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ZITAT »Wir ersticken in der Datenflut.«

    Die Gefahren der Atomkraftwerke

    verfasst von CrisisMaven Homepage, 05.12.2010, 16:29
    (editiert von Lektor, 21.04.2011, 13:47)

    > Ich kenne mich da zu wenig aus. Vielleicht gibt es im DGF Experten, die
    > das einmal quantifizieren und in Relation zu Tschernobyl setzen könnten?
    > Was sagen die Survivalisten zu diesem Sachverhalt?

    Also, das ist so:

    1.) Jedes Atomkraftwerk der heute ueblichen Baugroesse (Druckwasserreaktor 1.300 Megawatt [MW] elektrische Leistung) enthaelt im vollen Betrieb ca. das VIERTAUSENDFACHE an Radioaktivitaet wie der Fallout der Hiroshima-Bombe.

    2.) Anders als bei einer Atombombe, bei der die Radioaktivitaet bis weit in die Stratosphaere hinein "geblasen" wird, wuerde bei vollstaendiger Freisetzung das radioaktive Inventar in Bodennaehe freiwerden, d.h. man darf die Wirkung mit einem Mehrfachen ansetzen (d.h. ein Mehrfaches des Viertausendfachen). Dieses ist der groesstmoegliche Unfall, abzugrenzen vom GAU oder groessten anzunehmenden Unfall. Letzterer ist eine mathematische Fiktion der Gutachter, indem moegliche Unfallszenarien, die zu katastrophalen Auswirkungen fuehren koennten, einfach statistisch als "zu selten" ignoriert werden.

    3.) Jedes technisch moegliche Ereignis tritt jedoch irgendwann einmal ein. Das kann auch morgen sein. Es statistisch wegzurechnen ist reine propagandistische Augenwischerei. Tritt das gesamte radioaktive Inventar aus, so sind in bewohnten Gebieten hunderttausende Soforttote und Millionen Tote in den Folgejahren zu erwarten, etwa wenn ein Reaktorblock in Biblis seine Fracht in Richtung der Hauptwindrichtung ueber Darmstadt und Frankfurt am Main "ergiesst".

    4.) Dieses radioaktive Inventar im Reaktor-Druckbehaelter klingt nach Abschalten schrittweise ab. Reaktorbrennstaebe in Abklingbecken haben also scheinbar deutlich weniger Radioaktivitaet in sich als der Druckbehaelter unmittelbar nach Schnellabschaltung oder Unfall. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Was naemlich uebrig bleibt, sind naturgemaess die langlebigen radioaktiven Stoffe (Radionuklide). Das Mass des Abklinges nennts sich Halbwertzeit (HWZ).

    EXKURS: Die Halbwertzeit.
    Radioaktives Material hoert theoretisch niemals zu strahlen auf. Jedoch zerfaellt innerhalb einer bestimmten Zeit das gesamte Material zur Haelfte. Eine HWZ von zehn Tagen bedeutet also, dass nach zehn Tagen die Haelfte zerfallen ist, die andere Haelfte noch nicht, nach weiteren zehn Tagen die naechste Haelfte, d.i. ein Viertel des urspruenglichen. Nach 2 HWZ sind also drei Viertel zerfallen, ein Viertel uebrig, usw.
    Nach zehn HWZ (in diesem Fall also 100 Tagen) ist nur noch ein Tausendstel (2 hoch zehn = 1.024) uebrig.
    Auch dies ist nur die halbe Wahrheit, denn:
    a) auch ein Tausendstel kann noch toedlich viel sein,
    b) aber vor allem zerfallen viele Radionuklide in andere, neue Radionuklide, strahlen also munter weiter.
    Leider sind aber viele Radionuklide deutlich langlebiger - wir haben z.T. nach Millionen Jahren das Vergnuegen, dass erst die Haelfte zerfallen ist - ein Pakt mit dem Teufel ist meist kuerzer als dieser selbstmoerderische Unsinn! Leben konnte sich auf Erden erst entwickeln, als alle diese schon mal vorhandenen Radionuklide weitgehend zerfallen waren, damit ueberhaupt DNS stabil genug bleiben konnte, um Leben zu ermoeglichen. Nun kehren wir den Prozess sehenden Auges um!
    Insgesamt entstehen bei der Kernspaltung des Uran-235 in "herkoemmlichen" Kernkraftwerken weit ueber tausend Radionuklide, von denen mehrere hundert lange genug leben, um im Falle eines Unfalles oder Angriffes ins Freie zu gelangen und jedenfalls bleiben Dutzende uebrig, die ueber Jahrtausende bis Jahrmillionen munter weiter strahlen.

