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ZITAT »Es wird die Rechtssicherheit sein, die an allen Ecken und Enden wegbröckeln wird.«

    O tempora o mores, Zeitgeist

    verfasst von Bär E-Mail, 05.07.2010, 12:02
    (editiert von Moderator, 05.07.2010, 13:39)

    Moin nemo,


    eine interessante Betrachtung von dir.

    Angst. Ich wurde gerade gestern gefragt, wovor ich Angst habe. Ich habe eine Stunde lang überlegt. Mir ist nichts eingefallen, wirklich nichts. Mag sein, dass ich gestern nur einfach einen guten Tag hatte, aber mir fiel definitiv nichts ein.

    Meine Auseinandersetzung mit den möglichen Szenarien - wie ich berichtet habe kamen die Seherszenarien sehr spät hinzu und waren für meine Meinungsbildung nicht maßgebend - hat auch zeitweise Angst ausgelöst. Sehr viel von dem, was ich hier geschrieben habe in den letzten Jahren, hatte mit diesem Vorgang zu tun.

    Die Szenarien haben mir Angst gemacht. Staatsbankrott, Renten werden pulverisiert, für Menschen in der zweiten Lebenshälfte eine deftige Vorstellung, Versicherungen verfallen wertlos, "Werte" wie Anleihen, Aktien, Sparbücher etc. lösen sich in Wohlgefallen auf, das System ist so komplex, verflochen und fragil, dass es durch kleine Sandkörner im Getriebe stehen bleiben kann, der Kampf um die verbleibenden Ressourcen im Kleinen beim Kampf um die Gehälter, im Großen der Kampf um Öl und Macht, das alles löst Ängste aus. Diese Ängste sind berechtigt.

    Dies führte bei mir dazu, dass ich überlegt habe was der Mensch wirklich braucht um zu existieren. Mein Fazit hast du vielleicht schon gelesen von mir: Gesunde Nahrung, sauberes Wasser und ein warmes, trockenes Heim.

    Das braucht der Mensch. Den Einwand, auch andere Menschen zu brauchen, füge ich gern hinten dran.

    Ich brauche den Porsche nicht als Zweitwagen, ich brauche kein Gucci, Armani, keine Designerklamotten, keine Rolex mit Diamanten. Das was ich bin, wie ich bin, ist mir genug. Um anderen Menschen zu imponieren, um Geltung zu erlangen, benötige ich keine Aushängeschilder, Sterne am Auto, eine Yacht im Mittelmeer, eine Villa. Nur das saubere Wasser, gesundes Essen und das warme, trockene Heim und mich selbst.

    Wenn sich nun die Bedürfnisse derart minimieren, dann beginnst du frei zu werden. Du lachst an der Kasse, wenn sie dir für die komischen Baumwollzettel so viele gute Dinge hergeben. Das Hamsterrad, in dem wir drehen, erscheint dir immer mehr als völliger Unfug. Du verstehst, dass du so Wieles nicht brauchst. Du kannst es (noch) haben, aber wirklich brauchen? Nein.

    Und dann begann ich, meine Konzepte zu entwickeln. Konzepte, die mir die Dinge, die ich brauche, sichern, meine drei Säulen. Und weg waren die Ängste.

    Natürlich kommt es nicht so, wie ich es mir heute denke, natürlich kommt es irgendwie anders. Aber das, was ich tun kann, habe ich getan oder tue ich noch derzeit.

    Ja, es würde mich, ohne jede Sehung zu berücksichtigen, sehr überraschen, wenn die geostrategische Entwicklung, ja die fast automatisch ablaufende Entwicklung, nicht auf den WK III hin führen würde. Aber nemo, meinst du wirklich, dass ich unglücklich wäre, wenn es nicht so käme? Kein WK III?

    Herzlich gerne können alle Horrorszenarien entfallen. Entfallen sie nicht, bin ich vorbereitet und nutze meine Weitsicht, vorgesorgt zu haben. Angst hätte ich nur, wenn ich die Szenarien gesehen hätte, gelesen hätte, mich nicht vorbereitet hätte und sie würden eintreten.

    > ... Der Evolutionssprung hin zum Bewusstsein.
    > Diese Möglichkeit behält das Universum für uns bereit.

    Ja nemo, das wäre schön. Aber mit der Spezies homo sapiens sapiens wird das auf dieser Grundlage niemals funktionieren. Sieh dir die Raucherdiskussion an. Egoismus pur. Der Raucher, egoistisch, will weiter rauchen, der Nichtraucher will es ihm ebenso egoistisch verbieten. Machtkämpfe um Dinge, die den anderen doch gar nichts angehen. Ein Minimalkonsens? Fehlanzeige.

    Nein nemo. Über einen Bewußtseinssprung unterhalten wir uns erst, wenn die Welt in Schutt und Asche liegt. Vorher wird diese zur Bestie mutierte Gattung keine Bereitschaft haben, ihre Einstellung zu überdenken. Heute mit diesem verfahrenen System, mit dem unbändigen Machtanspruch, Geiz ist geil, wer den dicksten Wagen fährt ist erfolgreich, beneidenswert, Schöheit, Jugend, schlank sein zählt, aber Weisheit, Ehre, Treue sind nur für ein paar ewig Gestrige, die Verlierer gut. Ackermann ist ein toller Hecht wie er abzockt, erfolgreiche Spekulanten sind Helden, Gates ist ein Gott und der reichste Mann der Welt ist das Idol dieser Menschheit.

