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ZITAT »Es wird die Rechtssicherheit sein, die an allen Ecken und Enden wegbröckeln wird.«

    Permakultur ist hochgradig produktiv

    verfasst von Konstantin Homepage E-Mail, 21.02.2011, 08:24

    Hallo Mephistopheles,

    > Ich habe vor Jahren einen Schrebergarten gepachtet. Und versuche seither
    > das zu ernten, was die Schnecken und Wühlmäuse oder Vögel übriglassen,
    > und das, was nicht von Braunfäule oder Kohlläusen oder Monilia befallen
    > ist, zu genießen.
    > Natürlich bin ich selber schuld, weil ich die ganzen gutgemeinten
    > Ratschläge der Nachbarn, sie hätten da ein Mittel, und das hilft 100%ig!
    > [[zwinker]] , in den Wind geschlagen habe.

    Gut, dann hast Du immerhin etwas Erfahrung mit den göttlichen Regulatoren.

    Allerdings ist die Nutzung eines "Schrebergartens" eine geistige Herausforderung, die ich mir nicht antue. Man betrachte nur die Gedanken des Herrn Moritz Schreber zur Kindererziehung. Zu seinen Ehren wurde der Schrebergarten "Schreber"garten genannt. Da verwundert es nicht, dass die Vorschriften in Schrebergärten (Flächenaufteilung, Rasenmähen bis hin zu radikalem Baumschnitt) gewisse Ähnlichkeiten mit den Korrekturgedanken des Herrn Schreber haben. Mit wahrer Natur und mit Permakultur haben Schrebergärten so gut wie gar nichts gemein.

    Da ist es nur logisch, dass natürliche Regulatoren, Schädlinge genannt, die krankhafte Fehlstruktur niedermachen wollen um wahrer Natur zum Aufblühen zu verhelfen. Mit viel Gewalt, Maschinen und Gift kann man diese Regulatoren verdrängen und eine scheinbar natürliche, jedoch wahrhaft nur künstliche Scheinwelt aufbauen. Diese Handlungsweise in ökonomische Verhältnisse umzurechnen kann nur zu aberwitzigen Niedriglöhnen führen weil der Aufwand in keinem sinnvollen Verhältnis zur Ernte stehen kann.

    > Nach meiner Schätzung, ... wirft Gartenbau o... hierzulande einen Ertrag
    > von max. 50-80 ct. pro eingesetzte Std. Arbeitszeit ab.

    Ich kalkuliere bei meinen permakulturellen gärtnerischen Tätigkeiten generell 30 Euro pro Stunde als angemessenen Stundenlohn.
    In anderen Worten: Gemüse, für das ich eine Stunde brauche für Anbau, Pflege, Ernte biete ich an für 30 Euro. Und ich bekomme es auch!
    Da gleiche gilt für Honig und Met von meinen Bienen. Als Beispiel: Ich verlangte letztes Jahr 15 Euro pro 500 Gramm Honig und habe die Ganzjahresproduktion innerhalb weniger Tage unters Volk gebracht.

    > Sie benutzen die Permakultur als Marketinginstrument und beziehen ihr
    > eigentliches einkommen aus anderen Quellen.

    Permakultur ist sicher auch ein Marketinginstrument. Meine Kunden zahlen gerne hohe Produktpreise eben weil ich Permakultur betreibe. Sie besuchen gelegentlich das Projekt und freuen sich genau zu wissen wo die Produkte wachsen und gedeihen. NUR mit transparenter Produktion kann man diese hohen Preise erzielen. Mit einem Verkauf an den anonymen Großhandel hätte ich keine Chance. Aber das will ich auch nicht. Meine Produktionsmenge würden dafür nicht reichen. Ich mache lieber kleine Mengen in einem vielfältigen Paradiesgarten und biete sie zu hohen Preisen an als mit Billiganbietern konkurrieren zu wollen.

    Der Hauptertrag ist jedoch die eigene Versorgung mit hochqualitativen Lebensmitteln. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Krankheitskosten. Meiner Ansicht nach spart Eigenanbau Geld in unendlicher Höhe weil selbst geerntete Lebensmittel in ihrer Qualität unmöglich verglichen werden können mit anonym hergestellter Massenware.

    > DAS meinte ich mit: Permakultur ist parasitär.

    Nein und nochmals nein. Permakultur ist so ziemlich das Produktivste überhaupt. Man braucht allerdings eine längere Anlaufphase bis eine stabile, selbst regulierende Struktur etabliert ist. Für den Aufbau einer Permakultur nutzt man andere Quellen sofern diese vorhanden sind. Sind sie es nicht geht es auch, aber es dauert etwas länger. Die Produktivität einer Permakultur geht ins Unendliche weil die Nutzungsdauer, die Erntedauer ins Unendliche reicht. Demgegenüber sind die Startkosten vernachlässigbar.

    > Ich bewundere z.B. Sepp Holzer für seine absolut geschickte
    > Vermarktungsstrategie und sehe in ihm einen hervorragenden
    > Geschäftsmann.[[top]]
    > Nur glaube ich nicht, das er vom Verkauf der Feldfrüchte des
    > Krameterhofes leben lebt. [[freude]]

    Laut einer seiner Schriften lebte er sehr gut vom Verkauf angebauter Pilze bis GO Tschernobyl ihm den Markt zerstörte.