    5.) Was macht einen radioaktiven Stoff potentiell gefaehrlich? Er sendet Strahlen aus, deren Zerstoerungskraft weit ueber denen normaler Roentgenstrahlung liegt, und zwar im wesentlichen Alpha-, Beta- und Gammastrahlen.
    Alphastrahlen sind "schwere Geschosse", naemlich ganze Helium-Atome (http://de.wikipedia.org/wiki/Alphastrahlung). Aufgrund der Stossgesetze der Mechanik richten sie den groessten Schaden an - wenn sie denn treffen (siehe Punkt 6). Wer in der Schule ein Stueck Tafelkreide an den Kopf bekommt, wird kaum ernstlich verletzt werden. Ist es dagegen eine Bowling-Kugel, etwa gleichschwer wie der Kopf, ist meist eine Gehirnerschuetterung, wenn nicht schlimmeres, die Folge.
    Beta-Strahlen sind sehr schnelle Elektronen und Gammastrahlen sind sehr harte Roentgenstrahlen.

    6.) Die Frage ist: Wo befindet sich ein radioaktiver Stoff zum Zeitpunkt seines Zerfalls? Versucht jemand, mir eine Bowlingkugel von hinter einer Wand an den Kopf zu werfen, wird sie bereits an der Wand abprallen. Eine schnelle Gewehrkugel wird vielleicht durchschlagen, aber schwer gebremst. Und Roentgenstrahlen wuerden mich fast ungehindert treffen - aber mich auch fast ungebremst wieder verlassen, also nur einen Teil ihrer Energie bei mir abladen.
    Das tueckische an einem verunfallten Atomkraftwerk ist nun, dass hier radioaktive Stoffe in die Umwelt gelangen, die, einmal entwichen, keine Kraft der Welt je wieder zurueckholen kann. Diese gelangen in die Luft und werden eingeatmet (radioaktives Jod, radioaktiver Wasserstoff [Tritium], radioaktive Edelgase, aber auch Festkoerper als Aerosole). Der Rest wird ueber weite Landstriche verteilt und deponiert und ueber die Nahrungskette aufgenommen. Nach einem grossen Atomunfall ist das betroffene Gebiet fuer Jahrhunderte bis Jahrtausende daher vielleicht nicht immer voellig unbewohnbar (wer dort wohnen will, kann es um den Preis erhoehten Kreb- und Missbildungsrisikos ja tun), faellt aber vollstaendig fuer die landwirtschaftliche Nutzung aus.
    Ein Land wie Deutschland waere auf Jahrhunderte voellig unbewohnbar deshalb, weil es sich nicht mehr selbst ernaehren koennte. Um aber landwirtschaftliche Produkte einfuehren zu koennen, muesste man ja etwas anderes exportieren/tauschen koennen, etwa Industrieerzeugnisse - welche aber kaum Absatz finden duerften. Die Gesundheitskosten wuerden vermutlich ohnehin die Haelfte des Bruttosozialproduktes auffressen. (Wer uebrigens vor einer solchen Atomkatastrophe fliehen will, wird erschossen - mit Radionukliden verseuchten Personen wird die Ausreise per Militaer-Kordon mit Schiessbefehl verwehrt; fragen Sie in Ihrem Landratsamt und Ihrer Bundeswehr-Standortverwaltung nach, welche Absperrbefehle die haben und wo im Keller die entsprechenden Schilder lagern! Ich weiss, wovon ich rede.)

    7.) Aus diesem Grunde sind also Laender mit Atomkraftwerken nicht mehr verteidigungsfaehig. Schon Laender mit Staudaemmen, bei denen flussabwaerts grosse Menschenmengen wohnen, sind militaerisch erpressbar, aber immerhin wuerde bei einem Dammbruch ja nicht das gesamte Land zerstoert, sondern eben nur, wer physikalisch vom Wasser erreicht werden kann. Und danach waere das Land nicht wesentlich verseucht (ja, ja, ein paar Oeltanks sind mit aufgeschwemmt worden ...), und koennte wieder aufgebaut werden.
    Atomkraftnutzer haben aber das Problem, dass sie ihre AKW abschalten muessen, sowie der Krieg absehbar oder erklaert wurde (das sehen alle Szenarien vor, das ist nicht meine "Erfindung"). Dazu werden die Reaktorbrennstaebe ausgelagert (in die von zara geschriebenen Abklingbecken!), um wenigstens das Risiko der Freisetzung zu verringern, denn mit jedem Tage des Nicht-Angriffes klingen ja ein paar Radionuklide mehr ab.

    8.) Andererseits haben die Staaten aber wegen des unloesbaren (nicht etwa ungeloesten! - sondern wirklich unloesbaren) Problems der Wiederaufarbeitung und Endlagerung eben diese Abklingbecken bereits mit den Brennstaeben mehrerer Jahre bis Jahrzehnte vorherigen Betriebes "vollgeknallt". Und diese Abklingbecken weisen keinerlei Schutz gegen ernstgemeinte Angriffe auf, d.h. sie sind mit einfachsten Mitteln zu sprengen.

