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    Strategie des zweiten Schrittes

    verfasst von pjotre E-Mail, Schweiz, 07.12.2009, 23:54

    Hallo moneymind!

    Ich denke, dass es höchste Zeit ist, dem sich ankündigenden großen Umbruch auf persönlicher und familiärer Ebene Rechnung zu tragen und in gewisser Hinsicht vorzusorgen. Einfach auf das "Weiter so" zu setzen, den gesamten Einsatz auf den kontinuierlichen Fortbestand unseres "Systems" zu verwetten, halte ich für grob fahrlässig.

    Natürlich weiß man nicht, wie lange das alles noch so weitergeht (man staunt immer wieder...), aber so langsam müsste doch auch dem Letzten klar geworden sein, dass unsere gegenwärtige Gesellschaft mit Vollgas gegen die Wand fährt – entweder morgen, nächsten Mittwoch, oder halt in fünf oder zehn Jahren. Um zu diesem Schluss zu gelangen reicht es eigentlich, sich mal umzusehen was alles exponentiell wächst und wo überall ein Peak bevorsteht bzw. schon überschritten wurde.


    Und wenn es doch noch einmal zehn Jahre so weiter geht?

    Was für mich und andere Mitglieder unseres "Tribes in Aufbau" lange Zeit problematisch war, ist die Schizophrenie, einerseits auf den Fortbestand des Systems zu setzen und andererseits von dessen zukünftigem Untergang auszugehen. So habe ich mich halbmotiviert durch das Studium gekämpft, begleitet von dem ständigen Gefühl, dass eine Tischlerlehre vielleicht die bessere Entscheidung gewesen wäre. So wussten wir alle, dass das Leben in der Stadt keine Zukunft hat – und trotzdem waren wir nicht wirklich bereit ins hinterletzte Dorf zu ziehen und "einen auf Krise zu machen".

    Im Laufe der Zeit wurde klar, dass es uns nicht reicht nur auf physischer Ebene Vorsorge zu betreiben, den Keller mit Nahrungsmitteln und wichtigen Ausrüstungsgegenständen voll zu stopfen, und gleichzeitig in dieser Gesellschaft so gut es geht weiter zu machen. Natürlich ist die physische Absicherung der erste Schritt, der auf jeden Fall gemacht werden muss, aber wenn man hier stehen bleibt hat man nicht genug über die Zukunft nachgedacht und bleibt möglicherweise irgendwie zwischen zwei Lagern hängen: Einerseits kommt man im "alten" System nicht richtig voran, da einem Energie und der Glauben an den langfristigen Ertrag fehlt, andererseits kommt man nicht im "neuen" System an, weil man sich nicht aus den alten Zwängen befreit. Man denkt sich dann z.B. die ganze Zeit, dass man jetzt zwar einlagert und in einem gewissen Rahmen Vorbereitungen trifft, sonst aber normal weitermacht bis es tatsächlich zum Crash kommt, bis sozusagen ein Point of no Return überschritten ist und man sich dann 100% sicher sein kann, dass Game Over kurzfristig richtig zuschlägt und es massiv bergab geht. Die ganz harten Kandidaten, die immer noch in der Großstadt leben, basteln vielleicht noch an einem Fluchtszenario herum und überlegen, was sie alles benötigen um von Berlin in den Schwarzwald zu gelangen.

    Nun stellt sich mir die Frage, was derjenige, der den Crash zwar kommen sah, der aber dem "alten" System trotzdem keine Alternative entgegengesetzt hat, fünf Jahre nach dem Crash denken wird. Aus der Zukunft auf unsere Zeit zurückblickend wird jeder Tag, an dem wir als Individuum keinen weiteren Schritt in Richtung eines tragfähigen Lebensmodells gemacht haben, irgendwie fast wie ein verschwendeter Tag erscheinen.

    Das Problem ist meiner Meinung auch darin begründet, das wir das Gefühl haben, dass die Alternative zu unserer Spass- & Konsumgesellschaft aus einer bedrückenden Bauernexistenz mit 16 Stunden Unkraut jäten besteht. Deshalb möchten wir bis zum Schluss nicht in der Alternative leben und jeder Schritt weg von dem "alten" System ist eine Überwindung. Hier ist es also notwendig mal über den Tellerrand zu blicken und sich von seinen Vorstellungen zu befreien.

    Selbst wenn das System weiterhin halbwegs stabil bleiben sollte und es noch mal viele Jahre so weiter geht muss man sich doch fragen, jedenfalls sofern man die langfristige Stabilität bezweifelt, ob man seine Energie weiterhin in ein untergehendes System hineinstecken will, oder ob man sich nicht lieber schon jetzt weitestgehend verabschiedet und versucht, in eine andere Richtung zu gehen, auch wenn das Ziel vielleicht noch unklar und verschwommen im Nebel liegt. Heute ist es ja glücklicherweise noch relativ einfach möglich den Wandel Schritt für Schritt einzuleiten, so dass man nicht von der ersten Missernte gleich ins Nirwana befördert wird. Wichtig dabei ist aber auch, dass man nicht nur versucht den physischen Fortbestand abzusichern (Nahrungsmittelversorgung / Subsistenz, Wehrfähigkeit usw.), sondern dass man auch ein alternatives, zukunftsfähiges Lebens- und Gemeinschaftskonzept entwickelt und umsetzt. Ansonsten wird man möglicherweise noch vor dem Crash von einer persönlichen Krise heimgesucht...

