Das Gelbe Forum Forum nach Zeit sortieren Forum nach letzter Antwort sortieren die 150 neuesten Beiträge
ZITAT »Es wird die Rechtssicherheit sein, die an allen Ecken und Enden wegbröckeln wird.«

    Renovatio – oder - die Siedler von Catan versus Monopoly

    verfasst von windstill, 21.10.2009, 18:22
    (editiert von windstill, 21.10.2009, 18:49)

    Die Zukunft, was wird sie bringen. Die Fragestellung ist sicher Alltag geworden zu Beginn des neuen Jahres. Trotz allem hat das alte Jahr 2008 für viele Menschen auf Planet Erde extrem starke Veränderungen ausgelöst. Mehr als sonst üblich wie ich beobachten darf. Und so manch einem Zeitgenossen werden die baldigen Ereignisse vielleicht gar vollkommen überfordern. Somit benenne ich es als die weitere, alte Sehnsucht nach dem wahren SEIN. Der eine stellt sich diese Frage mehr, der andere weniger... dies war immer so und wird es bleiben. Mein Verständnis von Wirtschaft war über die Jahre hinweg sehr durchdringend. Mittlerweile sind über 22 Jahre aktiv und selbständig vergangen und ich kenne alle Spielformen, alle Affektiertheiten dieses Jobs - besonders bei den "Teilnehmern" des vermeintlich "großen Spiels" - in und auswendig. Nichts nach der aktuellen Krise bleibt so wie es ist. Viele Komfortzonen werden verlassen werden müssen - was naturgemäß nicht allen schmecken wird. Auch dabei finde ich mich wieder.

    Ich bedanke mich für die sehr herzliche Aufnahme in eurem Forum und für das entgegen gebrachte Vertrauen. Lange habe ich mir überlegt hier mitzuschreiben. Im "Vorstellungspost" habe ich davon berichtet. Beim aktiven schreiben merke ich jedoch mehr und mehr und dies belastend, daß ich mich am Rande des Forums bewege. Meine Themen sind eher Monolog den Dialog. Bis auf das letzte Thema, was mir aber vieles noch mehr vor Augen führt. Ich bin aufgewachsen in der Wirtschaft, leite ein Unternehmen weiter und habe zwei gegründet. Von den beiden letzten habe ich mich letztes Jahr freiwillig getrennt. Ich bin zur Überzeugung gelangt, daß wir viel zu sehr die falschen Themen beschreiben. Wir sollten uns mehr mit den Begriffen "Eigentum und Vorherrschaft" auseinandersetzen. Ich bin alles andere als ein Gutmensch und vor allem nicht blind. Jedoch eines habe ich gelernt, solange man sich weiter und weiter mit einem Thema beschäftig, es quasi in einer Zeitlinie nur kommentiert und mitverfolgt, tritt keine Veränderung ein. Sie wird nur verzögert. Vor allem jedoch verstehe ich den Sinn des Forums nun ebenso erheblich besser, was ich im Vorfeld, beim reinen mitlesen doch sehr unterschätzt habe. Auch die Wellentheorie interessiert mich dabei sehr. Jedoch nicht zum traden, darin wäre ich nicht gut, da ich viel zu intuitiv handle, hier suche ich den Ausstieg aus den Märkten – dies als reine Selbstreflexion. Nein, die Psychologie hinter den Wellen ist sehr spannend. Das ist der eigentliche Reiz aus meiner Sicht.


    Trotz allem bin ich der Auffassung, daß wir allgemein in eine andere Richtung gehen müssen. Die Welt, in Bezug auf unsere Lebensgrundlage in ein paar Jahren, wird sich grundlegend verändern. Dies wünsche ich auch diesem Forum. Ein weiterer Teil davon, womit ich mich seit meinem 15 ten Lebensjahr beschäftige - der Börse - gilt es jedoch langsam los zu lassen. Sie ist Teil des Systems, ich bin Teil des Systems. Jedoch drängt es mich zum Umkehrpunkt. Nicht mehr und nicht weniger. Wir sind eine Übergangsgeneration, haben noch sehr viel aufzuarbeiten. Aber wir, die wir nun soviel Wissen haben, sollten auch die Umkehrgeneration sein. Ich habe mein letztes Posting aus diesem Grund mit einem Beitrag versehen, der meiner Auffassung am Nächsten kommt. Er hat eine sehr kontroverse Diskussion hervorgebracht. Das ist gut. Wer ihn sehen will, kann mich vielleicht verstehen. Es ist jedoch nicht wichtig. Ich will einfach nicht mehr länger kommentieren. Mich nicht mehr mit dem sezieren auseinandersetzen, mich darin verlieren. Alles ist längst gesagt und läuft wie in einem Film vor unseren Augen ab. Davon gilt es Abstand zu nehmen. Clauss findet hier in seinem Beitrag grandiose Worte. Darum ging es mir. Für mich bleibt noch der Ausstieg aus meinem jetzigen Job – der schwierigste Part von allem.

    Mein bisheriges Leben war eine Fahrt in einem Zug. Etliche Türen hab ich aufgestoßen, etliche irrige Gleise, Abfahrten waren ebenfalls darunter. Auf einige hätte ich gerne verzichtet - wer nicht - trotz allem hat es mich bis hierher gebracht. Gut so.

