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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    "Krisenfeste Gemeinschaft" - Kleiner Zwischenbericht

    verfasst von pjotre E-Mail, Schweiz, 02.02.2011, 11:04

    Hallo in die Runde!

    Im Anschluss an unser Posting OT: Familie für krisenfeste Gemeinschaft gesucht und der Strategie des zweiten Schrittes möchten wir hier einen kleinen 'Zwischenbericht' veröffentlichen.


    Inzwischen hat unser 'Neo-Tribe im Aufbau' das erste Halbjahr an seinem neuen Wohnort herumgebracht. Stattdessen könnte man auch sagen, dass wir von dem ersten Halbjahr herumgebracht wurden, da wir mit unglaublich viel Arbeit konfrontiert waren und manchmal Zeit und Energie für das aktive Steuern unserer Arche fehlte. Neben der Notwendigkeit Brötchen zu beschaffen (wir alle arbeiten in Teilzeit) und dem täglichen Haushalt, haben wir bisher nur einen Teil unserer Bauvorhaben realisieren können. Auch mussten unsere Vorsorgeprojekte oft wegen Zeitmangel leiden. Für die nächste Zeit gibt es also noch genug zu tun, so dass ich nicht damit rechne, dass innerhalb des nächsten Jahres irgendwann Langeweile drohen könnte...

    Der 'Neo-Tribe im Aufbau' umfasst nun drei Paare und zwei Kinder im Alter von vier bzw. knapp fünf Jahren. Jede Familie lebt in einem privaten ca. 70-80 m2 umfassenden Wohnbereich, der Schlafzimmer, Büro und Wohnzimmer beinhaltet. Badezimmer (zwei) und Toiletten (vier) werden im Moment noch gemeinsam genutzt, da noch einige Neu- und Umbauten ausstehen. Gemeinsam genutzt wird ausserdem eine grosse Küche und ein sogenannter 'Freiraum', der für verschiedene Aktivitäten bereit steht. Ein Bereich ist dort mit 20 m2 Judomatten ausgelegt. Entweder toben hier die Kinder, oder aber die Erwachsenen. Die Kinder bauen alle möglichen Hütten und Burgen, verlegen Rohrsysteme quer durch die Landschaft oder erschliessen den Wilden Westen mit der Holzeisenbahn. Wenn dann wieder aufgeräumt ist, findet alle zwei, drei Tage ein Krav Maga-Training statt, bei dem sich die 'Alten' prügeln dürfen. Manchmal beginnt der Tag im Freiraum auch mit dem Morgengruss. Ansonsten ist angedacht, dass im Freiraum ab und zu eine Party, ein Kurs oder ein Filmabend stattfinden sollen, was bisher alles jedoch nur selten zustande kommt. Manchmal ist der Freiraum auch ein Vollraum – dann muss er nämlich Mengen von Baumaterialien usw. aufnehmen.

    Das Gästezimmer ist ebenfalls fast fertig und hat schon viele Besucher beherbergen dürfen. Demnächst wird sich hier eine befreundete Psychologie-Studentin samt Schlittenhund für ungefähr zwei Monate einquartieren um an ihrer Doktorarbeit zu schreiben.

    Aktuell sind wir dabei eine kleine Sauna mit Nassbereich zu bauen. Damit man die Sauna nicht mit dem Kopf durch die Wand betreten muss, haben wir gerade einen Wanddurchbruch vorgenommen: In Zukunft wird man die Sauna durch die kleine Folterkammer (hier steht ein grosses Fitnessgerät) betreten können. Als nächstes müssen Kanäle für Zu- und Abwasser aus den Wänden gehauen werden, anschliessend gilt es Leitungen zu verlegen und alles schön zu Fliesen. Hierin können unsere Frauen übrigens bereits dem lokalen Fliesenleger Konkurrenz machen. Überhaupt ist es toll mal vom Computer wegzukommen und selbst irgendwo Hand anzulegen. Sollten wir hier fertig sein bevor G.O. in voller Härte zuschlägt, könnten wir evtl. auch einen Innenausbaubetrieb aufmachen...

    Nur auf dem Papier besteht im Moment der Raum, in dem später alles wertvolle Papier untergebracht wird: die Bibliothek. Wie unschwer zu erraten ist, sollen hier in Zukunft unsere Bücher (und diverse DGF-Ausdrucke...) systematisch abgelegt werden. In einer kleinen Teeecke kann man sich dann diverse Getränke zusammenbrauen um die Lesezeit zu verlängern. Die riesige Terrasse ist ebenfalls von dort aus betretbar.

    Begonnen haben wir bereits mit den ersten Anbauversuchen: Fünf verschiedene Kartoffelsorten haben wir auf dem Acker hinter dem Haus angebaut und geerntet. Leider waren wir von den getesteten Sorten nicht sonderlich begeistert – die Steine drum herum waren oft grösser als die Kartoffeln selbst... Vielleicht war unser Ansatz, möglichst alte, widerstandsfähige Sorten anzubauen, nicht unbedingt ertragsfördernd? Mit dem Düngen hat es übrigens auch noch nicht so gut geklappt, aber man kann halt nicht alles gleichzeitig in Angriff nehmen. Im letzten Jahr ist wohl die Kartoffelernte generell nicht so berauschend gewesen. Wichtig ist aber, dass wir erste Erfahrungen gemacht haben und dass das erste Stück Land urbar ist. Die Gartenbau-Pläne reifen langsam heran, wobei vor allem über die verschiedenen Samen noch viel recherchiert werden muss.

