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ZITAT »Bei den Medien herrscht Schockstarre...«

    Goldpreisdrückung und Aktienkursstützung

    verfasst von paranoia, Die durchschnittlichste Stadt im Norden, 29.07.2010, 15:16
    (editiert von paranoia, 29.07.2010, 15:22)

    > ... die Märkte hochzupumpen (bzw. das Gold runterzudrücken), weil es ein
    > Nullsummenspiel ist, da man sich beim Trading immer wieder eindecken muss,
    > was die Aktionen dann wieder neutralisiert. Erst recht, wenn es so geheim
    > ist, dass davon sogar Graphiken im Netz abrufbar sind.

    Hallo Zarathustra!

    Was Du zu dem Thema "Eindecken" schreibst stimmt fast immer. Für die wenigen Male, wo es nicht stimmt, habe ich ein paar Zeilen geschrieben.

    Zu dem Thema wollte ich mal was längeres schreiben, hatte aber dann gerade keine Lust mehr.

    Also das ganze in Kürze:

    Die Fed kann beliebig viel Geld liefern, aber nur eine beschränkte Menge Gold.
    Eine Goldpreisdrückung kann nur funktionieren, wenn sich die Marktteilnehmer mit Goldforderungen abspeisen lassen.

    Wenn man alle Besitzer von Goldforderungen dazu motivieren könnte in physisches Material zu tauschen, bzw. liefern zu lassen, dann gäbe es den ersten legalen "Corner" der Börsengeschichte.

    Für Anfänger:
    Beim "Corner" kauft der Manipulateur am Terminmarkt die Ware, die er aber überwiegend selber hält. Sein Kontrahent in den Terminpositionen kann die Ware hauptsächlich nur vom Manipulateur bekommen.

    Beim "Squeeze" kauft der Manipulateur am Terminmarkt die Ware in einem Ausmaß, so daß der Terminverkäufer aus Mangel an der billigsten zu liefernden Ware (beim Bund-Future die "Cheapest to deliver"-Anleihe, bei Agrarrohstoffen die schlechteste lieferbare Qualität etc) bessere Ware zum gleichen Preis liefern muß.

    Technisch gesehen ist die Aufwärtsmanipulation des Aktienmarktes überhaupt kein Problem, sie ist sogar einfacher als die Aufwärtsmanipulation einzelner Wertpapiere.

    In den USA wird der S&P500-Future per "Cash Settlement" bei Fälligkeit abgerechnet. Auf Basis der Kassepreise wird der Index gefixt und alle offenen Futurepositionen werden gegen diesen Preis abgerechnet.

    Die Fed müßte also Futures kaufen, denn bei Endabrechnung müßte sie bequemerweise keine Stücke entgegennehmen.

    Wenn nun die Fed Futures kaufen würde, würde sich der Abstand des Futurepreis von dem Kasseindex vergrößern. Irgendwann würden dann Arbitrageure loslegen (z.Bsp. die Kollegen von Jerome Kerviel) und fast risikolos den Index in der Kasse kaufen und den Future short gehen. Sie würden damit eine risikolose Gewinnmarge produzieren, weil sie unabhängig von der Entwicklung von Kassa- und Futuremarkt bei Fälligkeit ihre Marge ausgezahlt bekämen.
    Sie würden ihre Aktien genau bei Fälligkeit des Futures verkaufen.

    Je nach Marktlage könnten die Arbitrageure das Spiel auch umgekehrt betreiben oder ihre Aktienposition und ihre Shortposition im Future vor Fälligkeit liquidieren.

    Leider weiß ich nicht, was aus den gehedgten Positionen der Arbitrageure wird, ob die wirklich bis zur Fälligkeit gehalten werden, oder ganz kurz vorher doch liquidiert werden. Da müßte man sich nochmal genau die Spielregeln und Uhrzeiten angucken.

    Kommt es aber zur Fälligkeit, muß der Arbitrageur seine Future-Position nicht mehr liquidieren, weil die mit der Schlußabrechnung automatisch verschwindet.

    Es entfällt also der Kaufdruck im Future durch die entfallene Glattstellung durch ein eigenes Gegengeschäft. Nichstdestotrotz muß der Arbitrageur seine Aktienbestände liquidieren, das erzeugt einseitigen Verkaufsdruck ohne Kaufdruck im Future, was sich neutralisieren könnte.

    Aus der Sicht des Manipulateurs besteht in diesem Szenario die Gefahr, daß der Markt fällt.
    Hier liegt natürlich ein gewisses Interesse an Intervention.

    Wenn ich selber manipulieren wollte, würde ich grundsätzlich eher an umsatzschwachen Tagen oder in der Nacht agieren, weil ich dann weniger Pulver verschießen müßte um den gleichen kursstützenden Effekt zu erzeugen.

    Macht sie es oder macht sie es nicht?
    Nach der obigen Erörterung folgt hier nun der Glaubensteil mit meiner unmaßgeblichen Meinung.


    Was das Gold angeht, glaube ich, daß die Fed es in der Vergangenheit mit wechselndem Erfolg versucht hat. Das Problem dabei ist halt die Lieferung der knappen Ware, und wenn es hart auf hart kommt, war sie vielleicht gezwungen, daß Gold von Drittstaaten zu veräußern, um liefern zu können.

    Die Preisdrückung funktioniert mittlerweile wohl nicht mehr, wenn denn nicht erpreßbare Staaten wie Russland und China die physische Ware auf dem Markt abnehmen und irgendwann nach einer großen Deflation in der Lage sind, einen Lieferanspruch der eigenen Währung in Gold zu versprechen, wenn es notwendig erscheinen würde.

    Bei der Aktienkursstüzung sehe ich die Lage eher umgekehrt. Hier passierte früher nichts und heutzutage umso häufiger etwas.

    Ich vermute allerdings, daß wenn diese Praktiken in Foren moniert werden, eigentlich nur die Tatsache des eigentlichen Tradingmißerfolgs kaschiert werden soll.

    Die Manipulationsvorwürfe erstrecken sich dann ganz schnell auf alle Tradingbereiche, wo man einen Schuldigen sucht.

    Ich find's echt lustig, weil ja die wenigsten zu ihren Börsenverlusten stehen.
    Schlecht maskiert geben sie dann doch die Wahrheit preis.


    Ach übrigens, die "cosher nostra" kannte ich noch gar nicht!
    Damit werde ich bei der nächsten Gelegenheit meinen ehemaligen jüdischen Kollegen ärgern...

    Gruß
    paranoia

    ---
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    gesamter Thread:

  • VT, daß die FED irgendwie in Optionsverfallswochen die Märkte stützt - Fabio, 29.07.2010, 09:56

Es gibt keinen Planeten B, aber einen Plan B: die Finca Bayano Preisvergleich Gold & Silber

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