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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Da irrst Du - mit ausfuehrlicher Begruendung ...

    verfasst von CrisisMaven Homepage, 07.12.2010, 15:56
    (editiert von Lektor, 17.05.2011, 16:15)

    ... aber Du befindest Dich in bester Gesellschaft.

    Gehen wir das mal systematisch an - Du nimmst 4 % (Welt-) Wirtschaftswachstum zum Anlass, zu schliessen, dass in 200 Jahren der Weltenergie- und/oder Elektrizitaetsverbrauch das 2.549-fache des heutigen betruege.

    Das sind letztlich lineare Extrapolationen (auch Exponential-Funktionen, deren einzelnen Variablen als konstant angenommen werden, sind fuer mich lineare Hochrechnungen in dem Sinne, dass sie annehmen, „alles bliebe, wie es derzeit ist“).

    Ich vermute, man kann ausrechnen, dass, wenn sich Eisenbahnen so rasant weiter vermehrt haetten wie in den Gruenderjahren (zweite Haelfte 19. Jahrhunderts), dann heute alles bis auf den letzten Quadratmeter mit Schienen bepflastert waere. Und wenn nicht jetzt, dann eben in hundert Jahren. Ist das passiert oder wird das passieren?

    Dasselbe gilt fuer fast alle solche Hochrechnungen. Oft ist es schwierig, den Punkt zu benennen, an denen es so nicht mehr weitergehen kann. Dennoch laesst er sich abschaetzen. Bei Eisenbahnen gibt es sicherlich keine Diskussion, dass eine vollstaendige Bedeckung der Erde mit Eisenbahnschienen keinem vernuenftigen oekonomischen Zweck mehr dient und daher nie erreicht werden koennte.

    Man kann sicherlich einfach abschaetzen, dass jeder Mensch hoechstens zweimal am Tage Bahn faehrt, z.B. hin und zurueck zur Arbeitsstaette (manche fahren oefter, andere gar nicht, mehr als zweimal jeden Tag ist sicher bereits uebertrieben!). Und wohin er fahren will und wohin eher nicht.

    Ok, dann braucht man die maximale Anzahl Menschen, die auf der Erde leben koennten und dann die maximale Menge Menschen, die in einen Zug passen. Auch wenn das mit vielen Unbekannten behaftet ist, macht das nichts: da etwas, das mit 3,5 % im Jahr waechst, sich alle zwanzig Jahre verdoppelt, liegen solche Schaetzungen dennoch immer in Bereichen "plus / minus 20 Jahre", also bei einer Abweichung von 100 % zu 400 % der kleinsten und groessten Schaetzung in den Jahreszahlen stets recht nahe beieinander. Wenn man also mit Steigerungsfaktoren von 3,5 % (Du nanntest 4 %) und mehr rechnet, kommt man, siehe Peak Oil, immer in einem oder zwei Jahrzehnten an einem Punkt an, ab dem man sagt "Das kann nicht sein". Das ist m.E. auch das einzige, was Zukunftsforschung ueber mehr als ein paar Jahre hinaus wirklich leisten kann – naemlich sagen, was sich garantiert nicht (mehr) ereignen wird! Man kann also prognostisch nicht sagen, was sein wird, sondern nur was sein wuerde, wenn alles so bliebe, wie es sich derzeit entwickelt. Man kann aber prognostisch sagen, dass etwas nicht sein kann, weil dafuer heute und in Zukunft alle Voraussetzungen fehlen werden.

    Hier ging es um 200 Jahre und 254.900 % Steigerung. Dabei will ich nicht, das waere in weites Thema, bewerten, ob es Grenzen des Wirtschaftswachstums gibt; ich bin der Ansicht es gibt sie durchaus nicht, aber das heisst nicht, dass jede einzelne Verbrauchskomponente wie Gold, Oel, Weizen, Backsteine und eben Energie im selben Masse wachsen muss wie die monetaer bewertete Wirtschaftsleistung als Ganzes. So hat die Zahl der Pferdekutschen durchaus drastisch abgenommen, und obwohl diese mal das Mass fuer einen gewissen Wohlstand waren, sind Menschen heute dennoch mobiler und wohlhabender.