    9.) All das ist von den Militaers laengst durchgespielt. Die US-Spezialeinheiten (Green Berets) haben das in den sechziger und siebziger Jahren erfolgreich geuebt, die Bundeswehr-KSK hat es in den neunziger und 2000er-Jahren zum Entsetzen der eigenen Planer und der Insassen eines Atomkraftwerks simuliert (Absprung bei mondloser Nacht und Eindringen in ein deutsches "bestgesichertes" AKW!). Alle hoeheren Militaers und Politiker wissen, dass Atomkraftwerke ein Land verteidigungsunfaehig machen, zum einen, weil sie im Konfliktfall abgeschaltet werden mussen und der Strom dann fehlt, zum anderen, weil sie nicht verteidigt werden koennen mit der Folge Millionen Toter bei Einsatz nur einer Bombe..

    Fragen:

    A) Warum werden Atomkraftwerke weiter betrieben und sogar ausgebaut, wenn deren Betrieb mit Sicherheit (Wahrscheinlichkeit ist groesser Null!) zu einem Unfall oder einem beabsichtigten Ereignis mit Millionen Toten fuehren muss?

    B) Warum werden Atomkraftwerke zur "Energiesicherung" ausgebaut oder betrieben, wenn sie im Konfliktfall abgeschaltet werden muessen und deren Strom dann der angegriffenen Volkswirtschaft ersatzlos fehlt?

    C) Was macht ein Land wie Frankreich mit 75% Stromerzeugung aus Atomenergie in diesem Falle? Es faellt auf das Strom-Niveau eines Drittweltlandes zurueck. Und da Frankreich nur 40% des Stromes im Grundlastbetrieb braucht, wohin "entsorgt" es dann die ca. 35% Ueberschusstrom derzeit nachts??? (Atomkraftwerke kann man nicht an- und abschalten wie Gasturbinen).

    D) Was passiert, wenn ein Atomkraftwerk wie beschrieben "verunfallt", wenn bis Frankfurt/Main niemand mehr lebt - wer glaubt eigentlich, dass dann in den Schaltwarten der "intakten" Schwester-Atomkraftwerke noch jemand in aller Ruhe seinen Dienst tut? Wird nicht eher jedes benachbarte Atomkraftwerk und Abklingbecken mit absehbaren Folgen (weitere Millionen Tote) steuerlos??? Und natuerlich, wie von zara angesprochen, was ist die Folge volkswirtschaftlichen Verfalls - wer schuetzte die Pharaonengraeber, als der Lohn ausblieb?
    Alles Fragen, die die Bundes- und Landesregierungen seit 1976 gestellt bekamen, nicht beantworten konnten und deshalb ab 1977 kein Atomkraftwerk mehr genehmigt haben, obwohl bis 2000 weitere ca. 120 geplant waren ...

    Nachtrag: Die Maer vom sicheren deutschen Atomkraftwerk
    War Tschernobyl "unsicherer" als ein deutsches AKW? Nein - in Tschernobyl wurde ein Experiment durchgefuehrt. Ein loebliches Unterfangen, damit wurden u.a. Sicherheitseinrichtungen getestet. Ging leider schief. Was die Frage aufwirft: Warum werden bei uns diese Sicherheitseinrichtungen gar nicht erst getestet? Weil es genauso schief laufen wuerde!!! Noch nie wurde auf der ganzen Welt ein AKW getestet wie die Automobilindustrie das tausendfach im Jahr macht. Nur ein einziges Mal wurde es versucht - und es ging schief.
    Was sagt uns das? Ich erspare mir jeden Kommentar. Dazu Internet-Seiten mit Titeln wie "kernkraft-wissen" zu betreiben wuerde jedem Phrenologen Ehre machen.
    Und warum ging Tschernobyl relativ glimpflich ab? Weil nach offiziellen Quellen nur ein Dreissigstel seines radioaktiven Inventars ausgetreten sein soll! Waere der Rest auch noch ausgetreten und bis zu uns geblasen worden, so waeren Deutschland und fast die gesamte EU auf Jahrzehnte hinaus reines Agrar-Importland!!!
    Warum blieben die restlichen ca. 97% drin? Weil todesmutige Feuerwehrleute und andere Helfer ihr Leben fuer uns geopfert haben - den sicheren Tod vor Augen haben sie das Ding zugeschippt!!! Darf ich fragen, ob die Mannschaften in Biblis, Kruemmel usw. dasselbe zu tun gedenken??? Ich tippe, sie werden als erste Wind bekommen und zu fliehen versuchen, bevor der Militaer-Kordon jede Flucht mit Schiessbefehl unterbindet! Und dann?

    ---
    Mit 40 DM pro Kopf begann die Marktwirtschaft, mit 400.000 Euro Schulden pro Kopf wird sie enden.
    Atomkraft | in English

    

    gesamter Thread:

  • Strahlende Zukunft: Kernkraftwerke nach dem G.O. - Zarathustra, 05.12.2010, 11:48

Wandere aus, solange es noch geht.


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