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ZITAT »Es wird die Rechtssicherheit sein, die an allen Ecken und Enden wegbröckeln wird.«

    Giralgeld entsteht nur, wenn es in den Kreislauf kommt

    verfasst von Morpheus E-Mail, 09.11.2009, 23:30

    Hallo Atman,

    die reine Vervielfältigung von Geld geht heute einfach und unspektakulär. Das komplizierte Drucken kann man sich wirklich weitestgehend sparen.

    Nur gibt es eine Reihe von Hemmnissen, den Kreislauf der für eine Inflation erforderlich ist in Gang zu bringen. Japan versucht diese Art der Inflationierung jetzt schon seit 20 Jahren und es funktioniert einfach nicht. Dottore hat immer vorgeschlagen, jedem Menschen, vom Baby bis zu Greis 20.000€ schenken, dann kommt die Inflation schon in Gang. Nur solche Aktionen kann kein Politiker wirklich begründen. Was soll so was bringen, wenn man hinterher die Zinsen für diese Verschuldung aufbringen muss.

    Weil solche Verschenk-Orgien eben ausscheiden, bleiben die herkömmlichen staatlichen Mittel der Geld-Expansion und die sind sehr beschränkt. Die Gelder die heute kurzfristig an die Banken ausgeliehen werden, erlauben die Aktien hoch zu treiben, und so die Illusion eines Aufschwungs zu erzeugen. Ein politisches Konzept, das durchaus nachvollziehbar ist. Nur wie alles was aktuell passiert, erzeugt es eine immer extremere Verletzlichkeit. Solange es sanft aufwärts geht, ist alles prima. Nur wenn sich der Trend umdreht, muss in allen Bereichen zügig mit Verlusten gerechnet werden und das bedeutet, Geld muss schnell abgezogen werden. Was wiederum Verluste bedeutet, es wird sehr sehr schnell weiteres Geld abgezogen und so noch weiter abwärts gehen. Aber solange weiter Geld nachgeschoben wird, lässt sich der positive Trend erst einmal fortsetzen.

    Das Problem bleibt die Realwirtschaft. Hier wird nach wie vor Kapital abgezogen und das wirkt sich natürlich aus. Gerade weil dieses Geld eben lieber zum Spekulieren verwendet wird, als Kreditgeschäfte mit der Realwirtschaft zu machen. In der Casino-Wirtschaft kann man als Bank Geld jederzeit schnell wieder abziehen. Wenn man als Bank dagegen Geld in die Realwirtschaft gegeben hat, bekommt man das eben nicht so schnell, leicht und relativ sicher wieder zurück. Warum soll man das also tun, wenn es woanders einfacher, besser und sicherer geht.

    So fehlen in der Realwirtschaft die Nachschuldner und was das bedeutet ist den Debitisten mehr als klar. Insolvenzen auf allen Ebenen. Und jede Insolvenz bedeutet weiter ausfallende Nachschuldner. Ausgebuchte Forderungen (wie jetzt gerade bei Karstadt-Quelle 19Mrd) stehen für den Kettenbrief nicht weiter zur Verfügung und werden weitere Insolvenzen bedeuten. Immer wenn Kredite ausgebucht werden müssen, wirkt das deflationär und mindert das Eigenkapital der Banken. Und die Banken können (noch) weniger neue Kredite vergeben und damit kommt die inflationäre Geldausweitung einfach nicht in Gang.
    Wenn nur der Staat die einzige Quelle für eine Geldvermehrung ist, dann reicht es einfach quantitativ nicht mehr, um bei dem heutigen hohen (Über-)Schuldenstand eine nennenswerte Inflation zu erreichen. Dem Staat gelingt es nicht das Geld dort nachzufüllen, wo es nötig wäre, um Insolvenzen zu vermeiden. Das konnte man bei Quelle sehen und die aktuelle Diskussion bei Opel geht genau in die gleiche Richtung. Die Staatshilfen für Opel werden in dem notwendigen Umfang nicht kommen. Zu viele Leute, die Stimmung dagegen machen. Aus Sicht von GM ist eine Insolvenz ganz OK. Haben die doch bei sich gerade selbst gesehen. Ihre Schulden sind zu 2/3 verschwunden. Solange das Insolvenzrisiko aber weiter steigt, sinkt die Sinnhaftigkeit einer Kreditvergabe durch die Geschäftsbanken weiter ab. Aber nur die vielen Geschäftsbanken könnten das Geld dort "nachfüllen" wo es gebraucht würde. Nur müssen sie das Risiko einrechnen, was beim Staat erst mal keiner tut. Im öffentlichen Bereich verdient keiner weniger, wenn er Steuermilliarden verschwendet. Bei den Bankern sieht das anders aus. Denen werden die Boni gestrichen, wenn sie Staatshilfe in Anspruch nehmen. Das werden die also zu vermeiden wissen. Da sind kurzfristige und risikolose Geschäfte doch die richtige Wahl. Anreize und bilanzielle Möglichkeiten stehen den rein technischen Möglichkeiten der Geldvermehrung diametral entgegen. Deshalb wird es keine "elektronische Hyperinfla" geben.

    Warten wir mal ab. Meiner Überzeugung nach hat nur dottore mit dem Debitismus ein überzeugendes Wirtschaftsmodell vorgelegt, dass die bisherige Entwicklung erklärt und die kommende Entwicklung vorhersagt.

    Grüße Morpheus

    ---
    Es läuft der größte Verhaltensversuch der Menschheit und Du bist dabei!
    Leider sind wir wohl inzwischen in die weniger schöne Phase eingetreten.


    gesamter Thread:

  • wie wirkungsvoll ist eine Hyperinflation bei heutigen elektronischen Verfahren? - Atman, 09.11.2009, 22:03

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