    Auch hier wieder: Man kann sicher postulieren, dass in einer stetig arbeitsteiligeren Wirtschaft der Bedarf an Informationsaustausch zunehmen wird und Menschen in Zukunft daher verstaerkt Informationsdienstleistungen im weitesten Sinne nachfragen werden, aber ob sich das, wie frueher, in vermehrter Reisetaetigkeit („Handelsvertreter“) oder nur in vermehrtem email-Verkehr niederschlaegt (vgl. Online-Portale im B2C, B2B), weiss man nicht. Man weiss auch, dass Menschen mit zunehmendem Wohlstand mehr Urlaub nachfragen, aber ob sie dafuer in Zukunft immer weiter und mehr reisen werden oder ob der Skiurlaub (siehe Dubais indoor-Skizentrum) zu ihnen nach Hause kommt, das wiederum kann man nicht prognostizieren.

    Unterziehen wir diese Energie-Verbrauchs-Szenarien einem Plausibilitaetstest:

    Prognostizierte Wachstumsraten fuer Elektrizitaet sind hier zu finden:

    http://www.eia.doe.gov/oiaf/ieo/electricity.html

    Hier geht man schon nicht von 4 %, sondern von 2,3 % p.a. aus. Auch das muss nicht stimmen, ich halte all das fuer Kaffeesatz, wie eben begruendet; genauso gut kann eine Kontraktion erfolgen. Wirtschaftsgueter unterliegen einem staendigen Substitutionsprozess. Als ich die 120 geplanten Atomkraftwerke verhindert habe, gingen die Schaetzungen von 7 % Elektrizitaets-Verbrauchssteigerung pro Jahr, also einer Verdoppelung des Elektrititaetsverbrauches alle zehn Jahre, aus. Das war Mitte der siebziger Jahre; kurz danach brach diese Kurve "ueberraschend" (nicht fuer mich) ein. Mittlerweile ist immerhin Konsens, dass der Energieverbrauch hinter dem Wirtschaftswachstum stets zurueckbleibt, nicht jedes Jahr und nicht in jeder Entwicklungsphase, aber generell.

    In 2006 betrug der Welt-Elektrizitaetsverbrauch 16.378,62 Milliarden Kilowattstunden. Bei einem Wirkungsgrad von geschaetzt 40 % bei der Stromerzeugung (Atomkraftwerke nur ca. 32 %, modernste Gasturbinen annaehernd 70 %) entspricht das mindestens ca. 40.000 Milliarden (oder 40 Billionen) Kilowattstunden Primaerenergie.

    Nehmen wir an, das waeren in 200 Jahren, also 2210 ca. 250.000 % mehr (etwas abgerundet, da die Zahl aus 2006 stammt und wir jetzt 2010 haben).

    Dann waeren das im Jahr 2010 sage und schreibe 100.000.000 Milliarden, also hundert Millionen Milliarden oder 100 Trillionen kWh im Jahr. Wuerden die nach wie vor konventionell erzeugt, haette bald jeder ein Atomkraftwerk im Vorgarten oder aber es gaebe keinen Platz mehr, um Baeume zu pflanzen, weil da schon ein „Windspargel“ steht. Wir haben schon damals (1975) ausgerechnet, dass die Prognose der Bundesregierung dazu fuehren muss, dass ca. 2100 jeder Haushalt ein eigenes Atomkraftwerk braucht. Unsere Frage, wann denn, bitteschoen, die Bundesregierung (Herr „Forschungs“minister Matthoefer) meine, dass das mal aufhoere, bekamen wir nie eine Antwort. Natuerlich nicht, denn es ist unwissenschaftlich.

    Schauen wir uns den Primaerenergieverbrauch insgesamt an:

    2008 betrug der Primaerenergieverbrauch ca. 474 Exajoule
    , das sind ca. 13 Billiarden Kilowattstunden (1,31677E+17 kWh).

    Exkurs: Man sieht an diesen Verhaeltnissen auch deutlich, wie laecherlich die Diskussion um CO2-Einsparungen durch Aenderungen im Elektriziaets-Verbrauch / bei der -erzeugung sind! Hier geht es um ein paar Prozent von ein paar Prozent, geredet wird aber immer von 50 % (des geringen Stromverbrauchs) bis 2050 usw. - reine Augenwischerei und zudem eine gigantische Fehlallokation von Ressourcen - weder Atom- noch Sonnen- oder Windstrom reduzieren den Kohlendioxid-Ausstoss messbar! Genauso koennte man den Wassergehalt im Parfuem reduzieren, um den Weltwasserverbrauch zu senken!!!