    Warum sollte sie von heute auf morgen ihre Einstellung ändern können?


    > ...dann
    > bleibt zum Schluss ein Angstszenario übrig. Die Angst
    > vor Naturkatastrophen, Armut, Krieg, Zerstörung und Hunger.

    Diese Sicht teile ich nicht. Ja, ich habe Szenarien mit Naturkathastrophen, Armut, Krieg, Zerstörung und Hunger in meiner "Sammlung". Und ich denke sie zu Ende. Ich suche nicht das Problem, ich suche die Lösung. Und diese Lösung hat dann rein gar nichts mehr mit Angst zu tun.

    Am Wochende war ein Treffen mit einigen Foristen. Frag sie mal, ob ich Angst ausgestrahlt habe. Ich schätze mal, sie lachen dich schallend aus.

    Gerade die konstruktive Auseinandersetzung mit der Entwicklung nimmt die Ängste. Versuch dir mal vorzustellen, was dich für eine Angst befallen wird, wenn das Internet ausgeschaltet ist und in deiner Erinnerung sind noch Bruchstücke von diesem Seherunfug. Und dann passiert etwas, was in diese Richtung geht und noch etwas und noch etwas. Ich habe dann auch keine Angst.

    Aber stell dir vor, du wohnst dann im Ballungsraum, ohne Vorräte, mit wertlosen Versicherungspolicen, pulverisierten Rentenansprüchen, ohne dich wehren zu können, wenn sie vor deiner Tür stehen und sie beginnen, diese mit einem Hammer einzuschlagen. Ganz sicher bekomme ich dann auch einen Adrenalinkick. Aber Angst?

    Warum sprichst du von Szenarien, wenn du von "Naturkatastrophen, Armut, Krieg, Zerstörung und Hunger" sprichst?

    Die exorbitante Zunahme von tektonischen Aktivitäten, die um sich greifende Armut, die vorhandenen Kriege und wachsende Kriegsgefahr (schau mal Richtung Iran, Korea, Pakistan, Indien), in der auch wir hier mitten drin stecken, die Zerstörung in weiten Teilen zivilisierter Länder, ja auch der VSA (schau mal nach Detroit), und der Hunger (so viele Menschen wie heute haben auf diesem Planeten noch nie gehungert) sind bei uns noch fast gar nicht angekommen. Aber global sind diese Entwicklungen bereits seit Jahren in einer dramatischen Entwicklungsgeschwindigkeit.

    Wann, nemo, ist der Zeitpunkt, diese Realität zu akzeptieren? Erst wenn hier Menschen verhungern, bei dir nebenan? Ich gebe dir das traurige Versprechen, egal ob auch nur eine einzige Sehung eintrifft oder nicht, hier in Deutschland werden in diesem Jahrzehnt Menschen verhungern. Ich verspreche dir - ob direkt oder indirekt - Krieg wird auch für uns ein Thema sein in diesem Lande, ich verspreche dir, die Armut hier wird sich so verschärfen, dass auch du sie wahrnehmen wirst.

    Und dann werden Naturkathatrophen, egal ob es mehr werden oder nicht, eine ganz andere Auswirkung haben auf unsere Gesellschaft. Heute reisen Hilfskonvois nach Haiti. Morgen hat niemand mehr die Möglichkeiten zu helfen, weil alle Regierungen mit dem Rücken zur Wand stehen.

    Nein nemo, das Ding jetzt ist global. Und selbst der, der die Augen zumacht, kommt nicht mehr umhin es zu sehen.

    Nicht ein einziger Mensch hier wird sein Bewußtsein weiter entwickeln in die Richtung, die wir beide wünschen. Aber viele der Menschen, die du kennst, die täglich neben dir sitzen, mit dir reden, werden zu Bestien mutieren. Der nette Opa von nebenan wird seine Kettensäge aus dem Schrank holen, wenn er Hunger hat, die süße Blondine wird dich von hinten aufschlitzen, um an deine 10-Euromünze zu kommen. Das ist der Bewußtseinswandel, der jetzt stattfindet. Der Kampf um Überleben hat begonnen.

    Heute, am Abgrund stehend, verdrängt die Masse das unterbewusst vorhandene Wissen, dass es vorbei ist. Morgen sind sie den berühmten Schritt weiter. Und dann, nemo, kommt sie wirklich, die Angst, die kollektive Angst. Wer heute akzeptiert, dass wir hier Bürgerkriegs-ähnliche Zustände bekommen werden (kein Bürgerkrieg an sich hier) und sich vorbereitet, wird morgen keine Angst haben müssen. Wer es heute verdrängt, wird morgen die Realität nicht mehr verdrängen können.

    Gottes Plan? Der Gott heute heißt Mammon. Sein Plan ist ein grausamer. Erst wenn der seinen Plan durchgezogen hat mit allen Konsequenzen, erst dann, nemo, wird der Rest der Menschheit einen anderen "Gott" mit einem anderen Plan zulassen. Aber bis dahin wird viel Blut fließen.

    Der atheistische Bär



    (diverse Rechtschreibfehler korrigiert)

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    Wolfgang Sofsky


    gesamter Thread:

  • Standortdiskussion - @Zara, @Bär, @BB, @all: GO überwintern: WO? - Don_Q, 02.07.2010, 17:18

Es gibt keinen Planeten B, aber einen Plan B: die Finca Bayano Preisvergleich Gold & Silber

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