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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Radioaktivitaet in Trink- und Brauchwasser, Bedeutung, Beseitigung, Gefahren ... das meiste funktioniert so nicht!

    verfasst von CrisisMaven Homepage, 21.03.2011, 13:45
    (editiert von Lektor, 19.05.2011, 16:55)

    > sicher nicht nur mich interessiert, wie radioaktiv belastetes Wasser zu reinigen und zu nutzen ist,

    Das meiste, was hier im Thread empfohlen und an Geraetschaften diskutiert wird (selbstgebastelt oder gekauft) fuehrt nicht zum Ziel:

    a) Radioaktive Belastung kann im Trinkwasser nur auf folgende Arten eingeschleust werden:

    1) Es stammt direkt aus Oberflaechenwasser (Seen, Fluesse), ggf. sog. Uferfiltrat und hat also Kontakt zu radioaktiven Niederschlaegen/Depositionen.

    2) Es wird nach Gewinnung erst verunreinigt (z.B. oben offene Zisternen) vergleichbar a1).

    In allen anderen Faellen stammt es aus Grundwasser, das oft "jahrelang" unterwegs ist (Limnologen sagen: "Grundwasser hat ein Gedaechtnis wie ein Elefant" und meinen damit, wenn man heute einen Liter Altoel in den Wald kippt, kommt er womoeglich erst zehn Jahre spaeter im Trinkwasser an).

    Dass also aus Brunnen, die nicht Uferfiltrat, sondern Grundwasser foerdern, bereits jetzt (erhoehte! es gibt ja auch natuerliche) Radioaktivitaet austreten soll, stimmt bedenklich.

    Nehmen wir es mal so hin, irgendwoher wird es ja kommen, die Behoerden werden sicher eher vertuschen als aufklaeren!

    b) Wie kann radioaktiv verseuchtes Wasser so aufbereitet werden, dass es z.B. wieder trinkbar wird?

    Die "Radioaktivitaet" im Trinkwasser kann nur in drei Formen vorliegen:

    1) Es ist radioaktiver Wasserstoff (Tritium) in die Umwelt gelangt und nun Bestandteil von Wassermolekuelen. Dieses Wasser ist chemisch nicht von normalem Wasser zu unterscheiden. Folglich versagen alle chemischen Verfahren ("Faellung") und auch alle physikalischen Verfahren zu dessen Reinigung. Mit Tritium im Wasser (und in der Luft, d.h. im eingeatmeten Wasserdampf) muss man leben bzw. sein Wasser woanders beziehen und am besten gleich noch ein Flascherl reine Druckluft dazu. Man haette halt keine Atomkraftwerke bauen sollen ...

    2) Es sind geloeste Gase (i.W. radioaktive Edelgase) im Wasser. Eher unwahrscheinlich, sei aber der Vollstaendigkeit halber erwaehnt. Diese koennen durch Erhitzen auf 100 Grad bzw. Kochen ausgetrieben werden, denn Wasser am Siedepunkt loest kaum noch Gase (Loeslichkeit von Gasen in Fluessigkeiten sinkt mit der Temperatur!).

    3) Die Hauptbelastung duerfte auf geloeste Stoffe zurueckzufuehren sein. Diese lassen sich nicht mit Aktivkohle- oder sonstigen Porenfiltern herausfiltern, denn sie sind ja in Loesung!!! Einzig durch Verfahren der Wasser-Demineralisation (z.B. Umkehr-Osmose) oder der Destillation (das kondensierte Wasser im Topfdeckel ist destilliertes Wasser!) helfen hier oder die chemische Faellung. Zu letzterem muesste man aber erst wissen, was genau drin geloest ist, nur dann kann man in Einzelfaellen ein Faellungsmittel bestimmen, das dieses geloeste Salz in ein unloesliches umwandelt, das dann "ausfaellt".

    Dies sind die einzigen drei Methoden, die bei den zu erwartenden Belastungen helfen koennen, alles andere ist Augenwischerei.

    In Aktivkohle treten zwar vereinzelt durch Adsorption Verzoegerungseffekte auf, aber alle beschriebenen Filter sind nur fuer Schwebstoffe geeignet, nicht fuer geloeste Stoffe. Was als Grundwasser oder Uferfiltrat austritt, hat aber keine Schwebstoffe, jedenfalls wird kein Wasserwerk Wasser mit Schwebstoffen in seine Versorgungsleitungen pumpen!!!

    > und würde mich über entsprechende Hinweise freuen. sicher besonders auch jene, die Leute vor Ort wissen (allerbeste Wünsche).

    Hiermit geschehen - wer kann es ins Japanische uebersetzen?

    Ich spare mir Kommentare zu den einzelnen Verfahren, da sie oben widerlegt wurden.

    > Letzte Frage: ist möglicherweise belastetes Wasser als Nutzwasser einsetzbar:
    > - Wegreinigung,

    Ja, aber wenn der Weg vorher unbelastet war, und nun belasteter waere durch das "Reinigungs"-Wasser, dann nicht. Bevor aber radioaktiver Staub von einem belasteten Weg aufsteigt, giesse ich ihn lieber auch mit radioaktivem Wasser!

    > - Koerperpflege,

    Nein! Auch ueber die Haut nimmt man geloeste Stoffe z.T. auf. Wenn aber man sich eine groessere Kontamination abwaschen will, als im Waschwasser ist, dann ja (etwa nach einem radioaktiven Regen oder Staubbad - allemal Duschen).

    > - zum Abspülen,

    Theoretisch nach dem Abtrocknen besser, als eine Infektion durch ungewaschenes Geschirr riskieren - aber bei stark belastetem Wasser natuerlich nicht. Geht auch nicht: so stark belastetes Wasser wuerde nicht mehr in die Leitung gepumpt. Also mit Augenmass spuelen. Wenn verdunstet ohne Schlieren ist auch die geloeste Radioaktivitaet weg. Die Wasserflecken aber enthalten die geloesten ggf. radioaktiven Salze!!!

    > - Waeschewaschen,

    Abwaegung: Wird die Waesche dadurch weniger radioaktiv, d.h. war sie selbst belastet, etwa durch Staub? Jedenfalls: Je staerker geschleudert wird, desto weniger Wasser an der Faser. Denn im Restwasser sind ja die geloesten radioaktiven Stoffe, die nun auf dem Stoff eintrocknen und dann ueber Atmung (Staub) und die Haut (Schweiss loest Salze) aufgenommen werden koennte.

    > - Kochen?

    Dampfgaren ohne Wasserberuehrung ist, wenn es um geloeste Stoffe geht, nur zu einem hundertstel so problematisch wie wenn man z.B. eine radioaktiv bis dahin unbelastete Kartoffel nun im radioaktiven Wasser kocht. Dann z.B. "Rohgebratene" draus machen!

    > Vielen Dank für alle sachkundigen Hinweise!

    Die Sachkunde sitzt derzeit im Gelben Forum, der Rest der Welt spekuliert ...

    Hinweis: Das war alles abstrakt - was aber heisst "belastet"? Es kommt natuerlich auf die Menge an.

    ---
    Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
    Atomkraft | in English

    

    gesamter Thread:

  • Reinigung radioaktiv belasteten Trink- und Nutzwassers? Hilfe für Japan - azur, 21.03.2011, 11:20

Wandere aus, solange es noch geht.


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