    In 200 Jahren waeren das nach der besagten Rechnung das 2.500-fache oder ca. 3,25 Trillionen Kilowattstunden.

    Sehen wir uns nun das derzeitige Verhaeltnis von Primaerenergieverbrauch zu globaler Sonneneinstrahlung an:

    „Mostly thanks to the Sun, the world also has a renewable usable energy flux that exceeds 120 PW (8,000 times 2004 total usage), or 3.8 YJ/yr, dwarfing all non-renewable resources.“

    Derzeit also betraegt die Sonneneinstrahlung das Achttausendfache des irdischen Primaerenergieverbrauches. Der Mensch entlaesst also ca. ein Achttausendstel zusaetzliche Waerme in die Erdatmosphaere – vermutlich noch zu wenig, um eine direkte kalorische Erwaermung zu bewirken.

    In den siebziger Jahren jedoch wurden lokal im Ruhrgebiet bereits fast acht Prozent Energie zusaetzlich zur Sonneneinstrahlung verbraucht. Dass Zusatzenergie im Prozentbereich jedenfalls einen deutlich erwaermenden Einfluss auf die Erde haben duerfte, so, als wuerde die Erde langsam, aber sicher sich der Sonne immer weiter naehern, ist hoffentlich wissenschaftlich unumstritten.

    Wenn in 200 Jahren nach Deiner Rechnung der Energieverbrauch das 2.500-fache des heutigen betruege, dann waeren es in ca. 220 Jahren um das Achttausendfache – so viel, als ob neben unserer altbekannten eine zweite, gleichstarke, Sonne aufgegangen waere. Wir Menschen leben nun schon ein paar Jahrmillionen, durch Eis- und Waermezeiten – aber dass wir uns in weniger als drei Jahrhunderten von jetzt ab gerechnet mit einer doppelten Solarkonstante arrangieren koennten, nur "um des Wachstums willen", halte ich fuer arg uebertrieben.

    Daher argumentiere ich seit Jahren, dass die Menschheit sich nicht um die umstrittene Frage kuemmern muss, ob CO2 zur Erderwaermung beitraegt, sondern der Tatsache ins Auge sehen muss, dass langfristig Energie nicht aus zusaetzlicher Erzeugung stammen darf, da sie die Erde erwaermt und das Klima destabilisiert. Das sind physikalische Gesetze.

    Genau deshalb duerfen gerade Atomenergie aus Kernspaltung und schon gar nicht Kernfusion je in nennenswertem Ausmasse eingesetzt werden! Ich begreife nicht, warum das nicht diskutiert wird, das ist einfachster Dreisatz aus Sekundarstufe I!

    Zusammengefasst:

    In absehbarer Zeit, bereits in einigen Jahrzehnten, wuerde, bei anhaltender Primaerenergieerzeugung aus kuenstlichen Quellen bei derzeitigen Steigerungsraten, die Erde unbewohnbar erwaermt werden. Dies hat nichts mit der Frage des Kohlendioxid-Ausstosses zu tun. Im Gegenteil: Die fossilen Energien stammen immerhin aus Sonnenenergie, d.h. –von der abiogenen Theorie abgesehen– aus durch Assimilation gebundenem Kohlenstoff. Man setzt also durch deren Verbrennung nur kurzfristig frei, was langfristig einmal zum Energiegleichgewicht der Erde gehoerte. Das gilt nicht fuer Atomenergie aus Kernspaltung oder Kernfusion. Die durch diese freigesetzten Energiemengen gehoeren nicht zum natuerlichen sonnengespeisten Energiekreislauf der Erde, sondern erzeugen Zusatzwaerme, die unter den genannten exponentiellen Wachstumsszenarien absolut untauglich und selbstmoerderisch gefaehrlich sind, ganz abgesehen von deren aktuellem Gefaehrdungspotential durch radioaktive Verseuchung. Atomenergie hat also in einem langfristigen Energieerzeugungskonzept auf Erden nichts zu suchen. Diese Aussage basiert auf physikalischen Gesetzmaessigkeiten und ist jeder weltanschaulichen Diskussion enthoben.

    ---
    Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
    Atomkraft | in English

    

    gesamter Thread:

  • Strahlende Zukunft: Kernkraftwerke nach dem G.O. - Zarathustra, 05.12.2010, 11:48

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