    > ...ob jedoch die Kunden nach dem G.O. noch genügend Geld haben werden, um
    > sich die Lebensmittel des Permakulturhofes leisten zu können?

    Geld ist hierbei völlig egal. Es gibt etwas zu essen für andere Menschen. Das ergibt fleißige Mithelfer und Gartenbeschützer.

    Keiner von uns "lebt" von seinem Einkommen. Wir alle leben von gesunder Luft, sauberem Wasser und gesunden Lebensmitteln. Das kann man mit Geld nicht kaufen. Weder vor noch nach einem GO.

    > Da stimme ich dir zu.
    > Es ist aber gar nicht so einfach, über Permakultur Informationen zu
    > finden so nach dem Muster von:
    > Wände streichen selbstgemacht!
    > So zimmere ich meinen Stuhl und meinen Tisch selber!
    > So baue ich mein eigenes Bücherregal!

    > oder ich habe sie noch nicht gefunden.

    Permakultur ist eine Philosophie mit unendlichem Zeithorizont. Gerade der Zeithorizont ist allerdings ein Gradmesser des Bewusstseins eines Menschen und auch seiner passenden Position innerhalb einer Firma. Ein Filialleiter muss einen weit größeren Zeithorizont besitzen als ein Tagelöhner der nur Regale einräumt. Ein Konzernchef beispielsweise sollte einen Zeithorizont von mindestens 50 Jahren haben um seinen Job gut erfüllen zu können (siehe dazu ausführliche Darlegungen im Buch "Delphinstrategien"). Die überwiegende mehrzahl der Menschen hat heutzutage einen Zeithorizont von maximal einem halben Jahr (z.B. Urlaubsplanung mit 6 Monate Vorlauf).

    Um Permakultur erfolgreich zu verwirklichen muss man zuerst in seinem Inneren arbeiten und den bewussten Zeithorizont ausdehnen. Man muss erkennen woher man kommt und wohin man geht. Man sollte die Wirkungen der eigenen Handlungen auf mindestens 7 Generationen erahnen können. Das führt leicht dazu, dass der Verstand aussetzt und man nur mit dem Gefühl weiter kommt. Doch gerade hierbei sind wie Mitteleuropäer eher wenig trainiert.

    Als ein kleines Beispiel nenne ich meine permakulturelle Lehrmethode des Obstbaumschnitts:

    Ich erkläre nicht dass man hier oder dort schneiden solle. Sondern ich erkläre, dass der Interessent sich verpflichten muss seinen Baum die nächsten 20 Jahre zu schneiden, bzw. zu pflegen und ihn nicht absägen darf.

    Ein abgeschnittener Ast ist ab, für immer und ewig. Wenn der Lernwillige erkennt, dass er die Folgen seines Tuns über weit mehr als 10 Jahre hinaus tragen und korrigieren muss, dann wird er zögerlich mit einem Eingriff. Und das ist gut so!

    Ich "schneide" teilweise meine Obstbäume nur das Ausbrechen einzelner Knospen. Das erspart mir die Fehltriebe des Folgejahres ein Jahr später wegschneiden zu müssen.

    Abschließend noch ein Gedanke zur Ökonomie von Permakultur:
    Sicher ist das Verbraten von Vorräten ein beeindruckendes Feuerwerk. Aber nach dem Schauspiel bleibt nur Asche übrig. In anderen Worten: Energiespeicher (z.B. Wald, Humus, Erdöl) innerhalb weniger Jahre zu verbrauchen ergibt selbstverständlich eine "billige" Energie, die jedoch nur kurzfristig verfügbar ist. Wenn ich den ROI ansehe habe ich bei falscher Berechnung einen hohen Return weil ich nur den Arbeitsaufwand berechne ein Streichholz anzuzünden. Wenn ich jedoch berechne wie lange welche Energiemenge aufgenommen und gespeichert wurde habe ich in der Kalkulation ein extrem hohes Investment. Dies ist zwar nicht von mir eingetragen worden, aber es steckt in dem Energiespeicher drin.

    Bei langfristiger Betrachtung hat daher jede Permakultur ein extrem hohes ROI während jegliche mechanisierte, erdölbasierte Landwirtschaft gnadenlos niedrig liegt.

    Wir haben uns aktuell nur daran gewöhnt, dass Energie (scheinbar) billig ist. Wir leben hierbei jedoch von den Investments der Ahnen (dazu zähle ich auch Bäume, Humus und Erdöl) und verbrauchen die Rohstoffe der Enkel. Anders gesagt vergleiche ich das Verhalten der Menschheit mit einem Drogenabhängigen. Energiesucht ist das Stichwort. Nur hilft es nicht viel Heroin durch Methadon zu ersetzen. Es braucht eine Entziehungskur. Davor bedarf es jedoch der Erkenntnis der Suchtkrankheit. Und solange dies nicht eingetreten ist macht Therapie keinen Sinn.

    Permakultur ist in diesem Sinne eine Therapieform und ein sinnvoller Lebensstil nach der Kur.

    Viele Grüße
    Konstantin


    gesamter Thread:

  • Ökodörfer und Gemeinschaften in Europa - seby, 17.02.2011, 15:34

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