    Außerdem wäre es ja extrem traurig, wenn man zwar seine Haut retten könnte, dann aber nichts mehr zu Lachen hätte. Gerade wenn es um einen herum extrem chaotisch zugeht und das exponentielle Bevölkerungswachstum schlagartig ein Minus davor gesetzt bekommt wird es extrem wichtig werden, mit Freude und einer Vision weitermachen zu können. Man darf also das ganze nicht nur im großen Krisenkontext sehen, sondern muss sich auch sonst auf die Veränderungen freuen können und eine lebenswerte Alternative zu unserer kranken Konsumgesellschaft schaffen. Neben der Schokolade muss halt auch Spannung, Spiel und Spass dabei sein, sonst wird das ganze etwas langweilig werden, und eben keine lebenswerte Alternative. Eine solche Perspektive muss also entwickelt werden.

    Der zweite Schritt

    Für uns liegt der Schlüssel darin, ein gutes Team aufzubauen, einen New Tribe, mit interessanten und belastbaren Menschen, die ideologiefrei zusammenleben und viele Aktivitäten gemeinsam durchziehen. Kleine Wohneinheiten mit Rückzugsraum und Privatsphäre, große Gemeinschaftsräume für Feste, Theater, Lagebesprechungen und Fernsehabende, einen Fitnessraum und eine Gästewohnung. Reger Austausch nach Innen und Außen sind ein Ziel. Es sollen mehr Leute mit einer bestimmten Einstellung angezogen werden, ein Netzwerk entstehen.

    Wie sich das alles tatsächlich und langfristig entwickeln wird steht natürlich in den Sternen. Egal, wir haben das Gefühl, dass man einfach mal anfangen und einen Schritt nach dem anderen wagen muss, deshalb unser "Projekt Haus": http://www.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=131410

    (@ Zarathustra: Wir haben zwar von der Anzahl her nicht viel Feedback erhalten, dass, was dann aber kam, war viel mehr als wir erwartet haben...)

    Mit der räumlichen Konzentration auf eine Immobilie einhergehend kommt es zu einer Reduzierung der Lebenshaltungskosten, da die Mitglieder ihre teuren Stadtwohnungen aufgeben. Somit steht einer Senkung des Arbeitspensums auf ein (noch) notwendiges Minimum nichts mehr im Wege. Somit werden wieder zusätzliche Kapazitäten für Subsistenz und Gemeinschaft frei.

    Zukunft macht natürlich nur dann wirklich Sinn, wenn die Zukunft selbst im Hause ist: Kinder. Hier heißt es weg von der Kleinfamilie mit ständig überforderten Eltern hin zur gemeinschaftlichen, "tribalen" Erziehung der Kinder in dem Sinne, dass alle um die Kinder kümmern und die Eltern nicht 24 Stunden am Tag über ihren Nachwuchs wachen müssen.

    Mit dem Umzug auf das Land beginnt der Einstieg in die Subsistenz. Natürlich wird es Jahre dauern, bis wir uns tatsächlich mehr oder weniger autonom ernähren können. Gut möglich, dass uns das nie ganz gelingen wird. Gerade auch aus diesem Grund sehen wir die absolute Notwendigkeit mit den umliegenden Bauern gut auszukommen und eben nicht die zurückgezogenen, völlig unabhängigen Einsiedler zu werden. Und wenn der Crash dann eines Tages richtig zuschlägt werden uns die Bauern in unserer Umgebung erst richtig schätzen lernen – wir versuchen nämlich, soweit unsere Ressourcen dies zulassen, für die umliegenden Bauern ebenfalls eine gewisse Vorsorge zu treiben. Glücklicherweise kann man hier mit wenig Ressourcen schon einiges ausrichten: Der "moderne Bauer" besitzt ja in der Regel gar kein eigenes Saatgut mehr, vielmehr kauft er die vorgezogenen Setzlinge im Fachhandel ein. Also heißt es z.B. Saatgut anschaffen: Natürliche & alte Sorten.

    Und wenn es noch einmal zehn Jahre so weiter geht? Umso besser – dann können wir noch zehn Jahre ab und zu bei der Konsumgesellschaft naschen gehen.

    Grüße
    pjotre

    ---
    Gruss
    pjotre


    gesamter Thread:

  • @ alle - zukunftsweisende Strategien für europäische Individuen und Familien - moneymind, 06.12.2009, 18:16

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