    Was bleibt

    1.) der Mensch glaubt was er glauben will.
    2.) aus der eigen gewählten Komfortzone auszubrechen ist mehr als schwer - erkennen jemand sich wieder?
    3.) es geht immer wie in geschichtlichen Aufzeichnungen über die TITANIC - der Mensch MUSS auf Grund laufen, um sich im Massenträgheitsgesetz zu ändern. Der Eisberg wird gespürt, aber im gleichen Moment vollständig verdrängt. Der Crash ist unvermeidlich. Leider sind wir so über die Zeit hinweg "Fehlprogrammiert". Jeder ist Opfer, jeder ist Täter. Schlussendlich jedoch kann wohl ein wahrer Paradigmenwechsel nur so zu uns kommen. Dieses mal verbunden mit wirtschaftlichen "Schmerzen", da es an positiven Einsichten bisher grundsätzlich mangelte. Etwas, was Mutter Erde längst von uns einfordert. Jeder trägt hierbei Verantwortung. Vor allem aber bei jeder Wahlentscheidung im Alltag - auch in politischen Themen.

    Abschließend könnte man es folgendermaßen formulieren - es wurde uns zum Ende des Jahres 2008 schon mal der Mantel gereicht. 2009 ff werden wir dann mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Türe hindurch geleitet. Wir alle lieben den Expertenmodus, auch davon berichtet Clauss in seinem Beitrag. Nur wohin hat er uns gebracht – vollkommen besoffen hat er uns gemacht. Das ist auch ein Teil der Wahrheit. Dies muss sich ein jeder selbst beantworten. Ich habe meine Antwort die letzten Tage und in der Summe der letzten Jahre in der Umkehr gefunden.

    Jede Spezies Mensch hat ein Recht auf ein eigenes Tempo. Einen eigenen Weg. Es gibt weder gut noch schlecht. Nur Systeme. Es gibt nach meinem Empfinden eben nicht die eine Spezies Mensch im Ganzen, sondern derer fast 7 Milliarden. Das sollten wir uns, in unseren Köpfen, unseren Gedanken immer wieder bewusst machen. Wir sind Gefangene der Sachzwänge bzw. des kapitalistischen Systems geworden. Gefangene des „ICH“. Wir leben Systeme die wir erfunden haben und leiden unter diesen Konditionierungen. Tag für Tag und Jahr um Jahr. Ein System, welches von Menschen geschaffen wurde und von diesen auch verändert werden kann! Die Zeit beschleunigt sich subjektiv mehr und mehr. Wir sind ein Teil davon. Dürfen mit gestalten. Worauf soll ich warten.

    Nach den zahlreichen Diskussionen in diversen Foren bin ich zum abschließenden Ergebnis gekommen, daß so oder so nichts mehr den "Melt Down" verhindern kann. Viel Brillantes steckt hinter diesem Forum DGF. Sehr viele wertvolle Erkenntnisse. Jedoch bin ich ein Vertreter der einfachen Sachverhalte und versuche den Schritt zurückzutreten.

    Ob alles in 2010 passiert, oder die folgenden Jahre, es spielt gar keine Rolle. Nach vorne schauen ist angesagt. Jedoch mit den aktuellen Erfahrungen, etwas Neues, Nachhaltigeres aufzubauen – in kleinen Systemeinheiten. Dahin fließt nun meine Kraft. Dies im generellen Bewusstsein hier im Forum, daß die weltweite materielle Party nicht mehr so weiterführbar sein wird. Egal ob wir nochmals unter einen weiteren Schutzschirm gestellt werden. Es wird nichts nützen. Diese Schirme sind alle aus Papier. Auf weiteren "Illusionswohlständen" basierenden, aufgebaut auf weiteren "Schuldverkettungsbriefen" mit fortwährenden Hypotheken auf nachfolgende Generationen gelastet. Illusionen die wir uns selbst erschaffen haben. Die nun grundlegend neu justiert werden müssen.

    Gewinnt diese Erkenntnis unseren Geist, wird die Zukunft einfacher, leichter. Ich behaupte, wesentlich intensiver, gar schöner, wenn das dunkle Tal, welches noch vor uns liegt durchwandert ist. Es liegt an uns selbst. Jeder muß hier seinen eigene Startpunkt setzen.

    Dieses Forum hat nach meiner Überzeugung dann seinen Auftrag erfüllt – und die Historie ist wirklich bewundernswert – wenn es sich selbst überflüssig „geschrieben“ hat. Dann können alle die daran die letzten Jahre mitgewirkt haben wirklich stolz auf sich sein. Auch die die im Groll von hier gegangen sind. Spielt alles keine Rolle, denn alles ist ein Teil des Ganzen. Den Schlüssel für ein neue Denken sehe ich in der kardinalen Frage – was wollen wir in Zukunft „spielen“ – Monopoly oder die Siedler von Catan!? Die erste Frage dahin geht immer über eine Erkenntnis des eigenen „Ich“. Für mich entscheide ich mit Antwort 2.

    Meinen Dank an Chef und alle die hier schreiben und lesen, viel Glück euch allen und weiterhin, wertvolle Erkenntnisse – mit den herzlichsten Grüßen, windstill


    gesamter Thread:

  • Renovatio – oder - die Siedler von Catan versus Monopoly - windstill, 21.10.2009, 18:22

Es gibt keinen Planeten B, aber einen Plan B: die Finca Bayano Preisvergleich Gold & Silber

321533 Postings in 43001 Threads, 688 registrierte Benutzer, 344 User online (5 reg., 339 Gaeste)

Das Gelbe Forum: Das Forum für Elliott-Wellen, Börse, Wirtschaft, Debitismus, Geld, Zins, Staat, Macht (und natürlich auch Politik und Gesellschaft - und ein wenig »alles andere«).