "Geldhorter" für die Destabilisierung des Bankensystems verantwortlich und dafür, dass sie eine wirtschaftliche Erholung verhindern, indem sie egoistischerweise die Zinsen hochtreiben und die Kreditvergabe blockieren.

    Diese "Story" ist für das Bankensystem die eierlegende Wollmilchsau:

    - Die Schuld dafür, dass die Banken ihre eigenen Versprechen nicht erfüllen können, wird denjenigen zugeschoben, die eine Erfüllung verlangen - eben weil sie Erfüllung verlangen. (!!?)

    - Die Schuld für die erschwerten Kreditbedingungen wird wird ebenfalls nicht mehr in Fehlern des Bankensystems gesucht, sondern in der Gier der "Geldhorter", also einiger "Reicher" gefunden.

    - Die Ursache für die Krise wird nicht in der Vergangenheit gesucht, sondern scheinbar in der Gegenwart gefunden. Damit dürfen alle, die den künstlichen Boom in der Vergangenheit angefeuert hatten, sich nun als Opfer fühlen - obwohl die Krise natürlich die Folge des künstlichen Booms ist.

    Der 1932 zum Präsidenten gewählte Franklin D. Roosevelt führte daraufhin 1933 den bis heute als "sozial" bezeichneten "New Deal" durch. Im Kern handelte es sich um den wohl größten Raubzug der Menschheitsgeschichte, materiell zu Lasten der Mittelschicht und zu Gunsten des Bankensystems, politisch zu Lasten der Freiheit und zu Gunsten der Zentralregierung in Washington. Zur Belohnung wurde er (als einziger US-Präsident überhaupt) dreimal wiedergewählt.

    Was wurde gemacht? Der erste Befreiungsschlag für das Bankensystem bestand darin, den Privatbesitz von Gold zu verbieten. Wer nun von einer Bank verlangte, dass sie ihr Versprechen erfüllt, wurde dafür also ins Gefängnis gesteckt. Alles in Privatbesitz befindliche Gold musste (bis auf bestimmte Sammlermünzen und eine Freigrenze von 5 Oz) an die Bundesregierung abgegeben werden. Dafür erhielt die Privatperson dann: FED-Noten, deren Kaufkraft anschließend immer weiter sank. Die Regierung drehte die Aufschrift "It is redeemable in gold on demand at the Treasury Department of the United States" also praktisch um und verlangte von ihren Bürgern, dass sie sie bei Vorlage von FED-Noten in Gold-Dollars auszahlt.

    Eine deutlich subtilere Form der Bankenhilfe ergibt sich aus der Frage, wo die benötigten FED-Noten für die "Auszahlung" der Goldbesitzer herkamen. Dafür waren folgende Schritte nötig:

    1. Die Regierung erlaubt der FED, in beliebigem Umfang US-Staatsanleihen zu erwerben und ihre Noten damit zu bedecken (Wegfall der 40%-Golddeckung).

    2. Die Regierung verkauft Staatsanleihen an die FED oder andere Banken und erhält dafür FED-Noten. Auf die Staatsanleihen muss die Regierung in den Folgejahren natürlich Zinsen an das Bankensystem zahlen.

    3. Falls das Bankensystem hierfür nicht ausreichend FED-Noten vorrätig hat, kann die FED sie nun gefahrlos einfach nachdrucken lassen. Da die FED ihre Noten, also ihre Verprechen, nicht mehr einlösen musste, konnte die FED ja nun nicht mehr illiquide werden.

    Insgesamt werden dem Bankensystem dadurch Gewinne ermöglicht, für die es kein Liquiditätsrisiko eingehen muss, obwohl genau das eigentlich das unternehmerische Risiko einer Bank und jedem anderen Kreditgeber ist. (Selbst ein Schuldner, dessen Kreditwürdigkeit absolut unzweifelhaft ist, muss für einen Kredit ja Zinsen an den Gläubiger zahlen, eben weil der Gläubiger ein Liquiditätsrisiko eingeht.)

    Zu erwähnen ist sicherlich noch, dass die FED-Noten ab dem Goldverbot zu GZ erklärt wurden (anderes GZ war ja nicht mehr im Umlauf) und seit 1934 die Aufschrift tragen "This note is legal tender for all debts, public [Anm: STZM] and private [Anm: GZ], and is redeemable in lawful money [Anm: Also theoretisch noch in US Notes einlösbar, aber nicht mehr in Gold] at the United States Treasury, or at any Federal Reserve Bank", wobei die letzte Einlösemöglichkeit (redeemable in lawful money) seit 1963 auch entfallen ist und auf den Fed-Noten seitdem auch nicht mehr erwähnt wird.

    Wir haben heute also eine Situation in den USA, in der der Dollar eigentlich immer noch (nach einigen offiziellen Abwertungen) als 0,736g Gold definiert ist, aber trotz Aufhebung des Goldverbots niemand verpflichtet ist, irgendwem für eine FED-Note oder ein Guthaben über einen Dollar auch einen Dollar, also 0,736g Gold, auszuzahlen. Theoretisch könnte man mit je 0,736g Gold Steuer- oder sonstige Schulden in Höhe von einem Dollar tilgen, aber natürlich macht das niemand, wenn man diese Schulden alternativ auch mit einer FED-Note über einen Dollar tilgen kann, deren Kaufkrauft z.Zt. nur rund 1/35 Gold-Dollar beträgt. Dieser Effekt ist bekannt als "Gresham's Law". Fixiert die Regierung die relativen Wertverhältnisse verschiedener STZM und GZ zueinander, so wird nur noch das jeweils schlechteste Geld (i.S. von "am meisten überbewertet") benutzt werden, während das "gute" Geld unter dem Kopfkissen landet.

    Das heutige Geldsystem der USA sieht also wie folgt aus:

    - Es gibt drei parallele Währungen: Gold-Dollar, US-Noten und FED-Noten. Alle sind STZM und GZ. Aber die US-Noten und die FED-Noten sind keine Dollars, und die FED-Noten sind auch kein lawful money. Eigentlich sind sie auch keine Noten, da es zur Definition einer Note gehört, in das, worauf sie lauten, einlösbar zu sein. Das sind sie aber nicht; niemand ist heute verpflichtet, jemandem bei Vorlage einen Dollar auszuzahlen.

    - Bezüglich ihrer Eigenschaften, STZM und GZ zu sein, sind die relativen Wertigkeiten wie folgt festgelegt: Öffentliche und private Schulden i.H.v. einem Dollar können getilgt werden mit 0,736g Gold oder einer auf einen Dollar lautenden US- oder FED-Note.

    - Bezüglich der Eigenschaft als Zwischentauschmittel schwanken die Wertigkeiten der drei Währungen frei gegeneinander (kann ja auch gar nicht anders sein), wobei die Kaufkraft der FED-Noten eigentlich nur die Richtung nach unten kennt und die US Notes wie bereits erwähnt eigentlich nur noch als Sammlerstücke Bedeutung haben, als solche aber teilweise als extrem wertvoll angesehen werden.

    Alle Klarheiten beseitigt? Wenn nicht, denkt mal darüber nach, was es eigentlich bedeutet, wenn heute gesagt wird: "Der Goldpreis beträgt $1.500/Oz.". Und darüber, was die neue Regelung in Utah nun eigentlich bedeutet.

    Gruß
    Ludwig


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  • Remonetisierung von Gold und Silber in Utah - Mieses von Ludwig, 25.04.2011, 14:10

Es gibt keinen Planeten B, aber einen Plan B: die Finca Bayano Preisvergleich Gold & Silber

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