    Kurz bevor es mit dem Schneefall so richtig los ging, haben uns die Nachbarn dann noch einmal ein Stück Grünland umgepflügt und gedüngt, auf dem wir dann im Frühling so richtig loslegen möchten.

    Überhaupt sind die Kontakte mit unseren Nachbarn, allesamt Bauern, von denen die meisten auch ein gutes Stückchen entfernt wohnen, sehr positiv angelaufen. Vor dem Umzug hatten alle von uns immer wieder Bedenken, dass wir hier auf grosse Probleme mit den Einheimischen stossen könnten, was im Hinblick auf ein Krisenszenario natürlich nicht unbedingt beruhigend war. Deshalb sind wir von Beginn an mit den Nachbarn in Kontakt getreten. Nach der Überwindung ihrer anfänglichen Ängste, hier könne sich eine neue Sekte breitmachen, haben wir inzwischen viele sehr positive Begegnungen gehabt und einiges Potential für engere Beziehungen entdeckt. Glücklicherweise scheint die Nachbarschaft auch nicht zerstritten zu sein. Im Gegenteil, alle bisherigen Kontakte waren stolz darauf, dass man sich hier oben so gut versteht. Mehrfach wurde aber auch bekundet, dass die Kontakte zu den anderen Höfen früher enger waren, man sich jetzt einfach nicht mehr so oft sehen würde (TV lässt grüssen?). Ein erster 'Nachbarschafts-Event' in unserem Hause ist ebenfalls in Planung: Ein Jassturnier. Die Deutschen unter uns werden wohl vorher noch etwas üben müssen, aber Skat und Doppelkopf sind doch eine gute Grundlage für das Jassen... Es wäre toll, wenn wir eine Plattform für den nachbarschaftlichen Austausch aufbauen könnten, so dass die Leute wieder mehr Gelegenheiten für ein gemütliches Gespräch finden würden... Gerade auch in schwierigeren Zeiten wird natürlich der Zusammenhalt und Austausch wichtig – vom Traum der vollständigen Autarkie haben wir uns lange verabschiedetet. Starke Allianzen und wechselseitiges Helfen sehen wir als einzig gangbaren Weg – sofern man nicht den Pfad der Menschlichkeit verlassen will.


    Nachdem wir nun einen ersten Teil der Umbauten realisiert haben und die wichtigsten Räume funktional fertig sind, rückt die Krisenvorsorge auch wieder verstärkt in den Blickwinkel: Vorratsbeschaffung, das Aneignen von Fähigkeiten (z.B. Wehrhaftigkeit, medizinische Themen), die Bereitstellung krisensicherer Technologie (Holzheizung, Holzvergaser) und vieles mehr steht auf dem Programm. Für jeden Geschmack ist da etwas dabei und jeder fühlt sich für andere 'Ressorts' zuständig. In regelmässigen Sitzungen kommen wir zusammen, berichten aus den Ressorts und besprechen das weitere Vorgehen.

    Neben diesen direkt auf die Vorbereitungen fokussierten Themen beschäftigt sich der eine oder andere aus der Gruppe natürlich auch mit ganz anderen Themen. Und sofern er das Gefühl hat, dass die anderen von seinen Recherchen profitieren könnten, darf er gerne einen kleinen, ungezwungenen Vortrag halten und zum Abendprogramm beitragen. Auch hier hoffen wir, dass wir in Zukunft eine Art Plattform für spannende, halböffentliche Vorträge aller Art bieten können und dass ein paar handverlesene Teilnehmer von Aussen ab und zu den Weg zu uns finden werden. Klar ist einfach, dass hier kein Platz für Frömmler, durchgeknallte Esoteriker und deren Hirngespinste geschaffen wird; Missionare müssen leider draussen bleiben (werden an die Kette gelegt).

    Neben vielen praktischen Arbeiten und dem Theoretisieren muss natürlich auch viel über Persönliches diskutiert und manchmal auch gestritten werden. Damit die Diskussionen um heikle Themen möglichst fair und konstruktiv geführt werden können und nicht zur Schlammschlacht verkommen, versuchen wir auch Konzepte wie die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) anzuwenden. Unser Ziel dabei ist, ein Kommunikationsumfeld zu schaffen, in dem Probleme angesprochen und angegangen werden können. Dies bringt für die Einzelnen Neo-Tribe-Mitglieder viel Arbeit mit sich selbst, mit dem Partner und mit der Gruppe. Das ist zwar immer wieder energie- und zeitaufwändig, aber für die Persönlichkeitsentwicklung und die Gruppenentwicklung sehr fördernd. Wir sind der Meinung, dass eine zukunftsfähige Gemeinschaft nicht nur auf materieller Vorsorge basieren kann.

    Wer bis hier mitgelesen hat, ohne dabei eingeschlafen zu sein und ohne sich nun in einem Zustand des Sich-über-uns-Lustigmachens zu befinden, sondern vielmehr der Ansicht ist, das Leben in einer Gemeinschaft könne nebst Einschränkungen auch grosse Gewinne und Freiheiten mit sich bringen, der soll sich doch noch einmal in Ruhe die zuoberst verlinkten Postings zu Gemüte führen – unser Angebot besteht nach wie vor und unser Tribe ist noch lange nicht komplett. Direkt im Haus gibt es noch Platz, aber auch in der Nähe lässt sich evtl. das ein oder andere Objekt ausfindig machen - das Gelbe Tal lässt grüssen... [[zwinker]]

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    Gruss
    pjotre

    

    gesamter Thread:

  • "Krisenfeste Gemeinschaft" - Kleiner Zwischenbericht - pjotre, 02.02.2011, 11:04

Wandere aus, solange es noch geht.


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